Fed-Zinsen: Obama gewährt der Türkei heimlichen Bail-Out

Die Entscheidung der Fed, weiter billiges Geld in die globalen Märkte zu pumpen, sieht die Türkei als großen Gewinner. Trotz steigender Inflation gewinnt Premier Erdogan Zeit. Die kann er nutzen, um sich weiter als treuer Verbündeter von US-Präsident Obama gegen Syrien zu profilieren.

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Vom Beschluss der US-Notenbank Fed, weiter unbegrenzt Geld zu drucken (hier), profitiert ein treuer Verbündeter der Amerikaner: Die Türkei. Die Fortführung der Billiggeld-Strategie der Fed hat den Aktienindex der Istanbuler Börse (BIST 100) beflügelt. Der stieg um 6,44 Prozent und schloss den Tag mit 79.466 Punkten ab. Damit erreichte sie ihren höchsten Stand seit drei Monaten.

Damit ist die Türkei vorläufig gerettet. Es werden weiterhin billige Dollar-Kredite verfügbar sein, die in vergleichsweise riskante Anlagemöglichkeiten in der Türkei investiert werden können.

Doch Banu Kıvcı Tokalı von der Halk Yatırım Bank sagt der Hürriyet, dass der aktuelle Optimismus abhängig sei von der Entwicklung der Inflationsrate im Land. Während der Konsumenten-Preisindex im August 8,17 Prozent betrug, wies der Erzeuger-Preisindex 0,4 Prozent auf.

Im Zwölfmonats-Vergleich stiegen die August-Preise für Alkohol- und Zigaretten um 16,01 Prozent. Bei Nahrungsmitteln war ein Anstieg um 10,25 Prozent zu beobachten, berichtet das Türkische Statistikamt (TÜIK).

Die Arbeitslosenquote liegt offiziell bei 9,88 Prozent. Doch Langzeitarbeitslose ohne Aussicht auf eine Anstellung fließen nicht in die Arbeitslosenstatistik ein. Die eigentliche Arbeitslosenquote liegt bei 15,3 Prozent, berichtet die Zeitung Dünya Gazetesi.

Auch das große Leistungsbilanz-Defizit der Türkei stellt ein Problem dar. Einen großen Anteil am Defizit hat die Energieimport-Abhängigkeit des Landes. Das kann nur mit Auslandskapital geschlossen werden. Die türkische Zentralbank muss in diesem Zusammenhang den Leitzins erhöhen.

Ein sehr angenehmer Nebeneffekt für Barack Obama ist jedoch, dass sich mit der Türkei einer der wenigen Kriegs-Verbündeten gegen Syrien über eine Verschnaufpause freuen darf. Denn ähnlich wie die USA (hier) kann sich auch die Türkei eigentlich keinen Krieg mehr leisten. Dennoch gehörte die Türkei unter Recep Tayyip Erdogan zu den entschlossensten Befürwortern eines Militärschlags – vor allem, weil sie handfeste regional-politische Interessen verfolgt (hier).

Das billige Zentralbank-Geld, das jetzt wieder um den Globus gejagt wird, hilft den Türken jedoch.

Damit sie am Ende auch bei einer kriegerischen Auseinandersetzung an der Seite der Amerikaner stehen kann.

Wenn es gegen Al Qaida geht.

Oder für Al Qaida.

So ganz genau möchte das ohnehin keiner mehr wissen.

Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen der Türkei liegen aktuell bei 8,9 Prozent. (Grafik: investing.com)

Die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen der Türkei liegen aktuell bei 8,9 Prozent. (Grafik: investing.com)

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