Unternehmen

Unicredit erhöht Druck auf Commerzbank: Übernahme rückt näher

Unicredit macht Ernst und treibt die Übernahme der Commerzbank mit Tempo voran. Doch Widerstand aus Berlin und Frankfurt könnte den Deal noch kippen.
07.05.2026 12:01
Lesezeit: 4 min
Unicredit erhöht Druck auf Commerzbank: Übernahme rückt näher
Unicredit startet ein Übernahmeangebot für die Commerzbank und erhöht den Druck auf Management und Politik. (Foto: dpa) Foto: Michael Brandt

Commerzbank Unicredit: Unicredit treibt Commerzbank-Übernahme voran

Die Unicredit strebt im Rahmen der Commerzbank Unicredit-Übernahme mehr Kontrolle über die Commerzbank an – trotz massiver Widerstände in Frankfurt und Berlin. Ist eine "feindliche" Übernahme des Dax-Konzerns noch abzuwenden?

Mit einem offiziellen Übernahmeangebot erhöht die Unicredit im Rahmen der Commerzbank Unicredit-Transaktion den Druck auf die Commerzbank deutlich. "Ich glaube, dass man durch das Angebot die Dinge voranbringen kann", sagte Unicredit-Chef Andrea Orcel den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX in Frankfurt. "Wir sind sehr offen für jeden Dialog, aber die Angebotsfrist ist nun einmal so, wie sie ist. Das Verfahren ist gesetzlich festgelegt."

Frist läuft bei Commerzbank Unicredit: Zeit wird knapp

Nun läuft die Zeit: Wie angekündigt machte die italienische Großbank ihr Kaufangebot im Zuge der Commerzbank Unicredit-Übernahme für sämtliche Anteile des Dax-Konzerns offiziell – einen Tag, nachdem ihre Anteilseigner der dafür nötigen Kapitalerhöhung zugestimmt hatten. Bis zum Ablauf des 16. Juni will sich die Unicredit, die bereits knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile kontrolliert, weitere Anteile sichern, wie die Unicredit in Mailand mitteilte.

Aktientausch statt Barangebot

Die Italiener bieten kein Bargeld, sondern für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Aktien. Das hatte die Unicredit bereits Mitte März angekündigt. Damals hieß es, das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Auf dieser Basis bewertet die Unicredit die Commerzbank im Rahmen der Commerzbank Unicredit-Transaktion mit knapp 35 Milliarden Euro. Nun rechnete die Unicredit vor, die Anteile seien auf Grundlage eines Drei-Monats-Durchschnittskurses 34,35 Euro wert. Die Offerte kann bis zum 3. Juli verlängert werden.

Die Commerzbank teilte mit, sie nehme "die Angebotsunterlage der UniCredit S.p.A. im Rahmen ihres unabgestimmten Übernahmeangebots zur Kenntnis". Vorstand und Aufsichtsrat des Dax-Konzerns werden demnach das Angebot "sorgfältig prüfen" und innerhalb der gesetzlichen Frist dazu eine begründete Stellungnahme abgeben. Das Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz verlangt dies "unverzüglich", in der Praxis hat sich eine Frist von zwei Wochen als Regel etabliert.

Keine Kontrollmehrheit bei Commerzbank Unicredit in Sicht

Das Angebot bleibe sechs Wochen gültig, "was danach bei der Commerzbank Unicredit-Übernahme geschieht, liegt in der Hand der Aktionäre", sagte Orcel. "Wir glauben, dass wir viel Wert schaffen können, nicht nur für die Aktionäre, sondern auch für die Mitarbeiter und Kunden in Deutschland."

Die Italiener erwarten nicht, mit ihrem Tauschangebot die Kontrollmehrheit bei dem Frankfurter Institut zu erreichen. Denn eine Commerzbank-Aktie kostet an der Börse derzeit rund 35 Euro. Daher gilt es als unwahrscheinlich, dass die Unicredit viele Commerzbank-Aktionäre überzeugen wird.

