US-Haushalts-Defizit: Die 16 Billionen Dollar Schulden-Bombe

Einigen sich die Demokraten und Republikaner nicht auf die Anhebung der Schuldenobergrenze, kann dies weltweit zu Schwierigkeiten führen. Die US-Schulden betragen mehr als 16 Billionen Dollar. Etwa die Hälfte wird von ausländischen Regierungen und Zentralbanken gehalten. Diese wären von einer Pleite genauso betroffen wie die Finanzmärkte und Banken. Großinvestor Warren Buffett spricht von einer „nuklearen Bombe“.

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Die Lehman-Pleite von 2008 wird gern als Beispiel dafür herangezogen, was passiert, wenn ein weltweit vernetzter Marktteilnehmer unkontrolliert Pleite geht. Lehman Brothers hatte einen Marktwert von 517 Milliarden Euro, als sich die USA entschieden, der Bank nicht zu helfen. Die weltweiten Folgen waren immens. Doch sollte man sich nicht auf die Anhebung der Schuldenobergrenze einigen, würde eine Pleite der USA noch viel verheerender sein.

Am 17. Oktober muss das US-Finanzministerium auslaufende kurzfristige Anleihen im Wert von 120 Milliarden Dollar refinanzieren. Zusätzlich dazu werden am 24. Oktober noch einmal Rechnungen in Höhe von 93 Milliarden Dollar fällig und außerdem müssen weitere 150 Milliarden Dollar bis Ende des Monats zurückgezahlt werden. Unabhängig von den laufenden Kosten für die Verwaltungen in den USA muss die US-Regierung in der Zeit vom 17. Oktober bis 7. November 417 Milliarden Euro bezahlen.

Die Schulden  der USA belaufen sich derzeit auf 16,5 Billionen US-Dollar – das ist über 30 Mal so viel wie der Marktwert, den Lehman kurz vor der Pleite erreicht hatte. Sollten die USA tatsächlich im Oktober pleitegehen, wäre das eine Katastrophe, warnte unlängst Lloyd C. Blankfein von Goldman Sachs. Großinvestor Warren Buffet sprach von einer möglichen nuklearen Bombe, die zu erwarten wäre. „Einfach zu furchtbar, um sie hochgehen zu lassen“, sagte er in einem Interview mit dem Magazin Fortune.

Viele Länder weltweit wären von einer derartigen Pleite direkt betroffen. Nicht zuletzt, weil in etwa die Hälfte der US-Schulden in Form von Staatsanleihen von ausländischen Regierungen, Zentralbanken und anderen ausländischen Investoren gehalten wird. „Ein Zahlungsausfall würde diese Bestände und den Dollar als Weltwährung massiv infrage stellen“, warnt Simon Johnson, der ehemalige Chefökonom des IWF. Allein China sitzt auf US-Schulden im Wert von 1,3 Billionen Dollar.

China sei „natürlich besorgt über die Entwicklungen im Haushaltsstreit“, sagte der chinesische Vize-Finanzminister, Zhu Guangyao, am Montag. Die USA sollten ernsthaft Schritte einleiten, um das Problem zu lösen. China und die USA seien untrennbar, zitiert die BBC Guangyao. „Wir hoffen, die USA verstehen wirklich die Dinge, die uns die Geschichte lehrt“, sagte er mit Bezug auf einen ähnlichen Stillstand 2011, der zum Downgrade der USA führte.

Doch nicht nur bezüglich der ausländischen Kreditgeber wie China stehen massive Probleme im Raum, sollte man sich nicht auf die Anhebung der Schuldenobergrenze einigen. In den fünf Monaten nach der Lehman-Pleite verlor der US-Aktienmarkt fast die Hälfte seines Wertes. International verloren die Aktienmärkte sogar sechs Billionen Dollar an Wert. „Aber Lehman war ein isoliertes Unternehmen und jetzt sprechen wir von der US-Regierung“, zitiert Bloomberg Tim Bitsberger, einen ehemaligen Beamten des Finanzministeriums zu Bushs Zeiten.

Nach Lehman pumpte die US-Regierung zudem etwa 300 Milliarden Dollar in die Banken und die Fed schwemmte das Finanzsystem mit 3 Billionen Dollar. Doch im Falle einer Pleite der USA hätte die Regierung theoretisch nicht einmal das Geld, um die Banken in Folge der Turbulenzen an den Finanzmärkten zu stützen.

Am Repomarkt beispielsweise sind die amerikanischen Staatsanleihen wichtig. Mindestens Anleihen im Wert von 2,8 Billionen Dollar sind hier der Fed zufolge als Sicherheit hinterlegt worden. Eine Pleite könnte den Markt vollständig zum Erliegen bringen.  Aktienmärkte weltweit sitzen Bloomberg zufolge auf einem fünf Milliarden Dollar Verleihsystem für Investoren, die sich auf Staatsanleihen stützen.


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