Allein gegen die GEZ: Wie ein IT-Spezialist zum Staatsfeind Nr. 1 wurde

In Trossingen leistet ein IT-Fachmann unerbittlich Widerstand gegen die GEZ: Mit einem einfachen Schild hat er sich die Gebühren-Eintreiber bisher vom Hals gehalten. Er sagt, dass die Gier des Apparats die öffentlich-rechtlichen Sender zu Fall bringen wird. Nun will er seinen Beitrag zum Sturz des Imperiums leisten.

Ihren XING-Kontakten zeigen
René Ketterer Kleinsteuber kämpft gegen die öffentlich-rechtlichen Zwangsgebühren: Dieses Schild hat ihm bisher die GEZ-Eintreiber vom Leib gehalten. (Foto: DWN)

René Ketterer Kleinsteuber kämpft gegen die öffentlich-rechtlichen Zwangsgebühren: Dieses Schild hat ihm bisher die GEZ-Eintreiber vom Leib gehalten. (Foto: DWN)

René Ketterer Kleinsteuber hat die ARD gegen sich aufgebracht, weil er seit Jahren die GEZ ablehnt. Der bescheidene Mann wirkt gar nicht wie ein Revolutionär. Doch wenn man in ARD-Kreisen seinen Namen nennt, sehen die Verantwortlichen rot. Denn der IT-Mann aus Trossingen ist zum Helden wider Willen geworden, zum Staatsfeind Nummer 1: Seit Jahren kämpft er gegen die GEZ, zuerst persönlich gegen seine eigene Vorschreibung, nun gegen das ganze System. Ketterer betriebt eine Protest-Plattform gegen die neue Rundfunkgebühr. Das Echo, so sagt er, habe ihn überwältigt.

30.000 Unterschriften hat Ketterer bereits mit seiner etwas spröden Website gesammelt. Und dies sei nur der Anfang: Denn Ketterer hat eine klare Vision, wohin die Reise gehen soll: „Ich persönlich glaube, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in seiner mittlerweile ungebremsten Gier zusammen mit der Politik immer mehr den Bogen überspannt hat, und damit ist das Ende des Apparates in seiner jetzigen Form eingeläutet.“

Das gefällt den Leuten bei den Sendern natürlich nicht. Aber sie tun sich schwer, ihn zum Schweigen zu bringen. Im Kampf Mann gegen System kommt es dabei immer wieder zu seltsamen Zufälligkeiten, hinter denen Ketterer eine Strategie vermutet.

So tauchte nach Weihnachten plötzlich eine mysteriöse Facebook-Seite mit dem Namen „Freedom of Information Project“ auf. Die Seite war am 15. Dezember gestartet worden und hatte bei ihrer Gründung genau vier Likes: Das ARD-Mittagsmagazin, das ARD-Morgenmagazin, den ARD Report Mainz und ARD.de. Über diese Facebook-Seite schaltete sich das geheimnisvolle FOIP in die Diskussionen auf der ARD-Facebook-Seite ein und attackierte die Kritiker der GEZ. Der Ton von FOIP war besonders rüde.

Ketterer forschte nach, wer hinter der Seite steckt. Es gab kein Impressum, keine Angaben zu den Betreibern. Es steht viel wirres Zeug auf der Seite, es gibt viele Rechtschreibfehler, der Facebook-Gründer heißt einmal „Mike Zuckerberg“. Später kamen merkwürdige US-Seiten als Likes dazu, alles wirkte hastig zusammengebastelt, wie Feigenblätter. Bei Google findet sich ein solches Projekt nirgends, wenngleich man zunächst glauben könnte, es handle sich um ein typisch amerikanisches Medien-Non-Profit. Ketterer erhält von FOIP eine anonyme Email, die den GEZ-Gegner eher unbeholfen, aber doch sehr aggressiv bedroht.

Ketterer informiert die ARD und fordert deren Facebook-Administratoren auf, den Troll zu sperren. Als Ketterer den Verdacht äußert, FOIP könnte von jemandem betrieben werden, „der der ARD nahesteht“, reagiert der Sender: Er sperrt Ketterer (siehe Interview).

Erst nach mehreren Protestbriefen, unter anderem an den Chefredakteur Fernsehen des WDR, Jörg Schönenborn, wird die Sperre für Ketterer aufgehoben. „Ich genieße dort jetzt so etwas wie Narrenfreiheit“, sagt Ketterer. Allerdings darf Ketterer nicht mehr mit seinem Petitions-Account diskutieren. Alle Postings, die er unter diesem Account geschrieben hatte, wurden gelöscht und nicht wieder hergestellt.

