Biotreibstoff: Stroh als neuer Energie-Träger

Aus Abfallprodukten wird immer häufiger Biosprit gewonnen. Im Fokus stehen CO2-Reduzierung und Umweltschutz. Doch noch ist die Herstellung teurer als der Gewinn. Kritiker befürchten, dass durch das Abernten des Strohs die Felder weniger fruchtbar werden.

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Aus Stroh wird Sprit. Keine Zukunftsvision mehr, aber in der Herstellung bislang sehr teuer. (Foto: Flickr/Peter Heilmann)

Aus Stroh wird Sprit. Keine Zukunftsvision mehr, aber in der Herstellung bislang sehr teuer. (Foto: Flickr/Peter Heilmann)

Aus Abfall Geld machen und etwas für die Umwelt tun: Stroh-Ethanol ist einer der neuesten Ansätze in der Biotreibstoff-Produktion. Statt etwas zu verwenden, was auch gegessen werden kann (Mais oder Weizen), liegt der Fokus der Forscher auf Abfallprodukten von Getreide.

Man nehme Mais- und Weizenstroh, also die nach der Ernte übriggebliebenen Pflanzenteile. Die Zellulose des Strohs wird zuerst in Traubenzucker umgewandelt, dieser von Hefen vergoren und so zu tankbarem Alkohol gemacht, berichtet die österreichische Tageszeitung Standard.

Die Idee ist nicht neu, die Technik wird allerdings deutlich effektiver und günstiger als noch vor einigen Jahren. Forscher auf der ganzen Welt führen ähnliche Studien mit Kuhmist (Biogas), Algen (Biodiesel) und altem Speiseöl durch.

Bis zum Jahr 2050 soll Biosprit mehr als ein Viertel des weltweiten Treibstoffbedarfs decken, vermutet die International Energy Agency (IEA). So sollen 21 Gigatonnen CO2 eingespart werden. Stroh-Ethanol wird bereits in den USA (Maisstroh), Brasilien (Zuckerrohrstroh) oder Italien (Schilf) erzeugt, allerdings gibt es noch keine Anlagen für eine flächendeckende Versorgung.

Das Problem sind die hohen Nebenkosten der Ethanol-Erzeugung. Ein Liter Normalbenzin kostet in Rotterdam rund 50 Cent, ein Liter Stroh-Ethanol 75 Cent. Die Herstellung kostet mehr Energie, als der Treibstoff liefert. Bei Algen liegt die Quote bei 5:1.

Das Positive an der Abfallverwertung von Stroh ist, dass weder Nahrungsmittel verwendet werden, noch dass dafür Regenwald abgeholzt werden muss. Je nach Staat werden Pflanzenabfallprodukte genutzt, die vor Ort angebaut werden – und somit im Überfluss vorhanden sind. Die österreichischen Forscher des Stroh-Ethanol-Sprits rechnen vor, dass die Hälfte des im Land vorhandenen Strohs reichen würde, um ganz Österreich mit E10-Treibstoff zu versorgen.

Kritiker argumentieren, dass durch die Biotreibstoffproduktion die Fruchtbarkeit des Bodens leiden würde. Weil das Stroh nicht mehr auf den Feldern verrotten könne, werde dem Boden so Kohlenstoff vorenthalten. Früher wurde es geerntet, an Tiere verfüttert und mit Mist angereichert wieder auf die Felder gebracht. Die Mikroorganismen im Mist sorgten dafür, dass beim Kompostieren der Boden gedüngt wurde.

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