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EU-Papier: Nationale Parlamente schaden der EU und sollen entmachtet werden

In seinem neuen Positionspapier will Herman Van Rompuy nun den nationalen Parlamenten auf den Leib rücken: Sie handeln nicht im Interesse der EU, und sollten daher in ihrer Bedeutung deutlich zurückgedrängt werden.

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Herman Van Rompuy glaubt, dass nationale Parlamente nicht geeignet sind, um seinen Kurs der EU zu verstehen. (Foto: consilium)

Herman Van Rompuy glaubt, dass nationale Parlamente nicht geeignet sind, um seinen Kurs der EU zu verstehen. (Foto: consilium)

Die EU will die aktuelle Krise nützen, um den europäischen Parlamentarismus zu reformieren. Die nationalen Parlamente mögen den Staaten nutzen, für die EU sind sie eher lästig. Daher will die EU-Kommission, dass künftig alle wichtigen Budgetentscheidungen nicht mehr in den Staaten getroffen werden, sondern vom EU-Parlament. Herman Van Rompuy hat dazu ein Papier geschrieben (Original hier/Englisch).

Das Ansinnen ist wenig verwunderlich: Gerade der jüngste Streit um das Budget der EU-Kommission hat gezeigt, dass das EU-Parlament ein zahnloser Tiger ist und von der EU nach Belieben gegängelt werden kann (hier).

Die Grundlage sieht Ratspräsident Herman Van Rompuy in den faktischen Machtverhältnissen: Im Kapitel über demokratische Legitimation schreibt Van Rompuy, dass Entscheidungen dort auch demokratisch legitimiert werden sollen, wo sie tatsächlich getroffen werden. Für Rompuy ist diese Ebene die EU, und schon längst nicht mehr die Nationalstaaten.

Die EU möchte künftig ein entscheidendes Wort mitreden, wenn es um die nationalen Haushalte geht. Insbesondere möchte Van Rompuy bestimmen, welche Staaten Reformen vorzunehmen haben.

Daher plant die EU-Kommission, dass jeder Staat einen verbindlichen Vertrag mit der EU unterschreiben muss, in dem er sich auf bestimmte Vorgaben verpflichtet.

Ganz abschaffen möchte Van Rompuy die nationalen Parlamente jedoch nicht im Alleingang: Sie sollen ihrer Abschaffung zustimmen, indem sie den Vertrag zur Selbstaufgabe formal unterzeichnen.

In diesem Sinne können die Abnick-Verantstaltungen zum ESM als ein erster, erfolgreicher Probegalopp gesehen werden. Der Deutsche Bundestag hat sich hier schon für die neue demokratiepolitische Euro-Liga qualifiziert.

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Chaos in der Energie-Politik führt Deutschland in den Blackout
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Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht am 03.05.2016 die „Schule am Bodden“ in Neuenkirchen bei Greifswald. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht am 03.05.2016 die „Schule am Bodden“ in Neuenkirchen bei Greifswald. (Foto: dpa)

Zum Schutz der Umwelt sollen die Benzin- und Dieselautos von den Straßen verschwinden. Von Norwegen bis Indien erschallt der Ruf: Ab 2020 werden keine Benzin- oder Dieselfahrzeuge mehr zugelassen. Deutschland will zumindest Millionen E-Fahrzeuge auf die Straßen bringen. Allgemein scheint sich die Illusion „der Strom kommt aus der Steckdose“ in eine energiepolitische Maxime zu verwandeln. So fein es wäre, lautlose, emissionsfreie Autos zu genießen, man sollte doch einige Tatsachen zur Kenntnis nehmen.

Der ADAC weist aus, dass allein in Deutschland mit PKW etwa 700 Milliarden Kilometer im Jahr gefahren werden. Genau waren es 2014 735 Milliarden. Die Daten in Österreich liegen in der Regel, der Bevölkerung entsprechend, bei einem Zehntel. Und auch im übrigen Westeuropa kann Deutschland als Orientierungsgröße genommen werden. Zu fragen ist also ganz banal, was geschieht, wenn die 700 Milliarden nicht mehr mit Benzin oder Diesel zurückgelegt werden, sondern mit Strom.

