Politik

Angriffe auf Frachter nehmen zu: Konflikt in der Straße von Hormus weitet sich aus

Die militärischen Spannungen zwischen Iran und den USA verlagern sich zunehmend auf zentrale Seewege und gefährden damit zunehmend den globalen Energiehandel. Welche Folgen hat diese Eskalation an der Straße von Hormus für die Stabilität internationaler Lieferketten und die wirtschaftliche Lage in Europa?
24.04.2026 11:11
Lesezeit: 3 min
Angriffe auf Frachter nehmen zu: Konflikt in der Straße von Hormus weitet sich aus
Die zunehmenden Angriffe auf Frachtschiffe und Tanker zeigen, wie sich der Konflikt zwischen Iran und den USA über die Straße von Hormus hinaus auf internationale Seewege ausdehnt (Foto: dpa) Foto: Morteza Akhoundi

Konflikt an der Straße von Hormus weitet sich auf die Weltmeere aus

Iran gibt an, zwei kommerzielle Frachtschiffe beschlagnahmt zu haben, nachdem zuvor drei Schiffe beschossen worden seien. Sollte sich dies bestätigen, wäre es die erste direkte iranische Beschlagnahmung seit Beginn des Konflikts.

Die Spannungen an der Straße von Hormus haben ein neues Hoch erreicht. Die USA und der Iran stehen sich in einem festgefahrenen Machtkonflikt gegenüber, bei dem es um die Kontrolle einer der wichtigsten Energierouten der Welt geht.

Am 24. April verschafften sich US-Streitkräfte Zugang zu einem Tanker mit iranischer Ölladung. Unter normalen Umständen passieren rund 20 Prozent des globalen Ölhandels sowie erhebliche Mengen Erdgas die enge Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Arabischen Meer.

Blockade trifft zentrale Energieflüsse

Der Schiffsverkehr ist inzwischen massiv eingeschränkt, da beide Seiten die Passage blockieren. Mehrere Schiffe haben versucht, die Sperren zu umgehen, was die Lage zusätzlich verschärft. Am 21. April gelang es nach Angaben von S&P Global Market Intelligence, 14 Schiffen mit iranischem Bezug, die Passage zu durchqueren.

Zugleich zwangen US-Streitkräfte insgesamt 31 Schiffe an der Straße von Hormus zur Umkehr, darunter überwiegend Öltanker. Als am 23. April drei kommerzielle Frachtschiffe ohne Verbindung zum Iran den Persischen Golf verlassen wollten, gerieten sie unter Beschuss iranischer Einheiten. Teheran erklärt nun, zwei dieser Schiffe unter Kontrolle zu haben.

Angriffe auf internationale Frachter

Iranische Staatsmedien berichten, die Revolutionsgarden hätten das Schiff Epaminondas beschossen, nachdem die Besatzung angeblich Warnungen ignoriert habe. Kurz darauf sei auch die Euphoria unter Beschuss geraten und gestoppt worden.

Wenig später meldete der Iran den Beschuss eines dritten Schiffes, des unter panamaischer Flagge fahrenden Containerschiffes MSC Francesca. Nach Angaben der Revolutionsgarden seien sowohl die MSC Francesca als auch die Epaminondas geentert und zur iranischen Küste gebracht worden, wo Ladung und Dokumente geprüft würden.

Beide Schiffe gehören laut BBC dem globalen Schifffahrtskonzern MSC. Das Außenministerium Panamas verurteilte die Vorfälle, während Griechenland bestätigte, dass ein griechisches Frachtschiff angegriffen worden sei, ohne eine iranische Kontrolle über das Schiff zu bestätigen.

Die von iranischen Staatsmedien veröffentlichte Videoaufnahme der angeblichen Übernahme der Schiffe wird von einem US-Marineanalysten gegenüber CNN als möglicherweise inszeniert bewertet. Unabhängig davon bestätigt die britische Seesicherheitsbehörde UKMTO mindestens zwei Angriffe auf Handelsschiffe.

USA setzen den Iran auf Seewegen unter Druck

Die jüngsten Vorfälle stehen im Zusammenhang mit der US-Operation Economic Fury. Washington versucht, mit einer Blockade iranischer Häfen den wirtschaftlichen Druck auf Teheran zu erhöhen und Zugeständnisse am Verhandlungstisch zu erzwingen.

