Bund: Banken-Lobby soll Schülern den Umgang mit Geld beibringen

Die Bundesregierung will den deutschen Schülern mehr Fachwissen in Geld-Fragen vermitteln. Zu diesem Zweck werden renommierte Institutionen in die Schulen geschickt, um die Kinder zu unterweisen: Unter ihnen befindet sich der Lobbyisten-Verband der deutschen Banken und die staatlich gerettete Commerzbank.

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Michael Kemmer, der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Als Chef der BayernLB versenkte er Milliarden an Steuergeldern. Nun soll die Lobby den Kindern erklären, wie man mit Geld umgeht. (Foto: Bundesverband Deutscher Banken)

Michael Kemmer, der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. Als Chef der BayernLB versenkte er Milliarden an Steuergeldern. Nun soll die Lobby den Kindern erklären, wie man mit Geld umgeht. (Foto: Bundesverband Deutscher Banken)

 

Mehr als drei Viertel der in eine Umfrage befragten Lehrer und Experten sehen einen Bildungsauftrag in Sachen Verbraucherschutz bei den Schulen. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die aktuelle Studie der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz. Vor allem die Kompetenzen hinsichtlich der Finanzwelt sollen gestärkt werden. Dies will das neu gegründete Bündnis für Verbraucherbildung unterstützen. Und damit diese Förderung der Schüler-Kompetenzen nicht allein von Fachfremden gestärkt wird, werden auch gleich die Banken selbst zu Rate gezogen.

Das Bündnis Verbraucherbildung wurde von der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz initiiert, die zur Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBZ) gehört. Beide werden unter anderem aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz finanziert. Das Ministerium hat bereits beim Thema Ernährung aufhorchen lassen: Künftig sollen die Kinder von McDonald’s lernen, was gesundes Essen ist (mehr hier).

Insgesamt beteiligen sich 60 fachkundige Firmen und Organisationen an der Bildungs-Offensive.

Zu diesen gehören unter anderem die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, der Bundesverband der deutschen Banken (geführt von einem Banker, der Milliarden bei der BayernLB verbrannt hat – hier), der Deutsche Raiffeisenverband, der Handelsverband Deutschland, die Sparda-Bank Berlin und die Commerzbank. Vor allem die Commerzbank verfügt über besonders reiche Erfahrungen im Geld-Business. Sie weiß auch, was man nicht machen soll: Die Bank wurde  aufgrund massiver Verluste bei risikoriechen Geschäften teilweise verstaatlicht (mehr zu dieser unendlichen Geschichte – hier).

Ziel des Bündnisses ist es, „dass allen Kindern und Jugendlichen in Deutschland durch ein institutionell abgesichertes Angebot an schulischer und außerschulischer Verbraucherbildung, die für ihr Leben notwendigen Entscheidungs- und Konsumkompetenzen vermittelt werden“, heißt es auf der Internetseite der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz. Die Gefahr einer Einflussnahme der Finanzunternehmen auf die Schüler sieht das Bündnis jedoch nicht. Im Gegenteil, es sei sogar gut,  dass das Bündnis breit aufgestellt ist und Partner aus der Wirtschaft dabei seien, erklärt die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz. Schließlich würden auch Unternehmen von gebildeten Verbrauchern profitieren. Die  „Unternehmen erkennen, dass sie eine gesellschaftliche Verantwortung haben“.

Darüber hinaus, so schreibt die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz, sei es ein Grundsatz des Bündnisses, „dass Marketing nichts in der Schule zu suchen hat“. Die Hoheit über Inhalte liege bei den Lehrkräften. Das Bündnis orientiere sich an den „Grundprinzipien des Beutelsbacher Konsenses mit den drei Grundprinzipien Indoktrinationsverbot, Kontroversitätsgebot und Förderung der Analysefähigkeit.“

Finanziert wird das Bündnis der Deutschen Stiftung Verbraucherschutz zufolge über die „Bündelung von Mitteln der Bündnispartner im Fonds für Verbraucherbildung“. Ein neunköpfiger Beirat berät die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz. Der Beirat setzt sich aus jeweils drei Vertretern der Gruppen Verbraucherorganisationen, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Angesichts der Tatsache, dass die beteiligten Unternehmen wie die Commerzbank und die Sparda-Bank Berlin das Bündnis mit finanziellen Mitteln unterstützen und theoretisch im Beirat die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz beraten, ist die Neutralität des Bündnisses alles andere als gewährt. Wie begehrt der Kontakt zu Schülern ist, zeigt auch das von der Stiftung Warentest verfolgte Projekt „Finanztest macht Schule“. Hier werden bereits längerer Zeit Klassen ein Jahr lang mit dem Heft Finanztest kostenlos versorgt, um sich zu kompetenten Verbraucher fortzubilden und natürlich auch, um an das Heft gebunden zu werden (hier).

Das Bündnis Verbraucherbildung ist kein Einzelfall in Sachen Banker an die Schulen. Auch in Großbritannien streben die Geldhäuser an die Schulen. Ab 2014 sollen sie Kinder in Sachen Umgang mit Geld unterrichten. So wird beispielsweise erwägt, Lloyds, der Royal Bank of Scotland und Barclays in eine Liste der Finanzdienstleistungsunternehmen aufzunehmen, die es ihnen dann sogar erlaubt, ab September 2014 ihr eigenes Firmenmaterial zu nutzen, um an britischen Grundschulden und weiterführenden Schulen den Unterricht zu gestalten. (hier).


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