Der Stromverbrauch würde um 25 bis 30 Prozent wachsen

Die Auto-Tester berichten, dass der Verbrauch der E-Autos je 100 Kilometer in etwa zwischen 20 und 30 Kilowattstunden liegt. Um also die 700 Milliarden Kilometer mit E-Autos zu bewältigen, benötigt man zwischen 140 und 220 Milliarden Kilowattstunden.
Aktuell werden in Deutschland jährlich 600 Milliarden Kilowattstunden verbraucht. Bei einem totalen Umstieg auf E-Autos käme also eine Steigerung um 25 bis 30 Prozent zustande. Um 140 Milliarden Kilowattstunden im Jahr zu erzeugen, würde man 70 große Flusskraftwerke oder 13 Atomkraftwerke benötigen, für 210 Milliarden Kilowattstunden entsprechend mehr. Zur Orientierung: Alle Windräder Deutschlands, von der Nordsee bis zu den Alpen, lieferten 2015 85,4 Mrd. kWh, die Photovoltaik steuerte 38,5 Mrd. kWh bei.
Das Konzept, wonach viele Autofahrer durch Photovoltaik-Anlagen auf dem eigenen Haus zu Selbstversorgern werden sollen, ist nur beschränkt anwendbar: Die Sonne scheint nicht nach Belieben, dann braucht man doch den Strom von der Versorgungsindustrie. Die Anlagen sind nicht billig und lösen auch Wartungs- und Reparaturkosten aus. Im Brandfall machen der Strom und die Chemikalien die Löscharbeiten fast unmöglich. Zudem ist die Umsetzung stark auf den ländlichen Raum beschränkt, in den Städten, in denen die meisten Menschen wohnen, ist die Realisierung besonders schwer.

Woher sollen zusätzliche 140 Mrd. kWh kommen?

Das Zeitalter der E-Autos ist also auf jeden Fall eine Herausforderung für die Energie-Versorgungsunternehmen. Die Herausforderung wird zur Überforderung: Durch den Ausstieg aus der Atomenergie wechselte Deutschland trotz des Ausbaus der Stromproduktion aus Braunkohle von einem Exporteur zu einem Importeur, der unter anderem Atomstrom aus Frankreich bezieht. Woher sollen zusätzlich 140 bis 200 Mrd. kWh kommen?

Vor dem Hintergrund dieser Daten ist die vor kurzem beschlossene Prämie von 4.000 Euro für den Kauf eines E-Autos in Deutschland äußerst problematisch. Wie auch die Mehrwertsteuerbegünstigung für E-Autos in Österreich. Oder die Absicht Norwegens ab 2020 nur mehr E-Autos zum Verkehr zuzulassen.

Der zweite Teil der neuen Förderung in Deutschland, die Zahlung einer Prämie von 3.000 Euro für Hybrid-Fahrzeuge erscheint da schon logischer, wobei man sich die Frage stellen muss, warum man diese Entwicklung nicht dem Markt überlässt. Bei Hybrid-Fahrzeugen wird die Aufladung der Batterien durch die Fahrt besorgt und ein Teil der Strecken mit dem so gewonnenen Strom bewältigt. Die Belastung der Stromproduktion ist daher geringer, wenn auch davon auszugehen ist, dass bei vielen Hybrid-Autos die Akkus nicht nur durch den Fahrbetrieb aufgeladen werden können und daher die industrielle Stromproduktion auch in Anspruch genommen werden muss.

Am Rande angemerkt sei dass die Frage nach dem Markt auch aus einem anderen Grund zu stellen ist: Die Förderung wird je zur Hälfte vom Staat und von der Auto-Industrie finanziert. Im Endeffekt wird ein Druck auf die Auto-Firmen ausgeübt, zusätzliche Rabatte zu gewähren. Die Förderung endet, wenn das Budget von 1,2 Mrd. Euro aufgebraucht ist, es handelt sich also um eine Art kurzzeitig wirkende Belebungsspritze für die E-Mobilität.

Alles oder Nichts bedeutet eher vom Regen in die Traufe

Die Vorkämpfer der Elektro-Mobilität lehnen die Einbeziehung der Hybrid-Autos in die Förderung ab, weil diese Technik den Verbrauch an Benzin oder Diesel nur verringert, aber nicht gänzlich beseitigt.

