Snowden-Freund Greenwald: „Medien sind loyale Sprecher der Mächtigen“

Der Snowden-Vertraute Glenn Greenwald hat beim Chaos Communication Congress die Medien scharf attackiert: Sie könnten sich nicht vorstellen, von den Mächtigen belogen zu werden – und hätten daher versagt. Die ersten Medien rümpfen die Nase und werfen Greenwald vor, er hätte sich mit den Hackern „gemein gemacht“. Offenbar haben die Hacker die bessere Nase dafür, welches Schiff als nächstes untergeht.

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Fundamentale Medien-Kritik: Der Snowden-Vertraute Glenn Greenwald beim Chaos Communication Congress, den der Chaos Computer Club in Hamburg veranstaltet. (Screenshot: CCC Livestream)

Fundamentale Medien-Kritik: Der Snowden-Vertraute Glenn Greenwald beim Chaos Communication Congress, den der Chaos Computer Club in Hamburg veranstaltet. (Screenshot: CCC Livestream)

Vieles von dem, was Edward Snowden tut, ist rätselhaft (mehr zur Vermutung, die NSA sei mit ihm recht zufrieden – hier; zum PR-Verdacht – hier).

Doch manchmal blitzt gerade bei so schillernden Aktionisten wie jenen vom Snowden-Team eine Wahrheit auf, die ins Schwarze trifft.

Sein journalistischer Arm, Glenn Greenwald, hat in einer Videoschaltung aus Brasilien beim Chaos Communication Congress des CCC in Hamburg die Medien scharf angegriffen.

Er erzählte von einer Begebenheit bei BBC Hard Talk, einer bekannten, scharfsinnigen Interview-Serie. Der Interviewer hätte ihn mit Erstaunen an einer bestimmten Stelle unterbrochen und auf den Vorwurf Greenwalds, dass alle Behörden unverfroren lügen und Journalisten daher grundsätzlich Gegner der Mächtigen sein müssten, entgeistert gesagt: „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass hohe Regierungsbeamte in US und UK die Öffentlichkeit belügen.“

Greenwald nahm diese Aussage zum Anlass, auf einen grundsätzlichen Wahrnehmungsdefekt hinzuweisen. Er sagte, einer der größten Denkfehler von Journalisten sei, dass sie es für unmoralisch halten, an der Wahrheits-Treue von offiziellen Sprechern zu zweifeln.

Er sagte, dass die die Medien ein völlig falsches Selbstverständnis hätten: „Die Rolle der Medien ist es nicht, Gegner der Mächtigen zu sein; sie sind loyale Sprecher der Mächtigen.“

So hätten amerikanische und britische Medien Snowden als Verräter attackiert, doch die Lügen der Offiziellen aus Politik und Geheimdiensten bleiben von den Medien unkommentiert.

Journalismus sei die Kontrolle der Mächtigen, sagte Greenwald.

Das sind schlichte Wahrheiten – die jedoch knapp und klar erklären, warum viele Medien nur noch zur als Lautsprecher von offiziellen Verkündigungen und als billige Vervielfältigungs-Maschinen von autorisierten O-Tönen fungieren.

Die Kritik, von den Hackern in Hamburg sofort verstanden und begeistert akklamiert, stieß einigen Medien gleich sauer auf. Die Zeit erklärte, „Greenwald hat in seiner Rede eine Grenze überschritten, als er ,wir‘ sagte statt ,ihr‘. Er hat sich mit den anwesenden Hackern gemein gemacht, mit den Aktivisten und Bürgerrechtlern. Er sieht sich als einer von ihnen… Das mag in Teilen stimmen, aber es wirkte auch so, als sehe er sich nicht mehr als Teil der Medien, nicht mehr als Journalist.“

Wenn die Aufgabe von Snowden und seinem Team die Diskreditierung der Medien ist – dann kann man nur sagen: Mission accomplished.

Dass die Auftritte von Snowden & Team eine derart große Aufmerksamkeit erhalten, ist auch der müden Angepasstheit vieler Medien geschuldet.

Die Medien haben sich nämlich auch gemein gemacht: Mit den Mächtigen, über die sie kritisch berichten sollen. Für eine Wortspende tun sie alles, für ein irrelevantes, jedoch exklusives Geheimnis sind sie leicht auf Verschwiegenheit in andrer, wichtiger Angelegenheit zu verpflichten. Sie nennen die Dinge nicht beim Namen, weil sie weiter mit denen reden wollen, über die sie eigentlich nur zu berichten brauchen. Sie haben eine Fiktion der „Objektivität“ aufgebaut, die jedoch nichts anderes ist als ein Schleier, hinter dem sich ein bequemes Leben in vorgedachten Gedanken und vorgekauten Phrasen leben lässt.

Greenwalds Medien-Kritik zielt darauf ab, dass Journalismus und Politik zwei unterschiedliche, einander ausschließende Systeme sein sollten.

Sie sind es jedoch nicht.

Kritiker und Kritisierte leben in demselben Etablissement.

Beide wundern sich, völlig perplex, über den Lärm vor der Tür.

Die Türen werden nicht von innen geöffnet werden.


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