Die ARD glaubt nicht, dass ARD-Mitarbeiter hinter der Seite stecken. Eine Sprecherin sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten: „Es gibt auf dieser Seite aus unserer Sicht keine Hinweise, die eine solche Vermutung untermauern. Menschen, die nicht gegen die Rundfunkgebühr sind, sollte man nicht unterstellen, dass sie nicht ihre eigene Meinung zum Ausdruck bringen.“ Auf die Frage, ob die ominöse Seite von ARD-Mitarbeitern betrieben wird, sagte die Sprecherin: „Dazu ist uns zum jetzigen Zeitpunkt nichts bekannt.“ (siehe Interview).

Ketterers Kampf gegen die Zwangsgebühren begann vor einigen Jahren: Er betreibt ein kleines Software-Unternehmen in Trossingen am Rande des idyllischen Schwarzwalds. Er hatte sein Radio verkauft und lehnte die Bezahlung der GEZ daher ab. Als die Eintreiber bei ihm zu Hause auftauchten, schickte er sie einfach wieder weg. Danach brachte er ein Schild an. Darauf steht:

Haus- und Hofverbot
Für Mitarbeiter der (Rundfunk-)Anstalten des öffentlichen Rechts,
insbesondere für die Mitarbeiter der GEZ (Gebühreneinzugszentrale),
sowie für deren Erfüllungsgehilfen, besteht hier Haus- und Hofverbot.
Der Hausherr kennt den Unterschied zwischen Beamten und auf
Provisionsbasis arbeitenden Beauftragten.
Sollte dennoch der Versuch unternommen werden, sich Zutritt zu
verschaffen, wird Strafanzeige wegen Hausfriedensbuch
(Strafgesetzbuch §123 Hausfriedensbruch)
erstattet.
Der Hausherr

Ketterer sagt, das Schild hätte seine Wirkung nicht verfehlt: „Die GEZ-Eintreiber sind immer wieder in unsere Straße gekommen. In die anderen Häuser sind sie gegangen, bei mir haben sie nie wieder geläutet.“

Ketterer regt an der neuen Rundfunkgebühr auf, dass sie den Bürger zu einem bestimmten Medienkonsum zwinge: „Meine Tochter hört Radio und hat eine Zeitung abonniert. Weil die neue Gebühr viel höher für sie ist, wird sie die Zeitung kündigen. Sie kann sich einfach nicht beides leisten.“ Damit werde, anders als von Jörg Schönenborn verkündet, nicht die Demokratie gestärkt, sondern die Meinungsvielfalt gefährdet.

Daher will Ketterer, der leise spricht wie ein unbeholfener Bürgerrechtler aus der DDR, seinen Kampf gegen die neue Rundfunkgebühr weiterführen. Ursprünglich habe er nie vorgehabt, sich mit der GEZ im großen Stil zu beschäftigen. Er sei da hineingeraten, und irgendwie wenden sich immer mehr Leute an ihn, der kein Held sein will. Doch der Zuspruch, den er auf seiner Seite erhält, stachelt ihn an: „Durch unsere unermüdliche Aufklärung erfährt die Bevölkerung, dass ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk für die Demokratie und das Zusammenleben nicht nur obsolet und teuer ist, sondern gar gefährlich. Ja, viele wachen auf und reiben sich verwundert die Augen, wenn sie erfahren, dass sie ab diesem Jahr schätzungsweise 8,3 Milliarden EUR für einen nicht mehr benötigten Rundfunk ausgeben, der durch seine Übermacht den Wettbewerb kontrolliert und diesem keine Luft zum Atmen lässt. Genau diese ungeheure Macht führt zum Gegenteil dessen, wofür einst der öffentlich-rechtliche Rundfunk ins Leben gerufen wurde.“

Kommentare

Dieser Artikel hat 403 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

    • Meierhöfer Kurt sagt:

      Liebe Leser,auch wir siehe Warnglocke(einfach googeln) kämpfen gegen diese Machenschaften.Es gibt leider noch mehr Punkte in diesem Unrechtssystem dem wir entgegentreten.Stichwort Deutschland GmbH mit all ihren Folgen.Zwischenzeitlich bewegen wir einiges in Bezug auf Gesetze die so keine Gültigkeit mehr haben Sie werden erstaunt sein.Lasst uns stärker werden und mehr Mitstreiter für die Sache gewinnen.

