ARD-Reporter Onneken zu den Vorwürfen der falschen Berichterstattung

Die Kritik der Hersfelder Zeitung weist der Reporter Peter Onneken von sich und beschwert sich, nicht einmal selbst von der Zeitung zu den Vorwürfen befragt worden zu sein.

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Gegen die ARD-Dokumentation über Amazon gibt es Vorwürfe, dass die Recherche nicht nicht sauber war („Die ARD – Ankläger, Richter, Henker“ – hier).

Einer der Autoren, Peter Onneken, hat zu den Vorwürfen Stellung genommen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Im Hersfelder Kreisanzeiger wird Die von Ihnen in der Dokumentation gezeigte Spanierin Silvina damit zitiert, dass Bilder dazu geschnitten worden, die nicht aus dem Seepark stammen. Das „Abfüttern“ der Zeitarbeiter in einem Keller beispielsweise, könne es im Seepark nicht gegeben haben, „denn einen Keller gibt es hier gar nicht.“ Was sagen Sie dazu?

Peter Onneken: Haben Sie sich die Quelle mal angeschaut, in der Sie das gesehen haben? Hauptsächlich geht das auch von einer Meldung des Kreisanzeigers aus, die herumging. Und in dieser Meldung  sieht man auch, dass wir darin gar nicht zu Wort kommen, obwohl es doch um relativ krasse Vorwürfe von angeblicher Falschberichterstattung handelt – etwas seltsam.

Der Punkt ist der, es werden da lauter Vorwürfe erhoben, die im Film gar nicht genannt sind. Es gibt den Busfahrer, der erzählt, dass die Arbeiter in seiner Unterkunft abgefüttert werden wie die Schweine im Keller. Es sagt aber keiner, dass das in dem Hotel von Silvina ist. Aber es gibt ja mehr als ein Hotel, in dem Amazon-Mitarbeiter untergebracht sind.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Das heißt, wenn ich mir die Dokumentation nochmal anschaue, werde ich da auch keinen Keller finden, in dem gedreht wurde?

Peter Onneken: Nö, richtig. Genau. Es scheint auch so ein bisschen die Strategie zu sein, uns irgendwelche Dinge zu unterstellen, die wir behauptet hätten, die aber gar nicht vorkommen. Nur um unsere Glaubwürdigkeit da irgendwie anzugreifen. Aber ich kann immer nur den Kollegen raten, dann doch in ihrer Recherche wenigstens so weit zu gehen, sich den Film auch anzusehen

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie haben mit Busfahrer und Spanierin gesprochen. Gibt es auch andere, mit denen sie gesprochen haben, die aber in dem Film jetzt vielleicht nicht unbedingt vorkommen?

Peter Onneken: Ja, wir haben auch mit anderen Leuten gesprochen, die nicht im Film vorkommen, klar.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Und diese haben dann bestätigt, was die Spanierin gesagt hat?

Peter Onneken: Was meinen Sie genau?

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Also bezüglich der schlechten Arbeits- und Wohnbedingungen.

Peter Onneken: Genau, vom Hotel sagt Silvina ja im Film gar nichts, so etwas kommt ja gar nicht vor. Sondern, was die Busse angeht, die Problematik mit dem vielen Laufen und auch die Frage, wie der Sicherheitsdienst dort mit ihnen umgeht, das haben wir von mehreren Arbeitern immer wieder gehört.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Aber es hat sich wahrscheinlich angeboten, dass quasi nur anhand einer Person zu erzählen?

Peter Onneken: So wie wir da gedreht haben und wenn Sie Angst vor dem Sicherheitsdienst haben, ist das kein Thema, um damit offen vor die Kamera zu gehen. In dem Film kommen auch noch zwei Verdeckte vor. Aber es ist natürlich schwierig, für so ein Thema überhaupt Menschen zu finden, die so mutig sind, die Geschichte auch vor der Kamera zu erzählen und ihre Identität damit auch preis zu geben. Die sind ja nicht in der starken Position, dass ihnen das alles nichts ausmachen würde, wenn der Arbeitgeber sagt, das wollen wir so aber nicht. Es war ja auch schon schwierig, dort dann auch zu drehen. Deswegen waren wir ja auch froh, dass wir noch weitere Spanier in Bad Hersfeld im Café zu Wort kommen lassen konnten, die auch offen vor die Kamera gegangen sind.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die Spanierin gibt an, dass sie während der Dreharbeiten immer gesagt hätte, dass sie kein Problem mit der Unterkunft habe und dass sie sich dort wohlfühle, dass dies aber zum Beispiel im Film gar nicht gezeigt wurde.

Peter Onneken: Ja, wir haben ja auch keinen Film über die Unterkunft im Seepark gemacht, das ist zwar der Spielort und wir haben auch dort viele Leiharbeiter gefunden, die nicht so glücklich waren wie Silvina, allerdings wird letztendlich auch gesagt, dass Silvina dort arbeitet. Und für uns ist es ja auch klar, dass jemand, der dort arbeitet, nicht unbedingt die richtige Person ist, um zu beurteilen, wie das da in der Unterkunft ist, die befindet sich ja in diesem Fall in einem Interessenskonflikt ist. Deswegen haben wir komplett darauf verzichtet, etwas über Qualität zum Hotel aus dem Umfeld von Silvina zu sagen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Silvina gibt beispielsweise an, dass sie von Ihnen auch mehrmals gefragt wurde, ob die Lebensverhältnisse nicht zu beengt seien.

Peter Onneken: Wir haben sie viele Dinge gefragt, wir haben mit ihr zwei Stunden lang ein Interview geführt. Und dann kommen Dinge rein und andere eben nicht. Dass sie es jetzt schön dort findet, war für uns nicht so relevant. Sie verkürzen eben einfach.

 

 

 

 

 

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