Fukushima: Japan kämpft gegen totalen Verlust der Kontrolle

Die Katastrophe von Fukushima gerät immer mehr außer Kontrolle. Nun will die japanische Regierung bis 2015 eine unterirdische Wand errichten, um den Eintritt von Grundwasser zu stoppen. Jeden Tag werden weitere 400 Tonnen Wasser verstrahlt. Die Firma Tepco kann die Katastrophe nicht stoppen. Außer Lügen hat sie nichts mehr zu bieten.

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Der Energiekonzern Tepco hat die Kontrolle über sein 2011 havariertes Atomkraftwerk verloren.

Die japanische Regierung versucht nun verzweifelt, den Austritt radioaktiven Wassers in Fukushima mit einer unterirdischen Wand stoppen.

„Statt kurzfristiger Maßnahmen, die in der Vergangenheit unternommen wurden, stellen wir heute einen Plan auf, der eine grundlegende Lösung für das Problem des kontaminierten Wassers bietet“, zitiert Bloomberg den japanischen Premier Shinzo Abe.

Der Plan ist die letzte Hoffnung der Japaner, die Katastrophe, die sich für Generationen andeutet, noch abzuwenden.

Doch es ist der Kampf gegen einen unsichtbaren Feind.

Gegen radioaktive Verstrahlung gibt es kein Rezept.

Abe will eine Kommission zusammenstellen, die eine Lösung für das Wasser entwickeln soll. Die Regierung will 47 Milliarden Yen (360 Millionen Euro)ausgeben. Damit soll unter anderem eine unterirdische gefrorene Wand finanziert werden. Die rechteckige unterirdische Wand soll verhindern, dass Grundwasser in die Keller des Atomkraftwerks fließt. Sie soll in mehreren Schritten errichtet werden und im März 2015 fertig sein.

Außerdem plant die japanische Regierung die Kapazitäten der Wasseraufbereitungsanlage zu erhöhen. Diese kann derzeit nur circa 750 Tonnen pro Tag aufbereiten. Das Teilsystem, mit dem Strontium und andere radioaktive Elemente aus dem Wasser entfernt werden, wurde im Juni wegen Rost abgeschaltet.

Am Dienstag erstatteten die Bewohner von Fukushima Anzeige gegen 32 aktuelle und ehemalige Tepco-Manager, darunter Präsident Naomi Hirose. Sie sagen, dass der Austritt von verstrahltem Wasser auf ein Versagen des Konzerns zurückzuführen ist. Gegenmaßnahmen seien verzögert worden, weil der Konzern bis zuletzt noch Kosten sparen wollte.

Noch immer ist nur ein einziges der 50 japanischen Atomkraftwerke in Betrieb. Die anderen sind seit März 2011 für Sicherheitstests heruntergefahren worden. Damals lösten ein Erdbeben und Tsunami eine Kernschmelze im Atomkraftwerk in Fukushima aus.

Im Kraftwerk in Fukushima werden derzeit 338.000 Tonnen verstrahltes Wasser in mehr als 1.000 Tanks gelagert. Hinzu kommt unbehandeltes Wasser, das sich noch in den Kellern und Tunneln befindet. Diese Menge Wasser entspricht der Ladung eines sehr großen Öltankers oder 132 Olympischen Schwimmbecken.

Jeden Tag erhöht sich die Menge des kontaminierten Wassers um 400 Tonnen, da Grundwasser in die Keller fließt und sich mit dem Kühlwasser mischt, das Kontakt mit hochradioaktiven geschmolzenen Reaktorkernen hatte. Bereits im August sagte Abe, dass Tepco nicht in der Lage sei, die Katastrophe aufzuräumen (mehr hier).

Japanische Designer haben eine interaktive Karte entwickelt, die das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigt. Die Werte werden ständig aktualisiert.

Die Werte vermitteln dem Betrachter das Gefühl: Dieses Fiasko wird ewig währen.

Und niemand weiß, wie er sich schützen soll.


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