Diese Alles-oder-Nichts-Haltung führt zurück in das Dilemma, das bereits mit dem Ausstieg aus der Atom-Energie ausgelöst wurde. Im Jahr 2011 waren in Deutschland 17 Kernkraftwerke in Betrieb, neun sind mittlerweile abgeschaltet, die verbleibenden acht müssen bis 2022 folgen. Die Energiewirtschaft soll bis 2022 23,34 Mrd. Euro in einen Fonds zur Finanzierung der Endlagerung der Brennstäbe einzahlen. Die Unternehmen wiederum haben den Staat auf Schadenersatz für den Ausstieg um rund 15 Mrd. Euro geklagt. Außerdem verschlingt der Abbau der Kraftwerke enorme Summen. Beträge, die die Stromkonsumenten aufgebracht haben oder noch aufbringen müssen oder die letztlich doch alle zahlen müssen.

Der Ausfall der Stromproduktion aus den AKW sollte durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden, wobei Wind und Sonne besonders betont wurden. Um den Ausbau der Alternativen zu ermöglichen wurden und werden die Konsumenten mit Zuschlägen auf den Stromrechnungen belastet, die Millionen ergeben, um die Förderung der alternativen Energien zu finanzieren. Vor allem Wind und Sonne haben aber den Nachteil, dass die Produktion nicht stetig erfolgt, bei Windstille ruhen die Windräder, bei bedecktem Himmel erlahmt die Photovoltaik. Um die Stromversorgung sicher zu stellen, bedarf es aber einer kontinuierlichen Erzeugung, da sonst die Netze zusammenbrechen. Aus diesem Grund wurde die Stromerzeugung aus Braunkohle stark erweitert und auch in Zukunft werden Braun- und Steinkohleanlagen forciert.

Die jährliche Stromproduktion aus Braunkohle liegt derzeit bei etwa 150 Mrd. kWh in Deutschland, wobei zu beachten ist, dass gegenwärtig immer noch acht AKW in Betrieb sind. Durch die Abschaltung auch dieser Anlagen wird der Einsatz von Kohle weiter steigen müssen, selbst wenn die erneuerbaren Quellen weiter ausgebaut werden. Entwickelt sich ein Boom an E-Autos, dann ist ein weiterer Anstieg der Energiegewinnung aus Kohle unvermeidlich, da auch in Zukunft trotz der zu erwartenden Steigerung der Produktion aus erneuerbaren Energien die kontinuierliche Stromproduktion sichergestellt werden muss.

Mit dem Ausstieg aus der Atomproduktion wollte man das Risiko des Austritts von Radio-Aktivität bei einem Reaktor-Unfall vermeiden. Emissionsfrei würden Wind und Sonne jedes Risiko ausschalten. Allerdings kam man gleichsam vom Regen in die Traufe. Während AKW im Normalbetrieb kein CO-2 emittieren, haben Braunkohle-Kraftwerke ständig einen beträchtlichen CO-2-Ausstoß. Die in Deutschland emittierte Menge beträgt derzeit 150 Mio. t im Jahr. Durch die anhaltend große und noch steigende Produktion kann dieser Wert auch künftig nicht verringert werden. Insgesamt belastet Deutschland die Umwelt mit etwa 800 Mio. t CO-2, sodass auf die Braunkohle allein knapp 19 Prozent entfallen. Technisch möglich ist die Abscheidung und Lagerung von CO-2, die aber den Ausstoß nur um 10 Prozent senkt und ein weiteres Umweltproblem durch die Lagerung schafft.

Wo bleibt eine Energiepolitik, die nachhaltig die Versorgung sichert?

Schon der Ausstieg aus der Atomkraft hätte nicht ohne ein brauchbares Konzept für die künftige Stromversorgung stattfinden dürfen. Auch der Wechsel von Diesel- und Benzin-Fahrzeugen zu E-Autos ist ohne solide Alternativen nicht möglich.

Angemerkt sei, dass in diesem Bericht nur festgestellt wird, dass der Strom nicht aus der Steckdose, sondern von einem Kraftwerk kommt und schon dieser Umstand überfordert die Energie- und Umweltpolitik.

Zahlreiche andere Faktoren würden beim Abschied vom Öl den Strombedarf in die Höhe treiben und unter den derzeit gegebenen Bedingungen zum Zusammenbruch der Versorgung führen. Wir werden also bald im Dunkeln sitzen.

