Finanzen

Übernahmepoker: Unicredit nähert sich Mehrheit bei Commerzbank

Die Unicredit hat mit Ablauf ihres Übernahmeangebots ihren Anteil an der Commerzbank weiter aufgestockt. Eine Mehrheit an den Dax-Konzern ist nicht mehr fern. Wie geht es nun weiter?
08.07.2026 12:39
Aktualisiert: 08.07.2026 13:47
Lesezeit: 2 min
Übernahmepoker: Unicredit nähert sich Mehrheit bei Commerzbank
Die UniCredit baut ihren Einfluss bei der Commerzbank aus. Mit einem Aktientauschangebot sichert sich CEO Andrea Orcel über 44 Prozent der Anteile. (Foto: dpa) Foto: Roberto Monaldo

Unicredit nähert sich Mehrheit bei Commerzbank

Die Unicredit kommt einer Mehrheit bei der Commerzbank näher. Das Übernahmeangebot der Italiener wurde bis Ablauf am 3. Juli für 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere angenommen, teilte die Unicredit mit. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die Großbank aus Mailand schon vor der Offerte hielt, steigt der direkte Unicredit-Anteil an der Commerzbank damit auf gut 44 Prozent.

Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen zusätzlich Zugriff auf mehr als drei Prozent der Commerzbank-Aktien und kämen so nach eigenen Angaben auf mehr als 47 Prozent.

Nur knapp an Mehrheit vorbeigeschrammt

Die Unicredit erklärte, das Ergebnis übertreffe die eigenen Erwartungen deutlich. Der Anteil von 47,59 Prozent entspreche 49,65 Prozent der Stimmrechte der Commerzbank, da die eigenen Aktien der Commerzbank nicht stimmberechtigt seien und würde ebenfalls auf dieses Niveau steigen, sobald die Commerzbank ihre eigenen Aktien zurückkaufe.

Die Unicredit sei weiter bestrebt, "konstruktiv" mit allen relevanten Stakeholdern zusammenzuarbeiten und zugleich die nötigen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Prozesse voranzutreiben.

Noch Hürden bis zu einer Übernahme

Die Unicredit kann nun an der Börse weitere Commerzbank-Aktien kaufen, steht dabei aber unter Beobachtung der Finanzaufsicht. Mit dem aufgestockten Anteil ist eine Commerzbank-Übernahme wahrscheinlicher geworden.

Mit Stand 19. Juni hatte die Unicredit bereits einen Anteil von rund 40 Prozent an der Commerzbank gemeldet plus Finanzinstrumente. Schon zuletzt hatte die Unicredit mit einer Absetzung des Commerzbank-Managements auf der nächsten Hauptversammlung im Frühjahr 2027 gedroht, sollte sie genug Aktionäre hinter sich bringen.

Damit eine Übernahme kommt, müssten aber nicht nur weitere Commerzbank-Aktionäre ihre Anteile verkaufen, sondern auch die Aufsichtsbehörden zustimmen, allen voran die Bankenaufsicht der Europäische Zentralbank (EZB) sowie die Wettbewerbshüter der EU-Kommission.

Einfluss nach und nach ausgebaut

Die Unicredit, die im September 2024 bei der Commerzbank eingestiegen war, hatte Anfang Mai ein Übernahmeangebot vorgelegt. Sie bot 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Papier. Umgerechnet lag die Offerte der Unicredit lange unter dem Kurs der Commerzbank-Aktien. Zuletzt wurde das Angebot der Italiener aber mit dem deutlich gestiegenen Aktienkurs der Unicredit attraktiver.

Unicredit-Chef Andrea Orcel will mit einer Übernahme der Commerzbank eine europäische Großbank schmieden, auch als Gegengewicht zu den US-Häusern. Er sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus von 7.000 Stellen bei der Commerzbank. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lehnt eine Übernahme ebenso ab wie der Bund.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
27.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Technologie
Technologie KI und Burnout: Warum ausgerechnet Entlastung krank machen kann
27.09.2026

KI soll Beschäftigte entlasten, Routinearbeit übernehmen und Unternehmen produktiver machen. Doch ausgerechnet die neue Effizienz schafft...

DWN
Politik
Politik Kanada und EU: Von der Leyens Plan könnte den Binnenmarkt verändern
27.09.2026

Kanada soll enger an die Europäische Union rücken als je zuvor. Ursula von der Leyen bringt dafür sogar eine "assoziierte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Horacio Pagani im Porträt: Seine Autos sind verkauft, bevor die Öffentlichkeit sie sieht
27.09.2026

Horacio Pagani baut keine Autos für den Massenmarkt. Im vergangenen Jahr sollen es gerade einmal rund 50 gewesen sein, das günstigste...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmensnachfolge: Mehr Schließungs- als Übergabepläne im Mittelstand
27.09.2026

Erstmals wollen mehr Mittelständler dichtmachen als übergeben. Betroffen sind auch profitable Betriebe mit vollen Auftragsbüchern. Oft...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI für Anwälte: Der 26-Jährige, dem Investoren Milliarden hinterhertragen
27.09.2026

Drei Gründer, drei Jahre und inzwischen eine mögliche Milliardenbewertung: Der erst 26-jährige Max Junestrand baut mit Legora eines der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autoindustrie Slowakei: Der Autoriese ohne eigene Automarke
26.09.2026

Kein anderes Land produziert gemessen an seiner Einwohnerzahl so viele Autos wie die Slowakei. Volkswagen, Kia, Porsche und Land Rover...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreichs Wirtschaft: Fünf Warnsignale vor der Präsidentenwahl
26.09.2026

Frankreichs Wirtschaft kommt kaum noch vom Fleck, während der Schuldenberg weiter wächst und Anleger höhere Zinsen verlangen....