EU: Fauler Kompromiss stärkt Quoten-Bürokratie bei Fischen

Die EU-Fischfang-Regelungen führen zu Überfischung und verschwenderischem Rückwurf toter Fische ins Meer. Eine Neuregelung ist dringend nötig. Der heute ausverhandelte Standpunkt der Staaten-Vertreter wird als Neuausrichtung verkauft, blockiert in Wahrheit aber weiterhin alle Nachhaltigkeits-Bemühungen.

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Bei den Bemühungen um eine nachhaltigere Fischereipolitik feiern die EU-Staaten ihren in den vergangenen Tagen ausgehandelten Kompromiss als Durchbruch. Tatsächlich verharren sie weiter darauf, den alles andere als nachhaltigen Status Quo möglichst beizubehalten.

Der Rat der Fischereiminister hat sich heute früh morgens auf einen gemeinsamen Standpunkt bei den kommenden Verhandlungen mit den anderen EU-Institutionen geeinigt. Der irische Fischereiminister Coveney ließ in einer Mitteilung verlautbaren, dass die untragbare Praxis der Entsorgung von jährlich Millionen Tonnen an gesunden Fischen eingeschränkt werden soll (mehr dazu hier). Bislang wollten die EU-Staaten diese „Rückwürfe“ auf sieben Prozent der gesamten Fangmenge begrenzen, jetzt werden fünf Prozent angestrebt.

Der Forderung des Europäischen Parlaments (EP) auf ein komplettes Verbot will man damit weiterhin nicht nachgeben. Zahlreiche Ausnahmen sollen die Rückwurf-Beschränkungen aufweichen.

Neben der drängenden Frage des Verbots des Überbord-Werfens wertvoller Nahrungsmittel ist vor allem die Gesundung der übernutzten Fischbestände der zentrale Punkt bei der Neuregelung der Fischereipolitik. Laut Mitteilung will der Rat auch darauf hinarbeiten. Die berüchtigten Fangquoten sollen demnach künftig so festgesetzt werden, dass sich die Fischbestände langfristig stabilisieren.

Nichts als hehre Worte, sagen Umweltorganisationen. „Die bisherigen EU-Quoten zwingen viele Fischer geradezu zum Über-Bord-Werfen vieler Beifang-Fische, für die sie keine Fanggenehmigungen haben“, so Anna Holl, Sprecherin des WWF, den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Die Fischereiminister hätten wenig Fortschritt gemacht, um dem EU-Parlament bei den Verhandlungen den halben Weg entgegen zu kommen. „Im Ministerrat machen sich dagegen vor allem die klassischen Fischereinationen für einen Erhalt des Status Quo stark“, so Holl weiter.

Das Maßnahmenpaket wurde mit Ausnahme von Schweden von allen Mitgliedsländern befürwortet, berichtet die BBC. Die Skandinavier waren für einen ambitionierteren Ansatz, der näher am Vorschlag des EP gelegen wäre.

Eine WWF-Studie hat ermittelt, dass es auf Grundlage des aktuellen Beschlusses mehr als 100 Jahre dauern wird, bis die Ressourcen-Zerstörung ein Ende hat. Folgte man dagegen den Plänen des EU-Parlaments, könnten sich innerhalb von 10 Jahren drei Viertel der überfischten Bestände erholt haben und das Fundament für eine profitable und nachhaltige Fischerei bilden.

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