So war hier nur die Rede vom schönen Traum, dass alle nur mehr in E-Autos fahren. Nicht erwähnt wurde, dass in Deutschland 2,5 Millionen Nutzfahrzeuge unterwegs sind, von denen viele etwa 30 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbrauchen. Kein Wort auch von den Autobussen. Zudem kein Hinweis auf die Ölheizungen, die sogar durch den niedrigen Ölpreis derzeit an Attraktivität gewinnen. Keine Bemerkung, dass auch Erdgas ein fossiler Energieträger ist.

Es wurde auch argumentiert, als ob die E-Autos bereits voll ausgereifte Fahrzeuge wären. Nicht erwähnt wurde, dass die Batterien nur eine beschränkte Reichweite ermöglichen, dass beim Ausfall der Akkus das Auto steht, dass das Aufladen der Akkus längere Zeit dauert.

Wozu auch diese Themen vertiefen, wenn schon die Frage nach der Deckung des Zusatzbedarfs von mindestens 140 Mrd. kWh „nur“ beim Wechsel zum elektrischen PKW nicht beantwortet wird.

***

Ronald Barazon war viele Jahre Chefredakteur der Salzburger Nachrichten. Er ist einer der angesehensten Wirtschaftsjournalisten in Europa und heute Chefredakteur der Zeitschrift „Der Volkswirt“ sowie Moderator beim ORF. 

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IWF warnt vor Crash in Griechenland
IWF warnt vor Crash in Griechenland
In einem Brief an die 19 Euro-Finanzminister drängt IWF-Chefin Lagarde zur sofortigen Aufnahme von Verhandlungen über einen griechischen Schuldenerlass. Ihrer Ansicht nach hege die EU zu hohe Erwartungen an eine Erholung der Wirtschaft. Die Zeit drängt, weil bald die heiße…
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Dem IWF zufolge wird die Zeit für eine Einigung knapp. (Foto: dpa)

Dem IWF zufolge wird die Zeit für eine Einigung knapp. (Foto: dpa)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert die Finanzminister der Eurozone auf, unverzüglich mit Verhandlungen zu einem Schuldenschnitt für Griechenland zu beginnen, wie Financial Times schreibt. Dies geht aus einem Brief von IWF-Chefin Lagarde an alle 19 Finanzminister der Eurozone hervor, welcher der Zeitung vorliegt.

In dem Brief droht Lagard mit einem Ausstieg des IWF aus dem Kreditprogramm für Griechenland, falls nicht unverzüglich über Schuldenerleichterungen für das Land gesprochen werde. Die seit einem Monat andauernden Verhandlungen mit Griechenland über Einsparungen in Gesamthöhe von rund 3 Milliarden Euro seien aus IWF-Sicht „fruchtlos“ geblieben, wie Financial Times schreibt.

„Wir glauben, dass spezifische Reformmaßnahmen, eine Restrukturierung der Schulden und Fragen der Finanzierung jetzt zeitgleich diskutiert werden müssen. Für uns ist essentiell, dass die Finanzierung und die Schuldenerleichterungen, die Griechenlands europäische Partner fordern, auf Zielen beruhen, die realistisch sind (…)“, schreibt Lagarde demzufolge.

Das von der EU im vergangenen Jahr für Griechenland vorgegebene Ziel eines Primärüberschusses von 3,5 Prozent im Jahr 2018 sei unrealistisch. Der IWF rechnet damit, dass unter den gegebenen Umständen nur ein Primärüberschuss von 1,5 Prozent möglich sei. Ein Primärüberschuss beschreibt den Haushaltsüberschuss eines Landes ohne Berücksichtigung der Zinszahlungen für Schulden.

Griechenland muss im Juli rund 3,5 Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen, wozu es alleine nicht in der Lage ist. Die Zeit für eine Einigung drängt, weil bald die heiße Phase des Wahlkampfes über einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) beginnt.

Financial Times zufolge haben europäische Politiker ihren griechischen Kollegen bereits zu verstehen gegeben, dass eine schnelle Einigung erforderlich sei. Falls diese nicht zustande kommt, müsse man bis nach der Entscheidung in Großbritannien warten, weil man „keine tumultartigen Verhandlungen während der Brexit-Kampagne“ wünsche, wie Financial Times schreibt. Demzufolge müsste man eine Notlösung kurz vor Ende der Rückzahlungsfrist im Juli riskieren.

