Geothermie in Rheinland-Pfalz vor dem Aus

Durch zahlreiche kleinere Erdbeben steht die Geothermie in Rheinland-Pfalz vor dem aus. Dem Kraftwerk in Landau droht die Insolvenz. Die Kosten übersteigen den Nutzen des Kraftwerkes. Das Erdbeben-Risiko ist nicht kalkulierbar.

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Förder- und Injektionsbohrung im Geothermie-Kraftwerk Landau. (Foto: Geox)

Förder- und Injektionsbohrung im Geothermie-Kraftwerk Landau. (Foto: Geox)

Aufgrund des hohen Erdbeben-Risikos wird das Geothermie-Kraftwerk in Landau, Rheinland-Pfalz, seit Jahren nur noch mit halber Leistung gefahren. Das führt dazu, dass die Kosten in die Höhe steigen. Dem Kraftwerk droht nun die Insolvenz. Für die Investitionen in das Projekt muss der Steuerzahler aufkommen. Seit 2010 macht das Kraftwerk Verluste.

Die Investitionskosten des Kraftwerkes betrugen „insgesamt 21 Millionen Euro“, sagte Christian Lerch, Geschäftsführer bei geo x, den Deutschen Wirtschafts Nachrichten. Der Löwenanteil davon wurde für die beiden Hauptbohrungen ausgegeben. Als Sicherheit wurden sechs Millionen Euro zusätzlich von der Regierung Rheinland Pfalz als Landesbürgschaften hinterlegt.

Geothermie  nutzt Erdwärme und ist auf eine riskante Bergbautechnik angewiesen. Die sogenannte Tiefengeothermie geriet wegen ihrer Unwirtschaftlichkeit und einem hohen Sicherheitsrisiko in Verruf. Der Landauer Energievesorger EnergieSüdwest hatte sich daher im Mai bereits dazu entschieden, sich nicht an den Kosten einer dritten Bohrung zu beteiligen. Dieses Vorhaben hätte weitere 10,6 Millionen Euro verschluckt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Ein besonderes Risiko birgt die drohende Insolvenz des Kraftwerkes wegen möglicher neuer Investoren, die die Gefahr der seismischen Aktivitäten unterschätzen und sich unverantwortlich verhalten könnten: Wenn ein Investor das Kraftwerk Landau zu einem billigen Preis kaufe und dann schauen wolle, „wie viel er da rausholen kann, dann könnten wir möglicherweise wieder Mikroseismiken oder möglicherweise mehr bekommen“, sagte Eveline Lemke, stellvertretende Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz in einem Bericht von Dradio.

Damit ist steht ein weiterer Teilaspekt der Energiewende auf dem Spiel: Erdwärme soll in Zukunft 1% der Energieversorgung ausmachen. Dafür müssten allerdings 20 Tiefengeothermie-Anlagen von der Größe des Kraftwerkes Landau gebaut werden. Damit steigt jedoch auch das Risiko bei Kosten und Erdbeben. Lemke will die Geothermie in Rheinland-Pfalz dennoch „langsam weiterentwickeln“.

Ein Sicherheitsrisiko gebe es bei jeder Art der Energiegewinnung. „Durch diese Kleinstbeben sind noch keine größeren Schäden entstanden“, sagte Gregor Dilger vom Bundesverband Geothermie den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Kleinere Schäden, die im Umkreis Landau im Jahr 209 entstanden sind und einen Wert von insgesamt 9.500 Euro aufwiesen, wurden von der geo x aus Kulanz – ohne Anerkennung einer Rechtspflicht – bezahlt.

 

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