Eurobonds: Deutschland wäre der größte Verlierer in Europa

Die Einführung von Eurobonds würde Deutschen 200 Milliarden Euro an Mehrkosten bescheren. Frankreich und Luxemburg kämen glimpflich davon, auch für Österreich und die Niederlande wären Eurobonds eine teure Angelegenheit.

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Angela Merkel: Ich möchte keine Eurobonds, nein, Eurobonds möchte ich nicht. Francois Hollande: Wollen wird uns noch etwas vom Buffet holen? (Foto: consilium)

Angela Merkel: Ich möchte keine Eurobonds, nein, Eurobonds möchte ich nicht. Francois Hollande: Wollen wird uns noch etwas vom Buffet holen? (Foto: consilium)

Seit George Soros die Deutschen die Deutschen vor die Wahl gestellt hat, entweder aus dem Euro auszutreten oder aber endlich Eurobonds zuzustimmen, wird wieder einmal heftig gerechnet: Wer wären denn die Gewinner, wer die Verlierer bei der Einführung von Eurobonds?

Zunächst steht fest: In jedem Fall wäre George Soros unter den Siegern. Eine Aufspaltung der Eurozone bringt vor ihn den großen Vorteil, dass er dann noch vielfältigere Möglichkeiten für Spekulationen hat. Nichts hassen Spekulanten so sehr wie homogene Märkte.

Das Fazit über die Verlierer fällt ebenfalls eindeutig aus: And the losers are …. ze krauts!

Bei der Einführung von Eurobonds, ein lang gehegter Wunsch von beispielsweise Griechenland und Italien, dem vor einiger Zeit noch SPD und Grüne huldigten, wäre Deutschland mit Abstand der größte Verlierer von allen.

Auch Währungskommissar Olli Rehn sagte Ende Februar, „dass alle Schritte in Richtung mehr Solidarität und gegenseitige Risikoübernahme mit mehr Verantwortung kombiniert werden müssen“ (hier).

Wie eine aktuelle Studie des Börsen-Portals Geld.de zeigt, wären die Gewinner von Eurobonds neun Länder, darunter Italien, Griechenland, Spanien, Portugal und auch Zypern. Sie würden bei zehnjährigen Laufzeiten von gemeinsam aufgelegten Eurobonds zusammen gerechnet etwa 361 Milliarden Euro an Zinsaufschlägen für ihre (noch nationalen) Staatsanleihen einsparen.

Die Verlierer: Für Deutschland würden Eurobonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren rund 61 Prozent oder etwa 200 Milliarden Euro Mehrkosten bedeuten. Auch für Finnland, Niederlande und Österreich wäre es ein dickes Minusgeschäft. Kein Wunder, dass ein niederländischer Ex-Kommissar bereits lautstark den Austritt seines Landes fordert (hier).

Die Schnäppchenjäger: Für die frankophonen Länder wären Eurobonds ein Schnäppchen: Frankreich könnten sich mit 6 Milliarden Euro aller seiner Schulden-Sorgen entledigen, in zehn Jahren insgesamt 64 Milliarden Euro. Das kontinentaleuropäische Zypern = Luxemburg käme besonders gut dabei weg: 600 Millionen Euro auf zehn Jahre, also schlappe 60 Millionen pro Jahr, und das Finanzkasino kann weitergehen.

In der Berechnung sind jedoch nur die aktuellen Zinssätze für die einzelnen Euroländer und deren Spreads (Zinsunterschiede) zugrunde gelegt. Machten einzelne Länder nach Einführung von Eurobonds mehr Schulden, stiegen selbstverständlich auch die Zinssätze für gemeinsame Eurobonds und damit anteilig für Deutschland.

Es gibt eigentlich wenig Anhaltspunkte dafür, dass ausgerechnet durch Eurobonds die Fiskal-Disziplin in Europa Einzug halten sollte.

Wohin dies führte und in welcher Krise es mündete ist seit 2010 bekannt, als Griechenland seinen ersten „Hilfsantrag“ stellte.


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