EU rät Mitarbeitern bei Griechenland-Reise: „Fälschen Sie Ihren Lebenslauf!“

Die EU-Kommission fürchtet offenbar Attacken gegen ihre Mitarbeiter in Griechenland: In einer E-Mail rät die Kommission Mitarbeitern, die nach Griechenland geschickt werden, ihre Tätigkeit zu verheimlichen und am besten einen Fake-Lebenslauf zum Besten zu geben. Die E-Mail ist mit dem Buchstaben „J“ unterschrieben. Nun wird gerätselt, wer in der Kommission den Vornamen „J“ trägt.

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Die griechische EU-Kommissarin Maria Damanaki möchte von Präsident José Manuel Barroso wissen, wer die E-Mail geschrieben hat, die nur mit „J“ unterzeichnet ist und in der die EU-Mitarbeiter vor den Griechen gewarnt werden. Ob der Präsident da eine Idee hat? (Foto: European Commission)

Die griechische EU-Kommissarin Maria Damanaki möchte von Präsident José Manuel Barroso wissen, wer die E-Mail geschrieben hat, die nur mit „J“ unterzeichnet ist und in der die EU-Mitarbeiter vor den Griechen gewarnt werden. Ob der Präsident da eine Idee hat? (Foto: European Commission)

Die griechische Zeitung To Vima hat eine Email veröffentlicht, aus der die nackte Angst der EU-Kommission vor den griechischen Bürgern spricht. Die E-Mail, deren Echtheit von der Kommission unterdessen bestätigt wurde, rät ihren Mitarbeitern der Kommission, niemandem zu sagen, dass sie für die EU arbeiten.

In der Mail heißt es: „Der Taxifahrer, der Sie zum Hotel bringt und der Ladenbesitzer an der Ecke müssen nicht wissen, dass Sie für eine europäische Institution arbeiten. Wenn man Sie fragt, was Sie machen, sprechen Sie über Ihren früheren Job oder der Beruf Ihres besten Freundes.“ Die EU-Mitarbeiter sollten eine „uninteressante Lebensgeschichte erfinden“, sich nicht in der Nähe von Fenstern während Protesten aufzuhalten, und keine „aggressiven Reaktionen“ von Demonstranten zu „provozieren“. Die EU-Mitarbeiter sollten keine sensiblen Dokumente in Restaurants und Bars mitbringen. Schon die „mildeste Reaktion kann von den Protestierenden falsch interpretiert werden“.

Die EU-Kommission bestätigte die Ratschläge. In einer E-Mail an das WSJ schrieb ein EU-Offizieller, die Ratschläge seien nichts Besonderes, sondern „allgemeine Reise-Hinweise“. Sie seien mit der griechischen Polizei abgesprochen. Ob vergleichbare „Reise-Hinweise“ auch für andere Länder gegeben werden, vermochte der Sprecher nicht zu sagen.

Besonders strittig ist der Beginn der E-Mail, in der es heißt, dass man eine Anzahl von „X“ Toten bei kommenden Ausschreitungen in Griechenland erwarte. Die Email ist mit „J“ unterschrieben.

Diese Einleitung sei keine offizielle Position der EU. Wer „J“ sei soll, weiß man in Brüssel ebenfalls nicht. J? J? Wer in der Kommission heißt bloß „J“ mit Vornamen? EU-Kommissions-Präsident José Manuel Barroso hat sich zu dem spektakulären Dokument noch nicht geäußert.

Seine griechische Kollegin, Kommissarin Maria Damanaki, zeigte ich dagegen empört. Griechenland sei sicher, die E-Mail sei eine Beleidigung für das griechische Volk. Damanaki forderte eine Untersuchung, wer die die Mail geschrieben habe.

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