Finanzen

Goldpreis aktuell im Plus: Zwischen Zollstreit, Zinspolitik und charttechnischer Entscheidung

Der Goldpreis schwankt – zwischen geopolitischer Unsicherheit, robuster US-Wirtschaft und charttechnischen Signalen. Anleger fragen sich: Kommt jetzt der große Ausbruch oder droht ein Rückschlag? Die Entwicklungen werfen Fragen auf, die für Investoren und Beobachter gleichermaßen entscheidend sein könnten.
11.07.2025 11:22
Lesezeit: 3 min
Goldpreis aktuell im Plus: Zwischen Zollstreit, Zinspolitik und charttechnischer Entscheidung
Goldbarren liegen aufeinander: Für Anleger scheint der Goldpreis aktuell ein ähnliches Durcheinander zu bieten (Foto: dpa).

Leichte Erholung beim Goldpreis – aber ohne klare Richtung

Der Goldpreis hat am Freitagvormittag leicht zugelegt. Eine Feinunze, was rund 31,1 Gramm entspricht, wurde zeitweise mit 3.343 US-Dollar gehandelt – ein Anstieg von 20 Dollar im Vergleich zum Vortag. Damit bewegt sich der Goldkurs zwar über dem Durchschnitt der vergangenen Tage, zeigt jedoch noch keine eindeutige Aufwärtstendenz. Selbst die erneuten handelspolitischen Eskalationen durch US-Präsident Donald Trump vermochten dem Goldkurs keine nachhaltige Richtung zu geben.

Bereits Ende April erreichte der Goldpreis mit 3.500 US-Dollar ein neues Allzeithoch. Seitdem bewegt sich die Gold-Kursentwicklung in einer relativ engen Bandbreite. Die vorherigen Preisimpulse waren unter anderem auf Trumps erratische Zollpolitik zurückzuführen. Doch während früher Zollankündigungen für deutliche Ausschläge sorgten, bleiben die aktuellen Maßnahmen ohne nennenswerte Wirkung auf den Goldpreis.

Trump verschärft den Handelskonflikt – Goldpreis reagiert verhalten

Die jüngsten protektionistischen Schritte der US-Regierung scheinen den Markt kaum noch zu beeindrucken. Trump kündigte am Donnerstag Zölle von 35 Prozent auf kanadische Importe an. Darüber hinaus sprach er von pauschalen Abgaben in Höhe von 15 bis 20 Prozent für zahlreiche weitere Handelspartner. Diese Maßnahmen folgen auf einen bereits eingeführten Zoll von 50 Prozent auf Kupferimporte und ähnliche Abgaben gegenüber Brasilien sowie auf versendete Zollbenachrichtigungen an Länder wie Japan und Südkorea.

Alle neuen Zölle sollen ab dem 1. August in Kraft treten. Trotzdem blieb ein deutlicher Anstieg im Goldpreis bislang aus. Der robuste Dollarindex bremste mögliche Kurssprünge. Damit scheint der Status des Goldes als klassische Krisenwährung derzeit nur eingeschränkt Wirkung zu entfalten.

Zinspolitik als entscheidender Faktor für den Goldpreis

Auch aus geldpolitischer Sicht bleiben starke Impulse für den Goldpreis bislang aus. Commerzbank-Expertin Barbara Lambrecht rechnet damit, dass sich der Goldkurs zunächst weiter in der Spanne zwischen 3.200 und 3.400 US-Dollar bewegen wird. "Denn nachdem die jüngsten Zollankündigungen von US-Präsident Trump kaum für Marktbewegung gesorgt haben, dürften es die nächsten wohl auch nicht tun", heißt es im aktuellen Wochenausblick der Bank.

Die Marktteilnehmer blicken derweil gespannt auf die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreise für Juni, die am kommenden Dienstag erwartet wird. Leitzinssenkungen durch die US-Notenbank Fed könnten tendenziell den Goldpreis stützen. Doch derzeit zeigt sich insbesondere der US-Arbeitsmarkt stark: Die jüngsten Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen mit 227.000 Anträgen unter den Erwartungen. Dies dämpft die Hoffnungen auf eine expansive Geldpolitik. US-Präsident Trump erhöht unterdessen weiter den Druck auf die Fed und fordert öffentlich wiederholt Leitzinssenkungen sowie den Rücktritt von Notenbankchef Jerome Powell.

Goldpreis im Fokus der Charttechnik: Richtungsentscheidung steht bevor

Neben den fundamentalen Faktoren richtet sich der Blick auch auf die technische Analyse. Der Goldpreis befindet sich aktuell in einer spannenden charttechnischen Phase. Die jüngste Konsolidierung – ausgelöst durch eine Korrekturphase ab dem Widerstand bei 3.438 US-Dollar – könnte bald einem erneuten Aufwärtsimpuls weichen.