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Kriege ohne Legitimation: US-Soldat verklagt Präsident Obama
Kriege ohne Legitimation: US-Soldat verklagt Präsident Obama
Ein US-Soldat hat Obama wegen des Kriegs gegen die Terror-Miliz ISIS verklagt. Obama missbrauche seine Position, um gegen „selbst gewählte Feinde“ einen zeitlich und geografisch unbegrenzten Krieg zu führen.
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US-Präsident Barack Obama. (Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama. (Foto: dpa)

US-Soldat Nathan Michael Smith hat eine Klage gegen US-Präsident Barack Obama eingereicht. Der Krieg gegen die Terror-Miliz ISIS sei illegal, weil Obama es unterlassen habe, die Zustimmung des US-Kongresses einzuholen. Zudem habe Obama es unterlassen, einen zeitlichen Rahmen für den Krieg gegen ISIS zu nennen, berichtet die Washington Post.

Smith führt an, dass er aufgrund des Alleingangs Obamas seinen soldatischen Eid brechen musste, der sich auf den Schutz der US-Verfassung stützt. Er verpflichtete sich im Jahr 2010, um im Irak zu dienen. Doch dann habe er sich die Frage gestellt, ob „dies der Krieg der US-Administration oder der Amerikaner sei?“, heißt es in der Klageschrift. Die War Powers Resolution, ein Gesetz, das den Einsatz der US-Armee durch den US-Präsidenten rechtlich regelt, besagt, dass der US-Präsident 60 Tage nach dem Kriegseinsatz den Kongress um Zustimmung für den Einsatz anfragen muss (siehe Video am Anfang des Artikels).

US-Präsident Obama habe sich bei seinen Einsätzen gegen ISIS auf das Gesetz „Authorization of Use of Military Force against Terrorists“ berufen. Gemäß dem Gesetz haben die USA das Recht, Organisationen und Personen, die in die Anschläge des 11. Septembers 2011 verwickelt gewesen sind, zu bekämpfen. Doch ISIS sei nicht in die Anschläge verwickelt gewesen. Diesen Umstand nennt die Anklageschrift von Smith ausdrücklich. In den USA gibt es seit langem Kritik an der weitreichenden Anwendung von internationaler Gewalt, die mit dem Kampf gegen den Terror begründet wird.

Obama missbrauche dieses Gesetz als Blankocheck, um „gegen selbst gewählte Feinde einen Krieg ohne geografische und zeitliche Grenzen zu führen“.

Klassik für Syrien: Russischer Dirigent Gergiev tritt in Palmyra auf
Klassik für Syrien: Russischer Dirigent Gergiev tritt in Palmyra auf
Russland hat im syrischen Palmyra ein Symphonie-Konzert organisiert. Damit sollte ein kultureller Akzent gegen den Krieg und die Zerstörung gesetzt werden. Als Dirigent wirkte der Chef der Münchner Philharmoniker, Valery Gergiev.
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Valery Gergiev dirigiert in Palmyra. (Screenshot: Youtube)

Valery Gergiev dirigiert in Palmyra. (Screenshot: Youtube)

Mit einem Symphoniekonzert in der antiken Oasenstadt Palmyra hat Syriens enger Partner Russland ein kulturelles Zeichen zu setzen versucht. Für den Auftritt im römischen Amphitheater des Unesco-Weltkulturerbes war das Orchester des St. Petersburger Mariinski-Theaters nach Syrien geflogen. Präsident Wladimir Putin nannte das Konzert unter Leitung von Dirigent Valery Gergiev in einer Videobotschaft eine «wunderbare humanitäre Aktion».

Syrische Einheiten hatten Palmyra mit russischer Militärhilfe Ende März aus der Hand der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit. In der historischen Stätte hatte der IS wertvolle antike Zeugnisse zerstört.

Als Zuhörer saßen russische und syrische Soldaten sowie Einwohner und Journalisten auf den steinernen Rängen im Halbrund. Während des stimmungsvoll inszenierten Auftritts war kurz der Lärm eines Kampfhubschraubers im Hintergrund zu hören. «Das Konzert hat mir sehr gut gefallen», sagte der syrische Oberst Muhammad Suleiman der Deutschen Presse-Agentur. Er hat Ingenieurswissenschaften in Moskau studiert und war mit einer Gruppe Offiziersanwärter gekommen, die von russischen Experten im Minenräumen unterrichtet werden.

Das russische Staatsfernsehen zeigte die Aktion mit dem Titel «Ein Gebet für Palmyra» zeitversetzt. Putin sagte in seiner Botschaft aus Sotschi, er empfinde das Konzert als Zeichen der Hoffnung und als Erinnerung an alle Opfer des Terrors. Die moderne Zivilisation müsse den internationalen Terror, «diese schreckliche Plage», loswerden.

