Skydance: Drohnen-Shows werden vom Event-Gag zum Geschäftsmodell
Als beim europäischen Musikfestival Sziget im August dieses Jahres die Drohnen für den Start vorbereitet wurden, begann das Magnetometer bei einer Reihe von Fluggeräten plötzlich nach links und rechts auszuschlagen. Das Problem lag jedoch nicht an der Software, sondern unter der Erde. Unter dem Veranstaltungsgelände verliefen mehrere Stromkabel und Eisenkonstruktionen, die das Magnetfeld störten.
Das Team des slowenischen Unternehmens Skydance musste kurzfristig das Programm anpassen, so unsere Kollegen von Finance.si, die Startzone verlegen und die gesamte Aufstellung erneut überprüfen. Am Ende gingen beide Drohnen-Shows planmäßig über die Bühne. Jeweils 400 Drohnen stiegen in den Himmel, einmal zur Eröffnung des Festivals und ein weiteres Mal für den Sponsor Visa.
Der Zwischenfall zeigt exemplarisch, wie anspruchsvoll das Geschäft ist, in das die Gründer Matic und Jan Škufca aus Novo mesto eingestiegen sind. Für das Publikum entstehen innerhalb weniger Minuten spektakuläre Lichtbilder am Himmel. Dahinter stehen jedoch mehrere Wochen Vorbereitung, Programmierung, Genehmigungsverfahren und Sicherheitsberechnungen. Hinzu kommen zahlreiche mögliche Störfaktoren, die das Team vor und während einer Veranstaltung beherrschen muss. Skydance beschäftigt sechs Mitarbeiter und verfügt derzeit über 100 eigene Drohnen.
Bevor sie ihr Unternehmen gründeten, arbeiteten die Brüder bereits in der Veranstaltungsbranche. Sie suchten nach neuen Möglichkeiten, Events aufzuwerten und Sponsoren etwas zu bieten, das beim Publikum sichtbar im Gedächtnis bleibt. Drohnen-Shows hatten sich damals von China und den USA aus bereits nach Westeuropa verbreitet. In Slowenien und der weiteren Region gab es dagegen kaum Anbieter.
Die beiden Unternehmer beschäftigten sich schon vor der Corona-Pandemie mit dem Geschäftsmodell, als sie selbst aktiv Veranstaltungen organisierten. Im Januar 2025 gründeten sie schließlich Skydance und stellten ein Team für Produktion, Choreografie, Programmierung, Gestaltung, Vertrieb und Marketing zusammen.
Ihre zentrale Wette lautet, dass sich der Markt für Drohnen-Shows von Westeuropa zunehmend nach Mittel- und Osteuropa sowie auf den Balkan ausbreitet. Skydance war bereits in Slowenien, Kroatien, Ungarn und Serbien aktiv. Vor allem das Ausland soll künftig für Wachstum sorgen. Der slowenische Heimatmarkt ist aus Sicht der Gründer zu klein, um allein dort schnell zu expandieren.
Die erste große Hürde waren dabei nicht die Kunden, sondern die Genehmigungen. In Slowenien hatte zuvor noch niemand vergleichbare Shows durchgeführt. Die zuständige Aufsichtsbehörde musste deshalb zunächst beurteilen, wie sicher und zuverlässig ein System ist, bei dem ein einzelner Betreiber einen ganzen Drohnenschwarm steuert.
Das Verfahren dauerte rund ein halbes Jahr. Das Unternehmen erstellte etwa 25 Dokumente, bewertete die Funktionsweise des Systems, durchlief Zertifizierungsverfahren, beschrieb Notfallabläufe und führte schließlich eine Demonstration für die Behörden durch. Ende August 2025 erhielt Skydance eine allgemeine Betriebsgenehmigung. Bereits im September desselben Jahres folgten die ersten Projekte.
Operationen mit Drohnenschwärmen fallen in eine besondere regulatorische Kategorie. Statt dass jede Drohne einen eigenen Piloten hat, steuert und überwacht ein zentrales System sämtliche Fluggeräte gleichzeitig. Die Drohnen folgen zuvor programmierten Flugbahnen. Während der Vorstellung lassen sich ihre Bewegungen nicht beliebig verändern. Der Pilot überwacht den Betrieb und kann den gesamten Schwarm im Problemfall zum Startpunkt zurückholen oder landen lassen.
Drohnen-Shows mit Logos, Geschichten und QR-Codes
Skydance verkauft seinen Kunden nach eigener Darstellung nicht einfach eine technische Show, sondern eine Geschichte am Himmel. Zum 70-jährigen Bestehen des kroatischen Schifffahrtsunternehmens Tankerska plovidba zeigte das Unternehmen in Zadar mit rund 150 Drohnen Motive aus der Firmengeschichte. Dazu kamen eigens produzierte Musik und eine erzählerische Tonspur.
Beim Oktobeerfest in Zagreb zeichneten 500 Drohnen Festivalmotive, Logos, eine Flagge und sogar einen QR-Code in den Nachthimmel. Besucher konnten diesen mit ihren Smartphones aus einer Entfernung von mehr als einem halben Kilometer scannen.
