Berlin: Demonstranten erzwingen Abbruch von Sarrazin-Lesung

Im Berliner Ensemble haben etwa 100 Demonstranten eine Lesung von Thilo Sarrazin gestört und deren Abbruch erzwungen. Das Theater weigerte sich, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen und gab dem Druck der Demonstranten nach.

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Im Theater, das von Bert Brecht gegründet wurde und heute von Claus Peymann geleitet wird, ist es am Sonntag zu einem Eklat gekommen. Etwa hundert Demonstranten hatten eine Lesung mit Thilo Sarrazin gestürmt, der aus seinem Buch „Der neue Tugendterror“ lesen wollte. Die Demonstranten hielten Schilder in die Höhe, auf denen stand „Wir sind die Gemüsehändler“, „Wir sind Gebärmaschinen“, „Wir sind die Kopftuchmädchen“. Sarrazin sei schuld an den Brandanschlägen von Solingen und Mölln (die geschahen allerdings zu einer Zeit, da war Sarrazin noch Finanzsenator in Berlin).

Nachdem die Demonstranten zunächst nur vor dem Theater aufmarschiert waren, gelang es einer kleinen Gruppe, sich Zugang zum Foyer zu verschaffen. Sie beschimpften Sarrazin und wurden ihrerseits beschimpft.

Die Theaterleitung versuchte, die Lage zu deeskalieren und erteilte einer Demonstrantin Rederecht. Nachdem diese Maßnahme die Demonstranten nicht dazu bewegen konnte, die Lesung zu verlassen, unterbrach der Veranstalter die Lesung. Doch es kam zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Besuchern, in die auch Moderator Meyer verwickelt war.

Schließlich entscheid das BE, die Veranstaltung abzubrechen: „Wir beugen uns dem Meinungsterror der Demonstranten“, sagte Jutta Ferbers vom BE. Man habe nicht vom Hausrecht Gebrauch machen wollen und die Störer durch die Polizei entfernen lassen. Ferbres sagte: „Wir wollen aber nicht, dass irgendein Mensch mit Polizeigewalt aus dem Berliner Ensemble geschafft wird.“

Sarrazin nahm das Geschehen auf dem Podium regungslos zur Kenntnis.

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