Unter der Leitung von Gergiev, der als enger Vertrauer Putins gilt, spielten die Musiker auch Werke von Johann Sebastian Bach und Sergej Prokofjew. «Ich hätte nie gedacht, einmal hier aufzutreten. Es ist schwierig, die Gefühle in Zaum zu halten», sagte der Dirigent, der seit 2015 als Chef der Münchner Philharmoniker arbeitet. Das Konzert sei auch ein Protest gegen Barbarei. «Es ist Musik der Hoffnung», meinte der 63 Jahre alte Gergiev am Donnerstag.

Unter den Musikern war auch der Cellist Sergej Roldugin. Sein Name war auf den Panama Papers aufgetaucht. Bisher ist Roldugin kein Fehlverhalten nachgewiesen worden.

Der Kreml entsandte schon mehrere Künstler zu Auftritten nach Syrien. So trat unter anderem der Sänger Iosif Kobson vor russischen Soldaten auf der Luftwaffenbasis Hamaimim auf.

Gergiev hatte nach dem Krieg zwischen Russland und Georgien im August 2008 bereits mit einem Auftritt für internationale Aufmerksamkeit gesorgt. Damals gab er in der stark zerstörten südossetischen Hauptstadt Zchinwali ein Freiluft-Benefizkonzert mit Werken von Dmitri Schostakowitsch und Peter Tschaikowski für die Opfer des Konflikts. Gergiev stammt aus einer ossetischen Familie.

Die russische Luftwaffe hatte die Befreiung Palmyras durch die syrische Armee mit Bombenangriffen unterstützt. Ende März schickte Moskau dann Spezialkräfte mit Spürhunden und modernem Suchgerät nach Syrien, um beim Räumen von Minen in der Stadt zu helfen.

Front der Ablehnung gegen Flüchtlings-Plan der EU wächst
Front der Ablehnung gegen Flüchtlings-Plan der EU wächst
Der Plan der EU, von unwilligen Staaten 250.000 Euro pro abgelehntem Flüchtling zu verlangen, stößt in Ost-Europa auf massive Ablehnung. Neben den Visegrad-Staaten hat sich nun auch Bulgarien in die Koalition der unwilligen eingereiht. Die Straf-Zahlung ist nämlich viel zu…
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Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem bulgarischen Premier Bojko Borissow. Der Front der Ablehnung gegen die geplanten Strafzahlungen wächst. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem bulgarischen Premier Bojko Borissow. (Foto: dpa)

Die osteuropäischen Staaten machen Front gegen die Strafzahlungen für abgelehnte Migranten. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, dass pro abgelehnten Flüchtling 250.000 Euro zu entrichten sein.

Diese Zahl sei „heavy“ und wohl zu hoch, räumte eine Sprecherin der Europäischen Stabilitäts-Initiative (ESI) im ORF ein. Die von George Soros finanzierte ESI hat den EU-Türkei-Deal mit entworfen. Tatsächlich wäre die Strafe höher als bei einer massiven Verletzung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes. Ein Beispiel: Die vorgeschlagene Strafgebühr für Ungarn beim ursprünglichen Resettlement-Plan von 160,000 Personen liegt über einem Prozent des Staatshaushalts oder etwa 0,6 Prozent des BIP.

Ungarn ist empört und bezeichnete das Vorhaben als „Erpressung“. Der Vorschlag sei „unzumutbar“ und „uneuropäisch“, sagte Außenminister Peter Szijjarto. Ungarn hat wie die Slowakei beim Europäischen Gerichtshof Klage gegen einen vorübergehenden EU-Verteilmechanismus eingereicht und will spätestens im Oktober auch eine Volksabstimmung über die Frage abhalten.