Je größer der Drohnenschwarm, desto detaillierter lassen sich die Bilder darstellen. Kunden können sich für eine erzählerische Inszenierung, eine Erweiterung einer Veranstaltung, eine Produktpräsentation oder eine spektakuläre Werbefläche am Himmel entscheiden.
Von der ersten Besprechung bis zur fertigen Aufführung dauert der Produktionsprozess in der Regel etwa einen Monat. Nach der Freigabe des Storyboards folgen Gestaltung und Programmierung. Anschließend entstehen die Musik und weitere Begleitelemente. Danach testet das Team die Show auf dem Gelände und beantragt die erforderliche Genehmigung für den jeweiligen Standort.
Mit dem RTK-System lässt sich eine einzelne Drohne auf ungefähr drei Zentimeter genau positionieren. Jedes Fluggerät startet von einem festgelegten Platz in seiner Transportbox und kehrt anschließend dorthin zurück.
Die Shows dauern normalerweise zwischen fünf und zehn Minuten. Technisch könnten die Drohnen etwa 30 Minuten in der Luft bleiben. Skydance empfiehlt aus Sicherheitsgründen jedoch eine maximale Flugzeit von 25 Minuten, damit ausreichend Energiereserve verbleibt.
Als grober Richtwert kostet eine Show zwischen 100 und 180 Euro je Drohne. Üblicherweise beginnen Projekte bei mindestens 50 Drohnen. Selbst eine vergleichsweise kleine Inszenierung kann damit bereits einen erheblichen Umsatz erzielen.
Derzeit verfügt Skydance über 100 eigene Drohnen. Die Geräte wurden in Europa entwickelt, produziert und zertifiziert. Für größere Projekte mietet das Unternehmen zusätzliche Drohnen bei Partnern.
Dieses Modell ermöglicht Skydance zwar, auch umfangreiche Aufträge anzunehmen. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Kosten für Transport, Abstimmung und Miete. Deshalb wollen die Gründer ihre eigene Flotte deutlich ausbauen.
Bereits im kommenden Jahr soll sie auf rund 500 Drohnen wachsen. Später peilt das Unternehmen 1.000 eigene Fluggeräte an. Für die notwendigen Investitionen wollen die Gründer entweder einen Investor gewinnen oder Fremdkapital aufnehmen.
Matic Škufca zufolge beendete das Unternehmen das vergangene Geschäftsjahr ungefähr an dem Punkt, an dem die anfänglichen Investitionen wieder verdient waren. Nun steht Wachstum im Mittelpunkt. Nach Einschätzung des Gründers gelingt dieser Schritt bislang.
Besonders interessant sind dabei weniger einzelne Großveranstaltungen als regelmäßig wiederkehrende Drohnen-Shows. Skydance verhandelt beispielsweise mit einem Freizeitpark über einen Auftrag, bei dem das Unternehmen zwei Monate lang jeden Abend auftreten würde. Insgesamt wären das rund 60 Vorstellungen.
Ein solcher Vertrag würde nicht nur planbarere Einnahmen schaffen, sondern auch die Auslastung der Drohnen deutlich verbessern.
Noch ambitionierter sind Programme mit einer Dauer von bis zu einer Stunde. Dabei sollen Drohnenschwärme mit einem Orchester, Akrobatik und Lichteffekten kombiniert werden. Weil die Batterien dafür nicht lange genug durchhalten, müssten sich mehrere Drohnengruppen während der Veranstaltung am Himmel abwechseln.
Skydance plant 1.000 Drohnen und setzt auf internationale Expansion
Ein weiterer symbolisch wichtiger Test fand am Schloss von Ljubljana statt. Dort ließ Skydance Anfang September rund 50 Drohnen aufsteigen. Ziel war nicht nur, Bilder über der slowenischen Hauptstadt zu erzeugen. Das Unternehmen wollte zugleich zeigen, dass sich ein kompletter Drohnenschwarm auch an einem besonders sensiblen Standort sicher betreiben lässt.
Der Versuch gelang und verschaffte dem Unternehmen eine wichtige Referenz im Heimatmarkt.
Langfristig setzt Skydance zudem darauf, dass Drohnen-Shows klassische Pyrotechnik zumindest teilweise ersetzen könnten. In Bled zeigte das Unternehmen bereits bei einer Silvesterveranstaltung, wie sich ein Feuerwerk durch eine leisere und sauberere Technologie ersetzen lässt.
Drohnen erzeugen keinen Rauch und ermöglichen statt kurzer Explosionen komplexe, wiedererkennbare Bilder und ganze Geschichten am Himmel. Darin sehen die Gründer einen entscheidenden Vorteil gegenüber traditionellen Feuerwerken.
Das Schloss von Ljubljana diente dabei vor allem als wichtige slowenische Referenz. Nach dem erfolgreichen Test stellt sich für Skydance nun eine deutlich größere Frage: Könnte eines Tages auch das traditionelle Silvesterfeuerwerk über der Hauptstadt durch einen Drohnenschwarm ersetzt werden?

