Banken manipulieren im großen Stil Aluminium-Markt

Die weltweiten Rohstoffmärkte werden zusehends von US-amerikanischen Investmentbanken kontrolliert. Konzerne wie Goldman Sachs horten zum Beispiel Aluminium, um damit Spekulationsgewinne zu realisieren. Die Preissteigerungen zahlen die Konsumenten.

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Ein Firmenlogo aus selbst gehandeltem Aluminium: JP Morgan und andere Investmentbanken manipulieren nachweislich die globalen Rohstoffmärkte.

Ein Firmenlogo aus selbst gehandeltem Aluminium: JP Morgan und andere Investmentbanken manipulieren nachweislich die globalen Rohstoffmärkte.

Eine Anhörung des US-Senats hat sich am Dienstag mit den Verwerfungen auf den Rohstoffmärkten befasst, die durch die Spekulationstätigkeit von Investmentbanken verursacht wird. Der jährliche Schaden geht nach Ansicht von Finanzexperten in die hunderte Milliarden Euro.

Die Anhörung wurde erst angesetzt, nachdem sich ein Bericht der New York Times mit den Manipulationen am Aluminium-Markt beschäftigt hatte. Zudem beschwerten sich jüngst mehrere Industrie-Konzerne wie General Motors, Boeing oder Coca Cola über die zwielichtigen Geschäftspraktiken der Wall Street-Banken. Für sie fallen durch die teureren Rohstoffe zusätzliche Kosten an. Tim Weiner von der US-Großbrauerei Miller Coors etwa beschuldigte bei der Anhörung die Banken, künstliche Versorgungs-Engpässe auf dem Aluminium-Markt zu schaffen.

Allein im vergangenen Jahr hätten die Marktmanipulationen von Banken die Kosten für Aluminium weltweit um drei Milliarden Dollar erhöht, so Weiner. Werde den Rohstoffgeschäften der Banken kein Einhalt geboten, „werden wir 2008 lediglich die erste und bei weitem nicht die schlimmste Wirtschaftskrise erlebt haben“, sagte Joshua Rosner vom Wirtschaftsinstitut Graham Fisher and Co.

Der weltweite Aluminium-Handel wird von der Londoner Metallbörse (LME) geregelt, befindet sich aber zu weiten Teilen in der Hand von wenigen Investment-Firmen. Dazu gehören US-amerikanische Banken ebenso wie der Schweizer Rohstoffhändler Glencore.

Dem Zeitungsbericht zufolge haben die Aluminiumbestände in den weltweit 719 von der LME reglementierten Lagerhäusern mit 5,4 Millionen Tonnen eine Rekordhöhe erreicht. Käufer müssen trotzdem mit einer Lieferzeit von 16 Monaten rechnen. Bevor Goldman Sachs im Jahr 2010 27 Lagerhallen im Großraum Detroit kaufte, hatten die durchschnittlichen Lieferfristen noch sechs Wochen betragen.

Dabei schreibt die LME den Händlern eigentlich Auslieferungsquoten vor, um preistreibende Rückhaltungen zu verhindern. Die New York Times fand jedoch heraus, dass das Aluminium lediglich von einem Goldman-Lagerhaus zum anderen verschoben wird, anstatt an Kunden ausgeliefert zu werden. Ein dort angestellter Gabelstaplerfahrer sprach von einem „Metall-Karussell“. Auch die LME selbst profitiert von diesem Karussell, da sie ein Prozent der anfallenden Mietkosten erhält. Bis vor einem Jahr stand sie im Besitz ihrer wichtigsten Handels-Unternehmen, darunter auch Goldman Sachs, Barclays und Citigroup.

Die Zulassung für die Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeit auf die Rohstoff-Märkte erhielten die Investment-Banken erst 2003. Die Federal Reserve gab ihren Segen für eine entsprechend gelockerte Regulierung und verschaffte den Finanzinstituten eine weitere Möglichkeit, hohe Gewinne zu erzielen. Allein für den Umfang des weltweiten Aluminium-Marktes wurden lange Zeit jährliche Zuwachsraten im zweistelligen Bereich verzeichnet.

Die von den Banken seit damals erworbene Infrastruktur umfasst verschiedenste Branchen, von Pipelines über Öl-Tanker bis zu ganzen Hafen-Anlagen. Durch die Kontrolle über die Rohstoff-Märkte gewinnen die Banken wichtige Informationen, die auf den Finanzmärkten Gold wert sind. Beim Aktienhandel würde man diese Vorgehensweise als Insider-Handel bezeichnen. Auf den Rohstoffmärkten ist sie völlig legal.

In einem internen Dokument von Goldman Sachs aus dem Jahr 2011 heißt es, dass ein Drittel des Preises eines Barrels Öl auf Spekulation durch Investoren zurückzuführen ist. Allein dadurch entstehen in den USA künstlich generierte Kosten von 200 Milliarden pro Jahr, haben die Aufsichtsbehörden errechnet. Dagegen unternommen wurde jedoch nichts. Dabei stellen sich Kartellbehörden, egal ob in den USA oder in Europa, sonst gerne als Kämpfer für die Etablierung von Marktpreisen hin. Dass sie Preismanipulationen und Monopole auf gewissen Märkten wissentlich zulassen, wird verschwiegen.

Der US-Politik war schon lange bekannt, dass die Spekulation der Banken zu Manipulationen auf den Märkten für Metalle oder im Energiesektor führen. Es bedurfte erst des Zeitungsberichtes und dem Wehklagen der Industrie, bis es zu der Anhörung kam. Allein schon der Titel der Veranstaltung („Sollen Banken Kraftwerke, Lagerhäuser und Öl-Raffinerien kontrollieren?“) sagt viel darüber aus, welche zentralen Mechanismen des globalen Wirtschaftssystems sich heute in den Händen der Finanzindustrie befinden.

Banken manipulieren Märkte. Die Öffentlichkeit muss schon darüber froh sein, dass das im Rahmen einer formellen Anhörung des Parlaments überhaupt einmal in Frage gestellt wird. Dass der Einfluss der Finanz-Lobby sehr viel öfter Thema von Ausschüssen sein sollte, gilt im Übrigen auch für Europa.

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