Erdoğans Endspiel: Türkische Lira fällt dramatisch

Die Säuberungen des türkischen Premiers Erdoğan zeigen erste Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes: Die Lira fällt, internationale Investoren sind verunsichert. Ein Kollaps der Wirtschaft würde das Ende der Ära Erdoğan bedeuten.

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Die Türkische Lira näherte sich nach einem Tiefschlag am Freitag, nun auch am Montag einem Allzeittief von 2,0983 gegenüber dem US-Dollar. Am Montagnachmittag stand die Währung bei 2,09. Nach den schweren Verlusten der vergangenen Woche, fiel zudem der Hauptaktienindex um 2,77 Prozent auf 67.644 Punkte.

Die in der vergangenen Woche gestartete Festnahmewelle hat die türkischen Märkte unmittelbar getroffen. Die türkische Börse brach bereits am Mittwoch ein. Dies rührte im Wesentlichen vom Absturz der staatlichen Halk Bankasi AS von 15 Prozent. Zuvor war der Unternehmensführer der Bank, Suleyman Aslan, verhaftet worden. Der bankenlastige Leitindex an Istanbuls Aktienmarkt ist mittlerweile um sieben Prozent eingebrochen. Der Index notiert damit um neun Prozent tiefer als noch zu Jahresbeginn. Gar 17 Prozent an Wert hat die Türkische Lira seit Anfang 2013 gegenüber dem Euro eingebüßt.

Nun harren die Märkte außerdem der Ankündigung der Zentralbank zur Geld- und Wechselkurspolitik für 2014, die für diesen Dienstag erwartet wird. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Abwertungsdruck auf die türkische Währung

Die US-Notenbank (FED) hatte sich am Mittwoch nach einer zweitägigen Sitzung des Federal Open Market Comittee (FOMC) entschieden, bereits ab Januar ihre milliardenschweren Konjunkturhilfen zu drosseln. Das Ankaufprogramm für Staatsanleihen und Immobilienpapiere werde zunächst um zehn Milliarden auf 75 Milliarden Dollar pro Monat verkleinert. Den Leitzins belässt die Fed bei null bis 0,25 Prozent. „Die Mehrzahl der Marktteilnehmer wurde von dieser Entwicklung überrascht. Man war davon ausgegangen, dass die Fed erst unter der neuen Vorsitzenden Yellen die Anleihekäufe reduzieren würde“, so Wallstreet Online.

Die Türkei ist jeder Verschärfung der Bargeldversorgung geradezu hilflos ausgeliefert. Das Land muss fast seinen gesamten Ölverbrauch importieren. Schon jetzt hat die Türkei eines der weltweit größten Leistungsbilanzdefizite, was sie extrem abhängig von ausländischen Kapitalzuflüssen macht. „Das Hauptproblem (der Zentralbank) wird ihre Strategie gegen Abwertungsdruck auf die Währung sein“, sagt Erkin Işık, Stratege bei TEB BNP Paribas. In der letzten geldpolitischen Sitzung vor den jüngsten innenpolitischen Ereignissen habe man die aktuelle Geldpolitik noch als angemessen erachtet. Bleibe es dabei, könnte das einen weiteren Abwertungsdruck auf die Währung haben.

Marktbeobachter befürchten derzeit eine Ausweitung der Korruptions-Ermittlungen auf weitere Bauunternehmen. Dies hätte negative Auswirkungen auf das Vertrauen der Investoren. Die Baubranche stellt eine der wichtigsten Wirtschaftszweige der Türkei dar. Für diesen bedeutet der Skandal eine zusätzliche Belastung unter der ohnehin schon angespannten Lage auf dem türkischen Binnenmarkt .

 


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