      Mfg Kurt

    • Peter sagt:

      Liebe Freunde einer demokratischen Rechtsstaatlichkeit.
      Die Beitragserpressung von monatlich Euro 17,98, für das Bewohnen einer Wohnung
      sollten sich mitdenkende Bürger und Unternehmer nicht gefallen lassen.
      1.
      Zunächst mal könnten alle gutgläubigen Beitragszahler ihren Abbuchungsauftrag bei der ARD/ZDF/Deutschlandradio, Beitragsservice, Köln, löschen und Zahlungen der grundgesetzwidrigen Beiträge erst nach Aufforderung unter Vorbehalt vornehmen.
      2.
      Könnte man an diese Inkassogesellschaft Zahlungsbereitschaft signalisieren wenn sie uns erst mal entsprechende Fragen zur legalen Gesetzlichkeit und den vielen offenen Punkten zur fraglichen Gesetzlichkeit beantwortet.

      Entsprechende Musterbriefe, je nach Vorgang und Anliegen, habe ich für Sie vorbereitet und stelle diese den interessierten Bürgern gerne kostenlos per e-mail unter pks-sicherheit@web.de zur Verfügung (Kennwort im Betreff: GEZ Widerstand).
      Achtung: Telefonische Anrufe beim Beitragsservice (ehemals GEZ) bringen nichts, sondern eher Nachteile.
      Also die Angst und Obrigkeitshörigkeit ablegen, wehren Sie sich gegen die
      Abzockerei der so genannten Öffentlich-Rechtlichen Anstalten. Die rechtliche Situation des staatlichen Informationsauftrages hat sich nach 60 Jahren längst verändert.
      Wir alle sollten uns dagegen wehren und nicht auf die Vorreiterfunktion einzelner Kämpfer warten! Das wäre feige und bequem und schadet zudem allen, denn nur geimeinsam sind wir stark – denn wir sind das Volk und der Souverän!
      Trotzdem DANK an alle aktiven Vorkämpfer und an Herrn Ketterer.

    • thomas banholzer sagt:

      ich hoffe Sie machen weiter Herr Ketterer.

      überall rumort es wegen diesem auferlegter zwangsabgabe bei den leuten die noch kritsch denken können. hoffe all die bewegungen, widerstände werden gesammelt, so dass mal verlässliche zahlen über die stärke dieser bewegung vorhanden sind. bin mir sicher, dass sich dann noch viel mehr dem boykott anschließen werden, denn man kann ja nicht das halbe land kriminalisieren nur weil sie diesen “beitrag” verweigern.

    • jose sagt:

      Gratulation Herr Ketterer! Das Recht und die – leider schweigende – Mehrheit ist auf Ihrer Seite. Sie sprechen für Millionen Bundesbürger.

    • Dieter Morlock sagt:

      Guten Morgen Hr. Kettere,

      recht so – weiter so !!

    • U. Raggen sagt:

      Wieso werde ich vom Staat gezwungen etwas zu bezahlen was ich garnicht komsumiere?
      Es gibt schließlich auch keine Staatszeitung die ich tunlichst abonnieren muß. Die politisch gefärbte Meinungslenkung von ARD & ZDF ist doch bekannt und ein Ausfluß der vielen damit verbundenen Posten von abgetakelten Politikern.

      Leider getrauen sich an diese Zwangsfinanzierung die Verbraucherschützer nicht ran! Und das, obwohl es eine Doktorarbeit gibt (summa cum laude!) die den “Beitragsservice” sehr begründet als GG-widrig darstellt. Das traurige an dieser Tatsache ist: Karlsruhe weist 99,5% aller GG-Beschwerden ohne Begründung ab. Siehe Wikipedia. Auch wenn die unnatürlich hohen formalen Erfordernisse erfüllt sind. Entschieden wird nur noch bei prominenten Einreichern.

      Soviel zu unserem Rechtsstaat. Nur durch diese Arbeitsverweigerung der politisch gewählten Richter in Karlsruhe bleibt der “Beitragsservice” erhalten. .. Und der Rechtsstaat eine Farce. Ob es dann noch Meinungsvielfalt gibt oder nur staatlich beeinflusste Meinungslenkung, ist von den Politikern der sogenannten Volksparteien wohl gezielt beabsichtigt.