Wirtschaft

Hotels verlieren Gäste: Deutsche bleiben häufiger zu Hause

Im Juni gab es in deutschen Hotels weniger Übernachtungen – vor allem inländische Gäste blieben aus. Im Halbjahr bleibt die Branche aber trotz mieser Konsumlaune halbwegs auf Kurs.
11.08.2026 15:05
Aktualisiert: 11.08.2026 15:05
Lesezeit: 2 min
Hotels verlieren Gäste: Deutsche bleiben häufiger zu Hause
Eine Frau läuft mit einem aufblasbaren Flamingo ins Wasser, während Menschen eine Abkühlung im seichten Wasser des Bodensees suchen. (Foto: dpa) Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Rekordhalbjahr: Konsumflaute bremst Inlandstourismus

Nach einem starken Jahresstart hat der Deutschland-Tourismus im Juni einen deutlichen Dämpfer erhalten. Hotels und andere Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten meldeten in dem Monat 48,9 Millionen Übernachtungen. Das waren 2,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Auf das erste Halbjahr gesehen bleibt das Geschäft aber gerade noch auf Rekordkurs.

Zumindest ein Teil der Erklärung für die Juni-Zahlen dürfte im verschobenen Pfingsttermin liegen, der im Vorjahr komplett im Juni lag und wie immer starken Reiseverkehr ausgelöst hat. Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) sieht aber auch die eingetrübte Konsumlaune und schlechte Verkehrsverbindungen als Probleme für den Tourismus, der immerhin knapp vier Prozent der deutschen Brutto-Wertschöpfung erbringt.

Vor allem Gäste aus dem Inland kamen im Juni seltener: 41,2 Millionen Übernachtungen bedeuteten einen Rückgang um 3,6 Prozent. Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste stieg hingegen um 1,6 Prozent auf 7,7 Millionen.

Halbjahr bleibt knapp auf Rekordkurs

223,8 Millionen Übernachtungen in den ersten sechs Monaten bedeuten einen Zuwachs von 0,3 Prozent im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2025. Diese hatte mit 223,1 Millionen Übernachtungen den bisherigen Rekord für das erste Halbjahr markiert. Die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste ist mit 0,5 Prozent zuletzt etwas stärker gestiegen als bei den Inländern mit 0,3 Prozent.

Die persönliche wirtschaftliche Unsicherheit, auch infolge der internationalen Spannungen, dämpft in breiten Bevölkerungsgruppen die Reiselust. Bei einer Umfrage Ende April/Anfang Mai im Auftrag des BTW erklärten 40 Prozent, im laufenden Jahr bei Reisen zu sparen. 22 Prozent verzichteten zumindest teilweise auf Urlaubsreisen.

Besonders betroffen sind ältere Menschen und Haushalte mit niedrigem Einkommen. "Wenn Menschen Angst um ihren Job oder ihr Einkommen haben, verzichten sie irgendwann auch auf Reisen und Genuss", sagt BTW-Präsident Sören Hartmann.

Deutschland bleibt sicheres Reiseziel

Mit 36,4 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste zum Halbjahr wird das Niveau aus der Zeit vor der Corona-Krise aber weiterhin nicht erreicht. In der ersten Jahreshälfte 2019 waren rund 3,4 Millionen Übernachtungen mehr registriert worden.

Man habe trotz schwieriger Marktbedingungen Zugewinne erzielt, betont die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT), die für das Incoming-Geschäft zuständig ist. Es gebe auch international einen Trend zu sicherheitsorientierten und kurzfristigeren Buchungsentscheidungen sowie näher gelegenen Reisezielen, sagt DZT-Chefin Petra Hedorfer. "Davon kann Deutschland mit seiner zentralen Lage, einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis und seiner Wahrnehmung als sicheres Reiseziel in dieser Sommersaison profitieren".

Fluganbindung geht zurück

Nach Einschätzung einer BTW-Sprecherin tragen das geänderte Geschäftsreiseverhalten, komplexe Visaregeln und die schlechtere Fluganbindung Deutschlands zu den immer noch verminderten Besucherzahlen aus dem Ausland bei.

Dazu passen Zahlen des Flughafenverbands ADV, der für das erste Halbjahr nur 77 Prozent der Flugbewegungen aus dem Vergleichszeitraum im Jahr 2019 registriert hat. Zwar sind die meisten Flüge auf innerdeutschen Verbindungen gestrichen worden, doch auch im Europa- und Interkontinentalverkehr gibt es weniger Angebot. Vor allem Regionen außerhalb der Drehkreuze verlieren ihre Anbindung an internationale Märkte.

Reiseziele klimafest machen

Zwar reden alle über das Wetter, aber im ersten Halbjahr dürften laut BTW allenfalls Kurzurlauber ihre Reisen von anfänglicher Kälte oder heftiger Hitzewelle Ende Juni abhängig gemacht haben. Als Reiseziel könnte Deutschland im Vergleich zum überhitzten Mittelmeerraum sogar gewinnen.

Doch der Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbands, Norbert Kunz, warnt: "Die Folgen des Klimawandels treffen längst auch deutsche Urlaubsregionen: Hitze schädigt Straßen und Schienen, Trockenheit senkt die Pegel von Flüssen und Seen." Insbesondere den Kommunen fehlten die Mittel für notwendige Investitionen in Hitzeschutz und die Vorsorge vor Extremwetter.

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