Das wahrscheinlichste Szenario sei, dass die Unicredit unter der Kontrollmehrheit von 50 Prozent bleibe, sagte Orcel. "Wie Sie wissen, haben wir klar zum Ausdruck gebracht, dass wir bislang kein Interesse daran haben, mehr Mitspracherecht zu erlangen", betonte der Manager im Kontext der Commerzbank Unicredit-Übernahme.

Der deutsche Staat will seine restlichen gut zwölf Prozent an der Commerzbank nicht verkaufen und setzt sich dafür ein, dass Deutschlands zweitgrößte Privatkundenbank eigenständig bleibt.

Unicredit wirbt seit Monaten um Commerzbank

Die Unicredit versucht seit Herbst 2024, im Rahmen der Commerzbank Unicredit-Übernahme, mit verschiedenen Interessengruppen in Kontakt zu treten, um einen gemeinsamen Plan zu entwickeln, sagte Orcel. Das sei bislang nicht gelungen.

Commerzbank wehrt sich gegen Unicredit

Management, Betriebsrat und Belegschaft der Commerzbank wehren sich seit Monaten gegen das aus ihrer Sicht "feindliche" Taktieren im Rahmen der Commerzbank Unicredit-Übernahme. Die Unicredit hatte im September 2024 einen Aktienverkauf des Bundes genutzt, um bei der Commerzbank einzusteigen. Inzwischen kontrolliert die italienische Großbank direkt über Aktien und indirekt über Finanzinstrumente 29,99 Prozent der Commerzbank-Anteile. Für weitere 2,65 Prozent hat sich die Unicredit den Kaufpreis der Papiere gesichert, jedoch nicht das Kaufrecht selbst.

Die Unicredit verspricht sich bei einer Übernahme der Commerzbank Vorteile im Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden in Deutschland. Hierzulande ist die Unicredit bereits mit ihrer Tochter Hypovereinsbank (HVB) vertreten, was Einsparungen ermöglichen würde. Gewerkschaften befürchten einen "Kahlschlag" bei der Commerzbank – ähnlich wie einst bei der HVB.

Orcels Umbauplan: harte Einschnitte drohen

Orcel präsentierte jüngst einen Plan für den Fall einer Commerzbank Unicredit-Übernahme, demzufolge etwa 7.000 Vollzeitstellen in Deutschland wegfallen könnten. Gewerkschaften befürchten einen "Kahlschlag" bei der Commerzbank.

Das Auslandsnetz der Commerzbank hält die Unicredit für "überdimensioniert" und "ineffizient". Orcels schonungsloses Fazit: Der derzeitige Kurs der Commerzbank werde "mittelfristig ihr Überleben gefährden".

Den Vorwurf, die Unicredit rede die Commerzbank öffentlich schlecht, um den Preis für weitere Anteile zu drücken, wies Orcel zurück. "Wir machen die Commerzbank nicht schlecht. Wir wollen, dass die Commerzbank den Wert realisiert, den sie realisieren kann", betonte der Manager. "Aber wenn wir sagen, die Commerzbank soll den Wert realisieren, den sie realisieren kann, dann heißt es, wir zerlegten sie, wir zerstörten sie. Es tut mir leid, wenn man sich die Fakten ansieht, tun wir das nicht. Das tun wir nicht."

Bundesregierung kritisiert Unicredit-Angebot für Commerzbank

Die Bundesregierung hat das Übernahmeangebot der Commerzbank durch die Unicredit scharf kritisiert. Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille sagte in Berlin, das Vorgehen der Unicredit sei aus Sicht der Regierung "völlig unangebracht und unfair".

Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, man unterstütze die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank. "Eine feindliche, aggressive Übernahme, insbesondere mit Blick darauf, dass es sich um eine systemrelevante Bank handelt" wäre nicht akzeptabel. Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank würden das Angebot der Unicredit jetzt prüfen und eine Empfehlung an die Aktionäre der Commerzbank abgeben.

