Billiges Geld: EZB könnte Leitzins auf Null senken

Die Notenbank hatte den Leitzins diese Woche bereits von 0,5 auf 0,25 gesenkt. Nun sagt EZB-Direktor Coeure, man könnte die Zinsen noch weiter senken. Kritiker warnen vor Blasenbildungen und dem Ausbau der Staatsverschuldung.

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Der überraschenden Zinssenkung der EZB vom Donnerstag könnte nach den Worten des EZB-Direktors Benoit Coeure eine weitere folgen. Kritiker warnen vor Blasenbildung und dem Anreiz zum Ausbau der Staatsverschuldung.

„Wenn nötig, können wir die Zinsen noch weiter senken“, sagte Coeure am Samstag dem Sender France Inter. Die Notenbank könne das Finanzsystem der Eurozone weiter mit Liquidität versorgen, damit sichergestellt sei, dass es keine Probleme bei der Refinanzierung gebe. „All das ist möglich“ sagte Coeure. „Am wichtigsten ist aber, dass die Banken die niedrigeren Refinanzierungskosten an die Wirtschaft weitergeben.“

Die EZB hatte in dieser Woche Leitzins von ohnehin schon niedrigen 0,5 auf 0,25 Prozent gesenkt (mehr hier). EZB-Chef Mario Draghi hatte zudem durchblicken lassen, dass die Notenbank noch weiter an der Zinsschraube drehen könnte: „Wir haben die Null-Linie noch nicht erreicht. Wir könnten vom Prinzip her noch weitergehen.“

Kritiker der Leitzins-Senkung monieren, es sei ohnehin schon zu viel Liquidität in den Kapitalmärkten. In Deutschland etwa steige das Risiko, dass wegen der durch die niedrigen Zinsen günstigen Kredite die Preise für Immobilien über ein gesundes Maß hinaus steigen würden.

Auch der Kauf von Aktien auf Pump werde günstiger und eine dadurch steigende Nachfrage könne die Aktienkurse ebenfalls auf eigentlich nicht gerechtfertigte Höhen treiben.

Der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat scharfe Kritik an EZB-Chef Mario Draghi geübt. „Draghi missbraucht das Euro-System, indem er den Südländern Billig-Kredite gibt, die sie am Kapitalmarkt so nicht bekommen würden“, sagte Sinn der Bild-Zeitung laut einem Vorabbericht vom Samstag.

Draghi solle sich aus Dingen heraushalten die ihn nichts angingen. „Die Rettung der Krisenländer ist nicht Aufgabe der EZB, sondern des dafür vorgesehenen Rettungsschirmes“, wird Sinn zitiert. Mittlerweile seien fünf Jahre verstrichen ohne, dass sich die Wettbewerbsfähigkeit in den Krisen-Staaten nennenswert verbessert habe. „Damit die Euro-Krisenländer mehr sparen und dringend überfällige Reformen umsetzen, brauchen sie höhere Zinsen, die ihrem höheren Konkursrisiko angemessen sind, nicht niedrigere Zinsen“, sagte er.

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