Prism: Studenten verklagen Facebook, Apple, Microsoft

Die Internetriesen wickeln ihre Geschäfte über europäische Tochterfirmen ab. Diese erlaubten dem US-Geheimdienst NSA, massenhaft auf Nutzerdaten zuzugreifen. Damit verstießen sie gegen EU-Recht zum Datenschutz, sagt eine Studenten-Initiative.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Der Datenexport aus der EU in die USA verstoße gegen EU-Recht zum Datenschutz, sagte die Initiative Europe versus Facebook. (Grafik: Europe versus Facebook)

Der Datenexport aus der EU in die USA verstoße gegen EU-Recht zum Datenschutz, sagte die Initiative Europe versus Facebook. (Grafik: Europe versus Facebook)

Mitglieder der Wiener Studenteninitiative Europe versus Facebook haben Anzeigen gegen europäische Tochterunternehmen von Facebook, Apple, Skype, Microsoft und Yahoo gestellt. Ihre Beschwerden richten sich gegen deren Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienst NSA und den Transfer von Nutzerdaten in die USA.

Die betroffenen Internet-Unternehmen wickeln ihre Geschäfte vielfach über Tochterunternehmen in der EU ab. Dadurch würden Beschwerden nach europäischem Datenschutz-Recht überhaupt erst möglich, sagt die Initiative auf ihrer Webseite. Die US-Unternehmen hätten aus steuerlichen Gründen relativ verzweigte Firmenkonstrukte und nutzten die unterschiedlichen Gesetze aus (mehr hier).

Die Steuertrickserei bringe die Unternehmen „aber auch in eine Zwickmühle zwischen amerikanischem und europäischem Recht“, sagte die Initiative. Denn der Daten-Export in Länder außerhalb der EU sei nur dann erlaubt, wenn auch im Zielland ein „angemessenes Schutzniveau“ für das Grundrecht auf Datenschutz garantiert sei. Die bisherigen Enthüllungen zeigten, dass dies in den USA nicht der Fall ist.

Von einem angemessenen Datenschutz kann natürlich nicht die Rede sein, wenn am anderen Ende der Leitung die NSA mitliest“, sagte die Initiative. Im Kern gehe es darum, ob ein europäisches Unternehmen einem fremden Geheimdienst Nutzerdaten überlassen kann. Ein Verfahren nach EU-Recht aber bedeute, dass sich die Tochterunternehmen nicht auf ihre Schweigepflicht in den USA berufen können, so die Initiative.

„Entweder diese [europäischen Tochterunternehmen] sind in der Lage glaubhaft zu machen, dass der ganze PRISM-Skandal eine Zeitungsente ist, oder sie müssen erklären, wie ein Massenzugriff durch einen ausländischen Geheimdienst mit EU-Datenschutzrecht zusammenpasst.“

Durch die Klage erhofft sich die Initiative neben der rechtlichen Klärung auch „einen tieferen Einblick in die Machenschaften der betroffenen Unternehmen“. Die Initiative werde Akteneinsicht verlangen. „Wir sind schon gespannt was die Unternehmen zu sagen haben.“

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***


media-fastclick media-fastclick