Rösler verplappert sich: Deutschlands Wirtschaft schrumpft

Eine unbedachte Aussage von Wirtschaftsminister Rösler lässt die internationale Finanzwelt aufhorchen: Die deutsche Wirtschaft ist demnach im vierten Quartal 2012 um 1 Prozent geschrumpft.

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Philipp Rösler (hier mit der schwedischen Gesundheitsministerin Maria Larsson): Wenn ich 0,75 Prozent gesagt habe, meine ich das Wachstum der deutschen Wirtschaft - und nicht ein mögliches Wahlergebnis für die FDP. (Foto: consilium)

Philipp Rösler (hier mit der schwedischen Gesundheitsministerin Maria Larsson): Wenn ich 0,75 Prozent gesagt habe, meine ich das Wachstum der deutschen Wirtschaft – und nicht ein mögliches Wahlergebnis für die FDP. (Foto: consilium)

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hat im Moment viel um die Ohren. Kaum von Dreikönigstreffen aus Stuttgart zurück, musste am Montag der Welt die wirtschaftliche Lage Deutschlands erklären. Dabei sagte er fast beiläufig „Da ist ein Tumor!“, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2012 auf ein Wachstum von 0,75 Prozent kommen werde. Was als Erfolgsmeldung gemeint war, wurde in der Finanzwelt jedoch mit Interesse analysiert: Die FT rechnete nach und kam zu dem Ergebnis: Wenn die deutsche Wirtschaft im Gesamtjahr um 0,75 Prozent (aufgerundet werden das dann 0,8 Prozent sein) gewachsen ist, dann muss das vierte Quartal 2012 einen negativen Wert haben. Sollte die Bundesregierung die Zahlen der Vorquartale nicht noch schnell revidieren, dann muss Deutschland im letzten Quartal 2012 eine Schrumpfung von 1 Prozent verdauen. Die genaue Zahl wird die Bundesregierung am 15. Januar bekanntgeben.

Rösler, der sich im Alltag meist mit der Fünf-Prozent-Hürde beschäftigen muss, beeilte sich, ein robustes Wachstum für 2013 vorherzusagen. Die realen Zahlen deuten nicht darauf hin (hier).

Beobachter sind dennoch nicht übermäßig besorgt. Rainer Sartoris von der HSBC schreibt in einer Notiz an seine Kunden, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft zwar „holprig“ sein werde, dass man aber doch davon ausgehe, dass die Delle im vierten Quartal saisonbedingt sei.

Allerdings erwartet niemand, dass die Europäische Zentralbank (EZB) noch viele Instrumente hat, um das Wachstum anzukurbeln. Das Hauptthema im Jahr 2013 werde das Wachstum sein, vielmehr das „Ende des Schrumpfens“, wie Carsten Brzeski von der ING der FT sagte.

Das Dilemma zeigt, dass niemand weiß, was eigentlich passiert, wenn das Wunder Wachstum nicht herbeigebetet werden kann. Wachstum ist jedoch ein Grundkonstante, ohne die das ganze Konzept vom schuldenfinanzierten Wirtschaften über den Haufen geworfen wird.

Phillip Rösler kann sich damit trösten, dass man in Zeiten des Nullwachstums selbst ein Wert von 4 Prozent für die FDP bei Wahlen als außerordentlicher Erfolg verkauft werden kann (mehr zur unendlichen Erfolgs-Geschichte der FDP – hier).

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Kommentare

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    • reiner tiroch sagt:

      und wie durch ein Wunder hat sich die FDP über nacht auf über 5% der Umfragewerte hochgeschrumpft? das klingt so wie ein schönes Märchen.

    • KingBalance sagt:

      Real ist es noch viel schlimmer (versteckt Inflation), sobald man die wirkliche Inflationsrate von etwa 8% einrechnet – eine massive Schrumpfung.

      Video: Prof. Schachtschneider zur Zukunft Deutschlands
      http://www.homment.com/E8xbiSkwfJ

      Bleibt nur noch zu ergänzen, daß die heutigen Demokratien die bislang am
      besten versteckten Diktaturen sind.

    • Mittelständler sagt:

      nur 1% geschrumpft ? Das wäre schön, wenn es nur wahr wäre !

