Finanzen

Commerzbank-Aktie: Rekordgewinn stärkt Position im Übernahmekampf mit Unicredit

Mit steigenden Gewinnen wollte die Commerzbank-Aktie ihre Unabhängigkeit untermauern. Die jüngste Zwischenbilanz fällt positiv aus. Doch wie geht es im Übernahmekampf mit der Unicredit weiter?
06.08.2026 12:57
Lesezeit: 6 min
Commerzbank-Aktie: Rekordgewinn stärkt Position im Übernahmekampf mit Unicredit
Die Commerzbank-Aktie profitiert von einem Rekordgewinn. Gleichzeitig verschärft die Unicredit den Übernahmekampf um das Geldhaus. (Foto: dpa) Foto: Hannes P. Albert

Commerzbank-Aktie: Rekordgewinn stärkt Orlopp im Übernahmekampf mit Unicredit

Die Commerzbank-Aktie steht nach einem überraschend kräftigen Gewinnsprung im zweiten Quartal erneut im Fokus. Die Commerzbank sieht sich gestärkt für weitere Gespräche mit ihrer Großaktionärin aus Mailand. "Wir sind bereit für konstruktive Gespräche mit der Unicredit <IT0005239360>", sagte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp am Donnerstag in Frankfurt. Nur ein gemeinsamer Ansatz habe das Potenzial, Mehrwert zu schaffen.

Commerzbank-Aktie: Kurs erreicht Höchststand seit 2010

An der Börse fand die Commerzbank-Aktie nach ihrem jüngsten Höhenflug zunächst keine klare Richtung. Nach mehreren Schwankungen stieg sie am Vormittag zeitweise auf 39,87 Euro und war damit so teuer wie zuletzt im Jahr 2010. Um die Mittagszeit notierte das Papier noch 0,4 Prozent höher bei 39,50 Euro.

De facto habe die Commerzbank nun "einen Kontrollaktionär", sagte Orlopp in einer Telefonkonferenz mit Journalistinnen und Journalisten. "Vom Zeitplan gehen wir davon aus, dass es im vierten Quartal die Genehmigungen alle geben wird", sagte sie mit Blick auf die Prüfungen der Unicredit-Pläne durch die Aufseher.

Auf die Frage nach ihrer beruflichen Zukunft antwortete Orlopp, für sie stelle sich nicht die Frage, wie es persönlich für sie weitergehe. Sie sehe ihre Verantwortung als Vorstandsvorsitzende der Commerzbank darin, "das Maximale aus der Situation für alle rauszuholen". Man dürfe nicht vergessen, dass derzeit mehr als 50 Prozent der Aktien nicht von der Unicredit kontrolliert würden und beide Banken weiterhin Wettbewerber seien.

Commerzbank-Aktie profitiert von Gewinnsprung

Von April bis Juni 2026 verdiente Deutschlands zweitgrößte börsennotierte Bank unter dem Strich fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Der Überschuss stieg von 462 Millionen Euro auf 898 Millionen Euro und übertraf damit die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten. Im Vorjahreszeitraum hatten allerdings Kosten für den Abbau von Tausenden Arbeitsplätzen den Gewinn belastet.

Nach einem Rekordergebnis von 1,8 Milliarden Euro im ersten Halbjahr sieht der Vorstand die Commerzbank "voll auf Kurs, ihr Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro im Gesamtjahr zu erreichen".

Commerzbank-Aktie: Ist die Unabhängigkeit noch zu retten?

Der Frankfurter Dax-Konzern will nun weitere bis zu 1,2 Milliarden Euro in den Rückkauf eigener Aktien investieren. Mit Aktienrückkäufen und höheren Gewinnen wollte der Vorstand um Konzernchefin Orlopp die Aktionäre an sich binden und so die Unabhängigkeit des 1870 gegründeten Instituts sichern.

Doch die italienische Großbank Unicredit hat knapp zwei Jahre nach ihrem Einstieg bei der Commerzbank inzwischen Zugriff auf fast die Hälfte der Anteile. Unicredit-Chef Andrea Orcel erwartet nach jüngsten Aussagen eine baldige Kontrollübernahme des Frankfurter Instituts.

Übernahme: Orlopp fordert gemeinsamen Kurs

"Auch wenn die Unicredit über eine Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung verfügt, kann sie über wesentliche Strukturmaßnahmen nicht allein entscheiden", bekräftigte Commerzbank-Chefin Orlopp. "Das ist ein klarer Gestaltungsauftrag für beide Seiten. Dafür braucht es ein gemeinsames Verständnis des Geschäftsmodells und die Einbindung aller Stakeholder."

Der Bund, dessen Aktienverkauf im September 2024 zum Einfallstor für die Unicredit wurde, hat mit seinen verbliebenen gut zwölf Prozent Anteil weiterhin ein Wort mitzureden. Die Beteiligung ist eine Folge der Finanzkrise 2008/2009, als der Staat das Institut mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrte.

Auf die Frage, ob es in den Gesprächen mit der Unicredit nun auch um den künftigen Standort der Zentrale gehe – Frankfurt oder München, wo die Unicredit-Tochter Hypovereinsbank (HVB) sitzt und die Unicredit einen neuen Büroturm errichten will –, antwortete Orlopp: "Wir werden alle potenziellen Gestaltungskriterien im Hinblick auf die Zielbilder prüfen."

Commerzbank-Aktie: Droht der Abbau Tausender Jobs?

Orcel will mit einer Übernahme der Commerzbank eine europäische Großbank schmieden – auch als Gegengewicht zu den deutlich profitableren Geldhäusern aus den USA. Die Unicredit sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen einschließlich des Abbaus Tausender Stellen. Das aus Sicht der Commerzbank "feindliche Vorgehen" der Italiener sorgt für erheblichen Widerstand bei Management, Betriebsrat und Belegschaft des Dax-Konzerns. Auch der Bund äußerte sich wiederholt kritisch.

Die Unicredit ließ jedoch nicht locker und sicherte sich bis Anfang Juli über ein freiwilliges Übernahmeangebot nach eigenen Angaben weitere 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere. Zusammen mit den bereits gehaltenen 26,77 Prozent steigt ihr Anteil rechnerisch auf 44,37 Prozent. Zudem verfügen die Italiener über Kaufoptionen auf weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien und könnten ihren Anteil nach jüngsten Angaben auf 47,59 Prozent erhöhen.

Übernahmekonstrukt: Commerzbank schaltet Bafin ein

Dabei zog Investmentbanker Orcel trickreich alle Register. Nach Erkenntnissen der Commerzbank dienten Profi-Investoren und Privatanleger der Unicredit im Zuge des Übernahmeangebots zusammen gerade einmal 2,7 Prozent der Anteile an. Der Rest stammt demnach überwiegend von Banken, mit denen die Unicredit über Finanzinstrumente Geschäfte macht. Zwischenzeitlich hatte die Commerzbank der Unicredit vorgeworfen, ihre Aktienposition "künstlich aufzublähen". Zur Klärung schaltete der Dax-Konzern die Finanzaufsicht Bafin ein. Ein Ergebnis der Prüfung steht weiterhin aus.Unterdessen verlief eine Strafanzeige des Commerzbank-Gesamtbetriebsrats wegen des Verdachts der Marktmanipulation im Sande: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt lehnte es ab, in der Sache ein Ermittlungsverfahren aufzunehmen, "da zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat nicht festgestellt werden konnten", wie die Behörde Anfang Juli mitteilte.

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