Siemens-Aktie: Rekordaufträge und höhere Gewinnprognose
Die Siemens-Aktie steht nach starken Quartalszahlen im Fokus. Der Technologiekonzern hat im dritten Quartal Rekordwerte beim Auftragseingang und operativen Ergebnis erzielt. Vor allem die hohe Nachfrage rund um KI-Rechenzentren und die Digitalisierung der Industrie treiben das Geschäft. Zugleich hebt Siemens seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr an.
Siemens profitiert von KI-Boom und Digitalisierung
Der Technologiekonzern Siemens <DE0007236101> hat im dritten Quartal weiter Fahrt aufgenommen und im Neugeschäft sowie beim operativen Ergebnis Rekordwerte erzielt. Der Konzern kann dabei auf ein robustes Geschäft in seinen beiden digitalen Kernsparten blicken. So profitiert Siemens von einer hohen Nachfrage im Zusammenhang mit dem massiven Ausbau von KI-Rechenzentren sowie bei der Sparte Digital Industries, die die Industrieautomatisierung und das Softwaregeschäft umfasst. Die Ergebnisprognose erhöhte der Konzern.
"Unsere technologische Führerschaft in allen Geschäften, der klare Fokus auf industrielle KI sowie die starke Positionierung in attraktiven Märkten treiben unser profitables Wachstum voran", erklärte Konzernchef Roland Busch am Donnerstag zu den Zahlen. In einer Telefonkonferenz zeigte er sich zuversichtlich, dass der derzeitige KI-Boom auch 2027 und darüber hinaus anhalten wird.
Siemens-Aktie fällt trotz starker Quartalszahlen
Analysten lobten die Entwicklung im Quartal. Am Aktienmarkt nahmen Anleger bei der Siemens-Aktie im frühen Handel jedoch zunächst Gewinne mit, nachdem das Papier am Vortag ein Rekordhoch erreicht hatte. Der Kurs gab mehr als fünf Prozent nach und gehörte damit zu den wenigen großen Verlierern im Dax. In den vergangenen Jahren hat die Siemens-Aktie im Zuge des Umbaus zu einem Digitalunternehmen erheblich an Wert gewonnen. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von gut 13 Prozent zu Buche.
Wachstum auf breiter Basis habe für eine positive Überraschung und steigende Ziele gesorgt, schrieb Analyst Phil Buller von JPMorgan. RBC-Experte Mark Fielding merkte hingegen an, dass die neue Gewinnprognose bereits weitgehend den Erwartungen des Marktes entspreche.
Rekordaufträge treiben das Wachstum
Im dritten Quartal (per Ende Juni) kletterte der Auftragseingang, angetrieben von der Sparte Smart Infrastructure, um 13 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro, wie das Unternehmen in München mitteilte. Das war deutlich mehr als von Analysten erwartet. Mit einem Auftragsbestand von nunmehr 132 Milliarden Euro kann Siemens Busch zufolge "sehr optimistisch" ins nächste Geschäftsjahr blicken.
Der Umsatz stieg um sieben Prozent auf rund 20,8 Milliarden Euro. Vergleichbar – also ohne Währungs- und Portfolioeffekte – lag das Wachstum bei acht Prozent. Das Ergebnis im Industriegeschäft legte um ein Viertel auf 3,5 Milliarden Euro zu. Hier profitierte Siemens auch von Zollrückerstattungen in den USA, vor allem bei der Medizintechniktochter Siemens Healthineers. Unter dem Strich verdiente Siemens mit 2,6 Milliarden Euro 15 Prozent mehr und übertraf damit ebenfalls die Erwartungen.
Siemens erhöht Gewinnprognose
Als Folge hob Siemens seine Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2025/26 (per Ende September) an. So soll das Ergebnis je Aktie vor bestimmten Kaufpreiseffekten nun auf 11,20 bis 11,50 Euro steigen. Bislang hatte Siemens 10,70 bis 11,10 Euro in Aussicht gestellt.
Den Umsatzausblick bestätigte der Konzern hingegen und erwartet weiterhin ein vergleichbares Wachstum am oberen Ende der Spanne von sechs bis acht Prozent. Für Smart Infrastructure hob Siemens zudem die Erwartungen für Umsatz und Marge an.
Siemens treibt Abspaltung von Healthineers voran
Unterdessen kommt Siemens bei der geplanten Abspaltung seiner Medizintechniktochter Siemens Healthineers <DE000SHL1006> voran. So seien die relevanten steuerlichen Themen mit den Finanzbehörden verbindlich geklärt worden, sagte Finanzvorständin Veronika Bienert in einer Telefonkonferenz. Sie bestätigte auch den Zeitplan: Die Aktionäre beider Unternehmen sollen auf den Hauptversammlungen im kommenden Jahr darüber abstimmen. Weitere Details will Siemens im November mit den Jahreszahlen veröffentlichen.
Zudem kündigte Konzernchef Busch an, die Zahl der Aufsichtsratsmandate von Siemens-Vorstandsmitgliedern bei Healthineers von drei auf eins zu reduzieren. "Veronika und ich werden unsere Mandate niederlegen", sagte er. Dies werde zur nächsten Hauptversammlung von Siemens Healthineers im Februar 2027 wirksam.Siemens hatte im vergangenen Jahr angekündigt, sich mittelfristig von seiner Medizintechniktochter trennen zu wollen. Früheren Angaben zufolge sollen in einem ersten Schritt 30 Prozent an Siemens Healthineers abgegeben werden. Aktionäre hatten schon länger eine Trennung gefordert, da Healthineers zu den anderen Geschäften keine Synergien aufweist und viel Kapital bindet. Siemens hielt nach letzten offiziellen Angaben Ende vergangenen Jahres noch rund 67 Prozent. Mittelfristig strebt der Konzern eine reine Finanzbeteiligung an.