"Für uns ist klar, die Commerzbank spielt eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Mittelstands. Sie ist außerdem bedeutender Arbeitgeber und zentral für den Finanzstandort Frankfurt und beides gilt es auch in Zukunft sicherzustellen", sagte der Sprecher. Auf die Frage, ob der Bund seine Anteile an der Commerzbank aufstocken wolle, antwortete er, zu hypothetischen Fragen äußere man sich an der Stelle nicht. Der Bund hält noch 12 Prozent an der Bank.

Mit einem offiziellen Übernahmeangebot hatte die Unicredit am Dienstag den Druck auf die Commerzbank erhöht. Bis zum Ablauf des 16. Juni will sich die Unicredit, die bereits knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile kontrolliert, weitere Anteile sichern, wie die Unicredit in Mailand mitteilte.

Die Unicredit verspricht sich bei einer Übernahme der Commerzbank Vorteile im Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden in Deutschland. Hierzulande ist die Unicredit schon mit ihrer Tochter Hypovereinsbank (HVB) vertreten, was Einsparungen ermöglichen würde. Gewerkschaften befürchten einen "Kahlschlag" bei der Commerzbank wie einst bei der HVB.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neue EU-Regeln und wie sie den europäischen Online-Unterhaltungsmarkt verändern

Die europäische Glücksspielbranche steht vor einer der größten Umbruchphasen ihrer Geschichte. Neue gesetzliche Regelungen innerhalb...

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen So haben die Börsenprofis ihre Portfolios in der Iran-Krise angepasst
21.05.2026

Die Iran-Krise und hohe Bewertungen im Technologiesektor spalten die größten Investoren der Welt. Besonders die Microsoft-Aktie zeigt,...

DWN
Finanzen
Finanzen Ubisoft-Aktie stürzt ab: Anleger enttäuscht über Milliardenverlust – wie geht es weiter?
21.05.2026

Nach der aktuellen Zahlenvorlage steht die Ubisoft-Aktie am Donnerstag unter massivem Druck. Der französische Spielekonzern meldet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rohstoffpreise explodieren und Deutschland zahlt den Preis des Iran-Kriegs
21.05.2026

Erst blockiert der Krieg im Iran eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt, dann springen Öl, Gas, Metalle und Düngemittel an. Was nach...

DWN
Politik
Politik Straße von Hormus: Nato prüft Eingreifen bei anhaltender Blockade
21.05.2026

Eine blockierte Meerenge reicht aus, um die Weltwirtschaft nervös zu machen. In der Straße von Hormus entscheidet sich, ob Öl und Gas...

DWN
Politik
Politik NATO-Hilfe schrumpft und Deutschland wird zur Schwachstelle Europas
21.05.2026

Trump rüttelt an einem Kernversprechen des westlichen Bündnisses. Die USA wollen ihre NATO-Hilfe für Krisenfälle reduzieren, Europa...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland verliert Investoren – EY schlägt Alarm
21.05.2026

Der Standort Deutschland verliert weiter an Zugkraft: Immer weniger ausländische Unternehmen investieren hierzulande, während andere...

DWN
Politik
Politik Merz schlägt EU-Sonderstatus für die Ukraine vor: Kein schneller EU-Beitritt, dennoch mehr Nähe zu Europa
21.05.2026

Die Ukraine drängt auf eine schnelle Aufnahme in die Europäische Union – doch ein regulärer Beitritt dürfte noch Jahre dauern....

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-IPO: Mega-Börsengang steht für SpaceX-Aktie bevor – trotz Milliardenverlusten
21.05.2026

Mit der SpaceX-Aktie könnte der größte Börsengang aller Zeiten bevorstehen. Elon Musk verspricht nicht weniger als die Zukunft der...