Putin jagt Terroristen: Massenverhaftung und Gewalt gegen Unschuldige

Im Zuge einer Großrazzia verhaftete die russische Polizei mehrere 100 Personen in Wolgograd. Die Russen gehen mit äußerster Härte vor und schrecken auch nicht vor Gewalt gegen Unbeteiligte zurück. Vom meistgesuchten Mann Russlands, einem Terror-Anführer, fehlt dagegen jede Spur.

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Russische Sicherheitsbehörden melden die Festnahme von über 700 Verdächtigen in der russischen Provinzstadt Wolgograd. Diese sollen an den Bombenanschlägen der vergangenen Tage beteiligt sein, bei denen 30 Menschen ums Leben kamen.

Die Behörden gehen bei der Suche nach den Tätern offenbar mit äußerster Härte vor – auch wenn sie an unschuldige Verdächtige geraten. Der DLF meldet, dass lokale Menschenrechtsorganisationen von Schlägen gegen unbeteiligte Zivilisten berichten. Die Russen durchkämmen offenbar die Viertel, in denen kaukasische Billigarbeiter leben und versuchen, den Terroristen auf die Spur zu kommen.

Wolgograd gilt als Hauptanlaufpunkt für die Besucher der Olympischen Spiele in Sotschi. Aus diesem Grund vermuten die Sicherheitsbehörden Separatisten aus dem Nordkaukasus als Drahtzieher hinter den Anschlägen. Diese hatten sich in der Vergangenheit als leidenschaftliche Gegner der Olympischen Spiele in Sotschi gezeigt.

Russlands Präsident Wladimir verkündete nach Lagebesprechung mit dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB und dem Innenminister Wladimir Kolokolzew „Maßnahmen, um die Sicherheit im gesamten Territorium der russischen Föderation angesichts der Vorkommnisse hier in Wolgograd zu erhöhen“, so zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Sotschi befindet sich am Rande der Nordkaukasus-Region. Die russischen Nordkausus-Provinzen Dagestan und Tschetschenien stehen seit dem Verfall der Sowjetunion immer wieder im Konflikt mit der Regierung in Moskau. Muslimische Extremisten verfolgen die Agenda einer Abspaltung von Russland. Zuletzt hat der „Emir des Kaukasischen Emirats“, Doku Umarow, im Juli 2013 alle Muslime des Landes zu Terroranschlägen in Sotschi aufgerufen mit dem Ziel, die Olympischen Spiele zu verhindern.

Allerdings wird auch hier Kritik am russischen Apparat laut: Im Innenministerium ist ein eigener Stab eingerichtet worden, der sich mit der Fahndung nach Umarow beschäftigt. Beobachter sind erstaunt, dass die Russen trotz der Fahndungsmöglichkeiten über Internet und Telefon bisher keine Spur von Umarow haben. Das Interesse der Beamten an einer Verhaftung des Staatsfeinds Nummer 1 soll sich in Grenzen halten: Wenn Umarow erst einmal gefasst ist, verlieren die Beamten ihren Job, berichtet der DLF über Einschätzungen in Moskau.

Währenddessen bekommt Russland Hilfe von unerwarteter Seite zugesprochen. Das US-Verteidigungsministerium bietet der russischen Regierung „vollständigen Rückhalt bei den Sicherheitsmaßnahmen für die Olympischen Spiele in Sotschi an“, so zitiert CNN die Sprecherin des National Security Council, Caitlin Hayen, in einer Pressemitteilung vom vergangenen Montag. „Wir begrüßen jede Möglichkeit zu einer engeren Kooperation mit der Russischen Regierung zum Wohle der Sicherheit unserer Sportler, Besucher und anderer Teilnehmer“, so Hayden. Bereits am Mittwoch hatte die Amerikaner ihre Unterstützung angekündigt (mehr hier).

Der Politikwissenschaftler Pjotr Fedossow erwartet allerdings, dass die Sicherheit in Sotschi weitgehend gewährleistet sein dürfte. Er sagte dem DLF: „In Sotschi werden außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen getroffen, was man über Wolgograd nicht sagen kann. Vielmehr ist die Gefahr, dass die Terroristen woanders zuschlagen werden als in Sotschi.“

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