Ende Juni wurde die Unterstützung bei 3.254 US-Dollar erfolgreich verteidigt. In der Folge kletterte der Goldpreis bis in den Bereich um 3.360 US-Dollar, kam dort jedoch zum Stillstand. Seitdem tendiert der Kurs seitwärts entlang einer kurzfristigen Abwärtstrendlinie. Am Freitag zeichnete sich ein möglicher Ausbruch ab: Der Goldkurs versuchte, die Trendlinie zu durchbrechen – ein potenzieller Startpunkt für die nächste Aufwärtsbewegung. Ein Anstieg über die Marke von 3.365 US-Dollar könnte eine Erholung bis 3.405 US-Dollar einleiten. In weiterer Folge wären sogar Kursziele von 3.438 US-Dollar, 3.451 US-Dollar und letztlich das Allzeithoch bei 3.499 US-Dollar realistisch.

Risiken bleiben – Rückschläge nicht ausgeschlossen

Doch es gibt auch Risiken: Sollte der Goldpreis unter die Marke von 3.290 US-Dollar fallen, wäre die aktuelle Erholung zunächst beendet. In diesem Fall müsste die Unterstützung bei 3.254 US-Dollar erneut verteidigt werden, um einen weiteren Rückgang bis auf 3.161 US-Dollar oder gar 3.116 US-Dollar zu verhindern.

Die Anleger befinden sich damit in einer entscheidenden Phase der Gold-Kursentwicklung. Zwar zeigt sich der Goldpreis aktuell stabil, doch sowohl geopolitische Spannungen als auch geldpolitische Entwicklungen könnten kurzfristig für Bewegung sorgen. Nicht zu vergessen ist die Gefahr eines Goldpreis-Squeeze. Ein Goldpreis-Squeeze ist ein markttechnisches Phänomen, bei dem der Goldpreis plötzlich und oft heftig ansteigt, weil Marktteilnehmer – meist Leerverkäufer – gezwungen sind, ihre Positionen schnell zu schließen. Dies geschieht typischerweise unter hohem Kaufdruck bei gleichzeitig begrenztem Angebot.

Ein zusätzlicher Faktor, der die aktuelle Goldpreis-Entwicklung beeinflusst, ist die anhaltende Nachfrage der Zentralbanken nach dem Edelmetall. Laut einem Bericht von Reuters haben Zentralbanken weltweit ihre Goldreserven in den letzten Jahren kontinuierlich aufgestockt, um sich gegen wirtschaftliche Unsicherheiten abzusichern. Besonders hervorzuheben ist die Rolle Chinas, das seine Goldreserven seit 2022 erheblich erhöht hat. Diese verstärkte Nachfrage trägt dazu bei, den Goldpreis auf einem hohen Niveau zu halten und bietet Anlegern zusätzliche Sicherheit in einem volatilen Marktumfeld. Die Kombination aus geopolitischen Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheit und der strategischen Positionierung der Zentralbanken macht Gold weiterhin zu einer attraktiven Anlageoption.

Goldpreis bleibt in Wartestellung – Entscheidung naht

Der Goldpreis verharrt aktuell in einer abwartenden Haltung. Trotz wachsender geopolitischer Unsicherheit und zunehmender Risikoaversion zeigen sich die Märkte zurückhaltend. Die Kombination aus einem festen US-Arbeitsmarkt und einer bislang zögerlichen Reaktion der Fed verhindert eine klare Richtung. Sowohl die politische Unsicherheit rund um die US-Zollpolitik als auch charttechnische Konstellationen legen jedoch nahe, dass eine neue Bewegung bevorstehen könnte. Anleger sollten daher den Goldkurs und die Gold-Kursentwicklung in den kommenden Tagen genau im Blick behalten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
avtor1
Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

DWN
Politik
Politik Er soll den Trump-Ballsaal bauen – jetzt führt er geheime Gespräche mit dem Kreml
24.08.2026

Es kommt vor, dass Männer mit minimaler Erfahrung in der diplomatischen Disziplin ausgewählt werden, um schwierige außenpolitische...

DWN
Politik
Politik Unabhängigkeitstag der Ukraine: Neue Militärhilfe und scharfe Worte an Putin
24.08.2026

Kiew begeht seinen Nationalfeiertag mit prominenten Gästen, neuen Rüstungshilfen und einer deutlichen Kampfansage an den Kreml. Zugleich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische KI-Gigafabriken: 30 Milliarden zwischen Mega-Fortschritt und Mega-Flop
24.08.2026

Sieben neue KI-Zentren sollen den technologischen Rückstand auf die USA und China verringern. Doch Europas Problem sind nicht nur Chips....

DWN
Politik
Politik Streit um Briefwahl: Was an den Warnungen der AfD dran ist
24.08.2026

Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stellt die AfD die Sicherheit der Briefwahl infrage. Die Partei spricht über mögliche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Zölle gegen Kanada: Jetzt schlägt Ottawa zurück
24.08.2026

Donald Trump macht Ernst: Die USA belegen zahlreiche kanadische Waren mit 50 Prozent Zoll, nachdem die Verhandlungen mit Ottawa in letzter...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (08/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
24.08.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl
24.08.2026

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Neue Woche bringt Richtungsfrage – was Anleger jetzt bewegt
24.08.2026

Der Goldpreis ist mit leichten Gewinnen in die neue Handelswoche gestartet. Nach der kräftigen Aufwärtsrally im August blicken...