    • Tommy Rasmussen sagt:

      “Rösler verplappert sich”

      Juncker auch ??? :

      08.01.2013 – Jean-Claude Juncker warnt, das Jahr 2013 könnte ein Vorkriegsjahr werden wie das Jahr 1913, wo alle Menschen an Frieden glaubten, bevor der Krieg kam. Das heisst ja wohl dann, 2014 gibt es einen Krieg wie 1914 als der I. Weltkrieg begann. So etwas sagt man doch nicht leichtfertig, aber kein Wort davon ist in den Medien ausserhalb Luxemburg erschienen. Warum? Er wird ja sonst immer ernst genommen und gross zitiert wenn er was sagt.

      http://tele.rtl.lu/waatleeft/replay/v/20130107/0/2983935/
      http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/01/warnt-jean-claude-juncker-vor-einem.html

      • will williamson sagt:

        Wer solches Zeug verbreitet, sollte auch noch hinzufügen, wer denn diesen Weltkrieg beginnen soll. Die Österreicher sicher diesmal nicht. Die Franzosen eher auch nicht. Die Griechen, Spanier, Portugiesen, Italiener, Litauer u.s.w. auch nicht. Vom Potenzial her wären am ehesten immer noch die USA in der Lage. Oder die Russen und die Chinesen. Die haben aber bisher alle noch keinen angefangen. Bleiben die Deutschen. Die dürfen ja eigentlich keinen Angriffskrieg mehr führen, zeuseln aber in Afghanistan und jetzt an der türkisch-syrischen Grenze wieder herum. Dies allerdings im Verband der Nato. Letztere ist von der Bestimmung her ein Verteidigungs- und kein Angriffsbündnis. Aber man könnte die Bestimmung ja auch ändern und aus dem Verteidigungs- ein Angriffsbündnis machen. Als Ziele kämen dann der Iran, dann evtl. China und Russland in Frage. Nach einer Aussage von Einstein wird man nach einem dritten Weltkrieg wieder mit Steinen Krieg führen. Man sollte das also besser lassen. Im Übrigen hat Juncker von einem Vor-Krisenjahr (virkrise) und nicht von einem Vor-Kriegsjahr (virkrich) gesprochen, falls ich das nicht falsch interpretiere.

        • Arno sagt:

          Lassen Sie mal Einstein aus dem Spiel – man hat heutzutage Waffensysteme, die Leben vernichten, aber das Umland nicht verseuchen.

          Und was die NATO angeht: sie ist längst kein Verteidigungsbündnis mehr.

          Wir können uns natürlich in Neusprech üben und “Friedenstruppe” zu dieser Mörderbande sagen, aber ich lehne den Neusprech nicht nur bei Politikern ab, sondern hänge diesem auch nicht selbst an.

        • widder sagt:

          Einige nichtintegrierbare Einwanderer können sicher für den “Heiligen Krieg” sorgen; der Begriff Krieg ist aber auch eine Definationssache.

    • Selbstdenker sagt:

      Es gibt noch weitere Politikdarsteller, die ganz unverblümt die Wahrheit sagen:

      http://www.volksbetrug.net/

    • Selbstdenker sagt:

      Die GEZ mit ihrer neuen Kampagne RUHM UND EHRE DER GEZ!

      http://www.mmnews.de/index.php/etc/11717-ruhm-und-ehre-der-gez

    • Wutbürger sagt:

      Ja wenn überall die Einzelhandelsumsätze schrumpfen, ja was schrumpft denn dann logischerweise mit? Wieviele Unternehmer sind so blöd und produzieren dann munter weiter auf Halde?

    • Cordula S. sagt:

      Hey Rösler, “unsere” Kanzlerin will nur etwas vom ewigen Wachstum hören. Hüte Deine Zunge, sonst wirst Du noch vor den BTWs entsorgt!

    • dparvus sagt:

      Das ist eine der schlimmsten Forderungen, die sich aus Fiatgeld wie dem Euro ergeben:

      Es funktioniert nicht ohne ewiges Wachstum. Ewiges Wachstum kann es nicht geben.

      Deshalb kommt man irgendwann immer schneller in die Inflation, in die Hyperinflation.

      Jeder, der den Hockey- Schläger kennt, weiß das, jeder, der denken kann und denkt und ein klein wenig von Mathematik versteht.

      http://www.steuerboykott.org/

      • ubjay sagt:

        Wachstum und Inflation gehören zusammen.
        Wenn aber das Wachsen der Wirtschaft nicht mehr durch billiges Geld angekurbelt werden kann, weil kein Mensch Kredite haben will, oder die Banken kein Geld verleihen, greift die Deflation und die Politiker verlieren ihren Job, da ihr Nimbus von Magiern des Wirtschaftswachstums verloren geht.
        Dann begreifen immer mehr Menschen, dass sie nicht können, was sie vorgeben.
        Dann muss man eben Inflation durch höhere Steuern und Abgaben vorgaukeln.