Seit dem 13. April haben US-Streitkräfte nach eigenen Angaben 31 Schiffe zur Umkehr aufgefordert. Laut Reuters wurden zudem drei iranische Tanker im Indischen Ozean gestoppt, darunter ein Supertanker mit rund zwei Millionen Barrel Rohöl.

Darüber hinaus greifen die USA zu direkteren Maßnahmen. Am 20. April wurde das iranische Frachtschiff Touska, das aus China kam, beim Versuch, einen iranischen Hafen anzulaufen, beschossen und beschlagnahmt. Nach Angaben von Reuters transportierte das Schiff militärisches Material und gehörte zu einem sanktionierten Unternehmen.

In der Nacht zum 22. April stoppten US-Kräfte zudem den Tanker Tifani im Indopazifik nahe Sri Lanka, der der iranischen Schattenflotte zugerechnet wird. Am 24. April folgte die Enterung des staatenlosen Tankers M T Majestic im Indischen Ozean. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums war das Schiff mit iranischem Öl beladen.

Konflikt erfasst internationale Handelsrouten

Die Auseinandersetzung beschränkt sich damit nicht mehr auf die Straße von Hormus. Zunehmend geraten auch zentrale Handelsrouten im Indischen Ozean in den Einflussbereich militärischer Operationen. Für den globalen Energiehandel bedeutet dies wachsende Unsicherheit. Störungen entlang dieser Routen wirken sich unmittelbar auf Transportkosten, Versicherungsprämien und Lieferketten aus.

Für Deutschland als stark importabhängige Industrienation steigen damit die Risiken weiter. Höhere Energiepreise und unsichere Lieferwege könnten die wirtschaftliche Dynamik belasten und Unternehmen zu zusätzlichen Anpassungen in ihrer Beschaffungsstrategie zwingen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Festkörperbatterien lassen auf sich warten – könnte die Halbfestkörper-Technologie zur Brückentechnologie der Energiespeicherung werden?

Die Batteriewirtschaft befindet sich derzeit in einer bemerkenswerten Übergangsphase. Während nahezu alle großen Hersteller langfristig...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Chiphersteller Micron und Intel unter Druck, da OpenAI Berichten zufolge IPO-Verzögerung erwägt
26.06.2026

Spannende Verschiebungen an der US-Börse: Was die jüngsten Marktbewegungen für Ihr Portfolio bedeuten könnten.

DWN
Panorama
Panorama Imperien abseits des Rasens: Das verdienen die WM-Stars als Unternehmer
26.06.2026

Die bestbezahlten Fußballer der Welt definieren Reichtum neu. Längst reicht das Einkommen aus ihren Profiverträgen nicht mehr aus –...

DWN
Technologie
Technologie IT-Riese zerstreut Panik wegen gefürchtetem KI-Modell
26.06.2026

Der US-amerikanische IT-Riese Cisco ist eines der wenigen Unternehmen, denen es gestattet wurde, das berüchtigte KI-Modell Mythos zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (07/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
26.06.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Sensoren-Hersteller Balluff: „Es braucht Mut zu unbequemen Entscheidungen.“
26.06.2026

Balluff hat sich in über 100 Jahren von einer Reparaturwerkstatt zum Global Player für Sensoren und Automatisierungslösungen entwickelt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schluss mit Billig-Importen: EU stoppt Zoll-Ausnahme für Temu, Shein und Co.
26.06.2026

Wer schnellen Schnäppchen aus Fernost nachjagt, muss sich ab Sommer auf höhere Preise einstellen. Die Europäische Union schafft die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Millionenspritze für Galeria: Rettung auf Zeit oder echte Kehrtwende?
26.06.2026

Galeria steht vor der nächsten Sanierungswelle. Nach zähen Verhandlungen erhält die angeschlagene Warenhauskette einen neuen...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld bedroht? Bundesfinanzministerium kündigt Gesetze gegen Steuerbetrug an
26.06.2026

Das Bundesfinanzministerium geht gegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche vor. Wie Staatssekretär Michael Schrodi (SPD) nach einem...