Die polnische Regierung lehnt eine Zuteilung von Flüchtlingsquoten als Beschränkung der Souveränität der EU-Staaten ebenfalls ab. „Das Flüchtlingsproblem sollte außerhalb der EU gelöst werden„, sagte Regierungssprecher Rafal Bochenek am Mittwoch in Warschau. Auch hier stoßen die Strafzahlungen auf erbitterten Widerstand: „Das ist nicht zu akzeptieren“, sagte der polnische Innenminister Mariusz Blaszczak im Fernsehsender TVP Info. „Dieses System ist schlecht, denn es schafft ein System der dauerhaften Umsiedlung in Europa“, betonte Blaszczak. „Was ist das für eine Grundlage, dass man sich loskaufen muss, damit ein Staat keine Migranten aufnehmen muss?“ Polen werde einer solchen europäischen Politik energisch entgegentreten. Der polnische Außenminister sprach bei einer Pressekonferenz von einem „April-Scherz“ der EU-Kommission.

Neben den Polen und Ungarn lehnen auch die Slowakei und Tschechien die Pläne ab. Die Visegrad-Staaten waren bereits bei der ersten Verteilung gegen die Quote Sturm gelaufen. Beim ersten Anlauf waren jedoch keine verbindlichen Konsequenzen für unwillige Staaten vereinbart worden.

Neu in den Kreis der Ablehner stößt nach Bekanntgabe der Strafgebühr Bulgarien: Anders als die Visegrad-Staaten hatte Bulgarien die Quote aus Brüssel akzeptiert. Für das Land ist ein Kontingent von 1200 Flüchtlingen vorgesehen. Bislang sind allerdings erst zwei Iraker von anderen EU-Staaten nach Bulgarien umgesiedelt worden – einer von ihnen hat das Land bereits wieder verlassen.

Die Pläne der EU für eine „Strafgeld“ für EU-Staaten, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollen, lehnt Bulgariens Ministerpräsident Boiko Borissow jedoch ab. „Es ist höchste Zeit, dass die EU-Mitgliedstaaten andere Mechanismen finden“, sagte er. Brüssel hatte am Mittwoch eine „automatische“ Verteilung von Flüchtlingen vorgeschlagen, um stark belasteten Ankunftsländern zu helfen.

„Die Migranten wollen nicht in Bulgarien bleiben. Sie wollen nach Schweden, Luxemburg oder in die Schweiz“, sagte Borissow. „Sollen wir etwa ein Gefängnis bauen, um sie mit Gewalt hier festzuhalten?“

Nach der Schließung der Balkanroute hatte Bulgarien mit der Durchreise tausender Flüchtlinge gerechnet und daher seinen Grenzschutz verstärkt. Bislang verzeichnete Sofia nach Angaben Borissows aber keinen großer Andrang an den Grenzen zur Türkei oder Griechenland.

Griechenland-Rettung: Die größte Farce in der Geschichte der EU
Griechenland-Rettung: Die größte Farce in der Geschichte der EU
Die „Rettung“ Griechenlands diente ausschließlich der Rettung des Finanzsystems. Ein Studie zeigt, dass nur 5 Prozent der sogenannten „Hilfsgelder“ im griechischen Haushalt ankamen. Zugleich wurden die Risiken vom Finanzsystem an den europäischen Steuerzahler abgewälzt.
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Angela Merkel und Francois Hollande beim Gipfel in Brüssel am Donnerstag. (Foto: EPA/STEPHANE DE SAKUTIN)

Angela Merkel und Francois Hollande beim Gipfel in Brüssel am Donnerstag. (Foto: EPA/STEPHANE DE SAKUTIN)

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Die sogenannte „Rettung“ Griechenlands, die von den Politikern in der EU und vor allem von Bundeskanzlerin Angela Merkel stets als notwendiges europäisches Projekt präsentiert wurde, kann nun auch offiziell als die größte Farce in der Geschichte der EU bezeichnet werden: Denn bei den Milliarden-„Hilfen“ ging es nicht um Solidarität mit dem griechischen Volk, sondern ausschließlich um die Rettung des Finanzsystems. Die seit 2010 an Griechenland geflossenen „Milliardenhilfen“ sind einer Studie der Berliner Privat-Hochschule ESMT zufolge nämlich so gut wie vollständig an internationale Kreditgeber und Banken geflossen. Von den 215,9 Milliarden Euro, mit denen Griechenland im Rahmen der ersten beiden Rettungsprogramme von den europäischen Partnern und dem Internationalen Währungsfonds unterstützt wurde, gingen nur 9,7 Milliarden Euro und damit weniger als fünf Prozent direkt an Griechenlands Staatshaushalt.

