Finanzwelt ist entsetzt: „Die Italiener haben falsch gewählt“

In einer bemerkenswerten Analyse hat die Citi-Group das Entsetzen der Finanzwelt über die italienische Wahl formuliert: „Das ist die erste Wahl in Europa, bei der die Wähler nicht das Richtige gemacht haben.“

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Banken sind unzufrieden mit den Italienern: Vielleicht hätten sie besser diesen Herrn wählen sollen? (Foto: imgbaot)

Banken sind unzufrieden mit den Italienern: Vielleicht hätten sie besser diesen Herrn wählen sollen? (Foto: imgbaot)

Die Finanzwelt steht mit offenem Mund vor dem Ergebnis der italienischen Wahlen. Erfolge Grillos und Berlusconis (hier) hatten die meisten Institute in ihrer langfristigen Planung nicht auf der Rechnung.

In einer Analyse für seine Kunden schreibt der Citi FX-Stratege Steven Englander: „Das ist die erste europäische Wahl, in der die Wähler nicht das Richtige getan haben.“ Statt für weitere Sparprogramme und Steuererhöhungen zu stimmen, hätten die Italiener überraschend die Politiker unterstützt, die Sparmaßnahmenn ablehnen und in einigen Fällen sogar den Euro. Englander: „Das kann zu einem großen Problem werden, wenn sich die Ablehung von Sparmaßnahmen als ansteckend erweist.“

Die Finanzmärke hatten auf einen Wahlerfolg von Mario Monti gehofft. Der Goldman-Banker enttäuschte seine Kollegen jedoch und erwies sich wie eine politische Collateralized Debt Obligation (CDO): Nur wer gegen ihn wettete (90% der Italiener) war auf der richtigen Seite. Das ist eigentlich das klassische Goldman-Modell – nur ohne den Unsicherheitsfaktor Wähler.

So kommt Englander zu dem absolut logischen Schluss: „Wahlen sind viel problematischer als Unsicherheit an den Märkten, da diese (Wahlen) nicht mit dem Drucken von Geld ungeschehen gemacht werden können.“ Dennoch scheint das Ergebnis der Italien-Wahl „nicht so schlimm, als dass ein bisschen Wachstum und Flexibilität (in der Geldpolitik) der EZB es nicht noch umdrehen könnte“.

Steven Englander zufolge war das Wohlgefühl über die steigenden, italienischen Aktienkurse für die Wähler wohl nicht stark genug, um die schlechten Emotionen über Sparmaßnahmen, wenig Wachstum und Arbeitslosigkeit auszugleichen. Das sei jedoch nicht die Schuld der EZB, denn wenn es nur einer weiteren Leitzinssenkung bedurft hätte, dann hätten sie dies getan, so der Citi Stratege. „Aber vielleicht müssen die Politiker der Eurozone die fiskalischen Zwänge lockern und schnell Wege finden, Wachstum zu generieren.“ Dann könnte auch das Kapitel Berlusconi II als Episode überwunden werden.


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