Nach Tod eines Jungen: Ausschreitungen in der Türkei

In Ankara und Istanbul ist es am Dienstag zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Auslöser war der Tod eines bei den Gezi Park-Protesten verletzten Jungen. Für Mittwoch sind im ganzen Land Massendemonstrationen geplant.

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In der Türkei ist es am Dienstag zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. In den beiden größten Städten des Landes, in Ankara und Istanbul, gingen Tausende auf die Straße. Wie hier in Ankara setzte die Polizei auch Wasserwerfer und Tränengas ein. In Sprechchören nannten die Demonstranten die Regierung von Ministerpräsident Erdogan korrupt und riefen sie zum Rücktritt auf.

Zuvor war ein 15-jähriger Türke nach neun Monaten im Koma seinen Kopfverletzungen erlegen, die er im vergangenen Sommer bei Protesten gegen die Regierung erlitten hatte. Berkin Elvan war 14 Jahre als, als er am 16. Juni bei einer Straßenschlacht von Polizei und Regierungsgegnern zwischen die Fronten geriet. Er hatte nur Brot für seine Familie kaufen wollen. Vermutlich traf den Jungen eine Tränengasgranate der Polizei am Kopf. Er fiel ins Koma. Kein Polizist wurde im Zusammenhang mit dem Vorfall angeklagt. Kritiker Erdogans hielten regelmäßig Mahnwachen vor dem Istanbuler Krankenhaus, in dem Berkin Elvan um sein Leben kämpfte.

Diesen Kampf hat der Junge am Dienstag verloren.

Der türkische Staatspräsident Gül setzte in Ankara auf Deeskalation: „Ich drücke der Familie des Verstorbenen mein Beileid aus und teile ihren Schmerz. Ich unterstreiche, dass alle sehr vorsichtig sein müssen, damit sich kein neuerlicher Vorfall ereignet und kein neuer Schmerz entsteht.“

Auch in Istanbul schoss die Polizei mit Wasserwerfern und Gummigeschossen auf die Demonstranten. Berkin Elvan ist das sechste Todesopfer der landesweiten Proteste im Mai und Juni vergangenen Jahres. Die hatten sich an Erdogans Plänen für den Bau eines Einkaufszentrums auf dem Gelände des Gezi-Parkes in Istanbul entzündet. Der türkische Ministerpräsident steht zudem wegen eines Bestechungsskandals in der Kritik. Auch als Reaktion darauf kündigte Erdogan unter anderem striktere Gesetze zur Kontrolle des Internets an.

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