Lächerliche 10 Milliarden Euro gingen an den griechischen Staatshaushalt und hätten damit theoretisch den Bürgern zugute kommen können. Auch das weiß man nicht, weil die korrupten Netzwerke aus Nea Dimokratia und Pasok den griechischen Staat als ihr Eigentum betrachteten und sich nach Belieben aus öffentlichen Geldern bedient hatten.

Wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Analyse weiter hervorgeht, wurden mit 139,2 Milliarden Euro und damit 64 Prozent der Gesamtsumme Schulden zurückgezahlt und Zinsen beglichen. Die direkten Kapitalhilfen für Banken beliefen sich auf 37,3 Milliarden Euro oder 17 Prozent. Und knapp 30 Milliarden Euro wurden als Anreiz für Investoren genutzt, damit die sich an dem Forderungsverzicht von 2012 beteiligten.

Damit steht nun amtlich fest: Die europäischen Banken, die EZB und der IWF sind die großen Nutznießer der Milliarden-Hilfen. Bezahlt wird der ganze Vorgang von den europäischen Steuerzahlern, weil nun sämtliche Forderungen beim ESM liegen. Dieser wird ohne jede Transparenz verwaltet. 700 Milliarden Euro wurden aus den europäischen Staatshaushalten  abgezweigt. Die Studie verweist auch auf die für die griechischen und europäischen Steuerzahler gefährliche Umverteilung, die mit der „Rettung“ vollzogen wurde: Die Risiken liegen nach der Rettung des Finanzsystems faktisch zur Gänze bei den europäischen Steuerzahlern.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die europäischen Steuerzahler mit einem rechtzeitigen Schuldenschnitt viel besser gefahren wären. Warum dieser nicht erfolgt ist, kann kein Politiker in der EU schlüssig erklären. Das Bundesfinanzministerium zeigt sich trotz der ernüchternden Erkenntnisse weiter uneinsichtig. „Was die Programmpolitik in Griechenland erreicht hat, ist, dass eine ungeordnete Staatsinsolvenz verhindert wurde“, sagte eine Sprecherin laut Reuters. Die Hilfen hätten es Griechenland ermöglicht, seine Schulden zu bedienen und so weiterhin Renten und Gehälter zahlen zu können.

Angela Merkel hatte am 27.2.2012 im Bundestag den Deutschen erklärt, warum die „Griechenland-Rettung“ notwendig sei:

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag eindringlich für die Zustimmung zu dem zweiten Rettungspaket für Griechenland geworben. Die Kanzlerin sagte, sie plädiere nach Abwägung aller Vor- und Nachteile dafür, dem Rettungspaket zuzustimmen. Jetzt müssten die Chancen genutzt werden, die Griechenland mit dem neuen Programm eröffnet würden. Forderungen nach einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wies sie zurück.

Das Hilfsprogramm sei ein wichtiger Baustein der neuen Stabilitätsunion für den Euro, so Merkel. Griechenland zu helfen, liege im europäischen Interesse und damit auch im deutschen Interesse.

Die Kanzlerin betonte: „Europa scheitert, wenn der Euro scheitert. Europa gewinnt, wenn der Euro gewinnt.“ Wichtig seien nun unumkehrbare Schritte für eine Stabilitätsunion zugunsten des Euro. Merkel betonte, dass der vor den Griechen liegende Weg nicht ohne Risiko sei: „Eine hundertprozentige Erfolgsgarantie kann niemand geben.“ Die Risiken einer ungeordneten Insolvenz seien aber unkalkulierbar und deshalb unverantwortbar.

Ziel des Programms sei es nicht nur zu sparen, sagte Merkel. „Es geht darum, Griechenland wettbewerbsfähig zu machen und auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu führen.“ Zugleich forderte sie Griechenland erneut zu umfassenden Strukturreformen auf. Griechenland müsse die in Athen gefassten Beschlüsse umsetzen, damit eine Perspektive für eine wirklich bessere Zukunft eröffnet werde.

Momentan läuft das dritte „Hilfsprogramm“ für Griechenland im Volumen von bis zu 86 Milliarden Euro. Eine Experten-Überprüfung der bisherigen „Reformfortschritte“, von der weitere Auszahlungen abhängen, steht kurz vor dem Abschluss. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte am Dienstagabend verkündet, es werde dieses Jahr keine neue große Griechenland-Krise geben.

Für den durch die Umverteilung verursachten Milliarden-Schaden hat bisher kein einziger Politiker in der EU oder in einem der Mitgliedsstaaten die Verantwortung übernommen.

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