Politik

EU-Kritik an Deutschland: Mängel bei Pressefreiheit und Lobby-Transparenz

Rüge aus Brüssel für die Bundesregierung: Im neuen Rechtsstaatsbericht bescheinigt die EU-Kommission Deutschland anhaltende Defizite. Vor allem beim Auskunftsrecht für Journalisten gegenüber Bundesbehörden, im Transparenzregister für Lobbyisten und beim Steuerrecht für gemeinnützige Vereine sieht die Brüsseler Behörde dringenden Handlungsbedarf.
17.07.2026 15:10
Lesezeit: 1 min

Stillstand beim Auskunftsrecht für Medien

Besonders deutlich fällt die Kritik beim Thema Pressefreiheit aus. Nach Feststellung der EU-Kommission gab es im vergangenen Jahr keinerlei Fortschritte bei der Schaffung eines bundesweiten Informationsrechts für Journalistinnen und Journalisten. Brüssel empfiehlt Deutschland daher nachdrücklich, endlich eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, die europäischen Standards beim Zugang zu behördlichen Dokumenten entspricht.

Debatte um Informationsfreiheitsgesetz

In Deutschland entbrannte wegen geplanten Einschränkungen des bestehenden Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) für den Zugang zu amtlichen Informationen zuletzt eine hitzige Diskussion. Unter anderem will die Bundesregierung den Kreis der Frageberechtigten einschränken. Die angekündigte Reform stößt bei Medienvertretern, Oppositionspolitikern und Organisationen, die dem Staat regelmäßig auf die Finger schauen, auf massive Kritik.

Seit 2006 bietet das IFG einen voraussetzungslosen Anspruch auf Informationen der Behörden des Bundes, unabhängig davon, ob der Fragende ein besonderes Interesse nachweisen kann oder Journalist ist. Die von der EU-Kommission geforderte Rechtsgrundlage soll hingegen explizit der Presse verbriefen, einen Anspruch auf Auskünfte der Bundesbehörden zu haben.

Kritik auch an deutscher Transparenz bei Lobbyeinfluss

Die EU-Kommission moniert im Bericht zudem, dass Deutschland nicht mehr Transparenz beim "legislativen Fußabdruck" schafft. Damit ist ein umfassendes öffentliches Register gemeint, das erfassen soll, welchen Einfluss Lobbyismus bei Gesetzgebung hatte. Zudem habe Deutschland keine Fortschritte bei der Anpassung der Steuerbefreiung für gemeinnützige Organisationen erzielt. Dies beeinträchtigt die NGOs laut Bericht weiterhin in ihrer Arbeit.

Deutschland erhält im Bericht insgesamt ein überwiegend positives Zeugnis. Ein Großteil der Bevölkerung - über 75 Prozent - nimmt die Justiz als unabhängig wahr. Auch bei einem früheren Kritikpunkt, dass der Justiz zum Teil nicht genügend Ressourcen oder qualifiziertes Personal zur Verfügung stünden, seien erhebliche Fortschritte erzielt worden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Elektronische Patientenakte: Hausärzte warnen vor Kassen-Zugriff auf Patientenakten
22.10.2026

Werden Patienten mit einem neuen Digitalgesetz besser vor Krankheiten geschützt - oder werden sie neuen Risiken anderer Art ausgesetzt?...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: CoreWeave und Sandisk im Tech-Ausverkauf schwer getroffen
22.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Auslöser die Wall Street in Aufruhr versetzen und was das für die Märkte bedeutet.

DWN
Technologie
Technologie Enthüllt: Diese US-Techkonzerne wollten den Stromverbrauch ihrer Rechenzentren geheim halten
22.10.2026

Google und Microsoft wollten zentrale Angaben zum Stromverbrauch ihrer irischen Rechenzentren unter Verschluss halten. Die Umweltbehörde...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hier sind die besten und schlechtesten Rentensysteme der Welt
22.10.2026

Deutschlands Rentensystem gerät zunehmend unter Druck, während Dänemark im weltweiten Renten-Ranking auf den zweiten Platz klettert....

DWN
Politik
Politik Steuereinnahmen steigen: Klingbeil sieht trotzdem keinen neuen Spielraum
22.10.2026

Die neue Steuerschätzung bringt dem Bund Milliarden an zusätzlichen Einnahmen. Für Finanzminister Lars Klingbeil bedeutet das trotzdem...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsboom statt Autokrise: Mittelstand drängt in die Wehrtechnik
22.10.2026

Deutschlands Wehretat knackt die 100-Milliarden-Euro-Marke und treibt den industriellen Strukturwandel voran. Weil das klassische...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft SpaceX mit Milliardengewinn: Elon Musk plant die größte Fusion aller Zeiten
22.10.2026

Elon Musk meldet einen Milliardengewinn bei SpaceX und denkt bereits über den nächsten historischen Schritt nach. Eine Fusion mit Tesla...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Verbrenner-Aus in der EU: Lockerung nimmt erste Hürden im Europaparlament
22.10.2026

Das geplante Verbrenner-Aus könnte weniger strikt ausfallen als bislang vorgesehen. Im Europaparlament haben sich erste Ausschüsse für...