New York Times: Rebellen in der Ost-Ukraine kämpfen auf eigene Faust

Ein Bericht der New York Times widerlegt Darstellungen der Regierung in Kiew und der EU, wonach Russland die Rebellen in der Ost-Ukraine lenkt. Tatsächlich seien die Aufständischen in Donezk auf sich allein gestellt. Unterstützung erhielten sie lediglich von den Bürgern vor Ort. Sie wollen ihre Heimat vor der Übernahme durch die neue Führung in Kiew schützen.

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Anders als von Kiew behauptet sind die pro-russischen Separatisten in der Ost-Ukraine offenbar keine von Russland eingeschleusten Agenten. Es sind Ukrainer, die sich gegen die Übernahme ihres Landes durch die Kiewer Führung zur Wehr setzen.

Die 12. Kompanie ist Teil der Volksmiliz der Volksrepublik Donezk. Ihr Anführer Juri und seine meist maskierten Leute haben seit Anfang April mehrere Regierungsgebäude in der Ost-Ukraine übernommen. Bis zum Freitag hielten sie eine Gruppe von EU-Militärbeobachtern fest, denen sie vorwarfen, Nato-Spione zu sein.

Westliche Politiker und Militärs sowie die in Kiewer Putschisten haben immer wieder behauptet, dass die Kämpfer von Russen geführt, organisiert und ausgerüstet werden. Doch laut einem Bericht der New York Times sind die Rebellen der 12. Kompanie Ukrainer.

Die ukrainischen Rebellen haben wie viele Ost-Ukrainer zum Teil enge Verbindungen zu Russland. Einige haben Familie auf der russischen Seite der Grenze. Rebellen-Führer Juri ist zudem ein Veteran der Spezialkräfte der früheren Sowjetarmee mit Einsatz-Erfahrungen in Afghanistan. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion startete er ein kleines Bau-Unternehmen.

Die ukrainischen Rebellen verwenden die russische Flagge. Sie sind sich einig in ihrem tiefen Misstrauen und ihrer Abscheu gegenüber den Putschisten in Kiew und gegenüber den West-Mächten, welche Kiew unterstützen.

Doch in ihren Ziel-Vorstellungen unterscheiden sich die Rebellen. Einige wollen, dass die Macht innerhalb der Ukraine mehr auf die einzelnen Regionen verteilt werden soll. Andere wollen die Ost-Ukraine an Russland anschließen. Uneinigkeit herrscht auch darüber, wo die Grenze einer geteilten Ukraine liegen soll.

Wir haben keine Russen hier, ich habe selbst genug Erfahrung“, sagt Juri, der in den 80er Jahren Kommandeur einer kleinen Einheit der Sowjetarmee im afghanischen Kandahar war. Jetzt führt er 119 Kämpfer in der Ost-Ukraine, die zwischen 20 und 50 Jahre alt sind. Alle haben Erfahrung in der sowjetischen oder ukrainischen Armee.

Die 12. Kompanie kämpft in vorderster Front gegen die Kiewer Truppen. Die Kämpfer tragen Masken auf ihren Patrouillen durch die Stadt. Sie sind diszipliniert und sauber, und sie trinken keinen Alkohol. Sie verfügen nach eigenen Angaben über ein dichtes Netz an Informanten, die sie früh vor Aktionen des ukrainischen Militärs warnen können.

Die Rebellen sagen, dass sie meist gute Beziehungen zur lokalen Polizei haben. Diese hat wenig getan, um die Rebellen zu stoppen. Viele Polizisten akzeptieren die Herrschaft der Rebellen, während sie weiter den Straßenverkehr regeln oder Unfälle untersuchen.

Die Rebellen bestreiten, von Russland oder von Oligarchen bezahlt zu werden. „Das ist hier kein Job, das ist ein Dienst“, sagte einer. Zudem hätten sie bessere und neuere Waffen, wenn Russland helfen würde. Doch in Wirklichkeit haben sie vor allem alte Gewehre. Während der Kämpfe am Freitag trugen zwei Rebellen Jagd-Flinten. Die schwerste sichtbare Waffe war eine einzige Panzerfaust.

Die Rebellen sagen, ihre Waffen stammen entweder aus eroberten Polizeigebäuden und ukrainischen Militär-Beständen. Oder sie seien von korrupten ukrainischen Soldaten gekauft. Die Reporter der New York Times fanden offenbar keine Waffen, die von Russland geschickt sein könnten.

Die Bewohner der Ost-Ukraine unterstützen die Rebellen nicht nur mit Geld, sondern auch mit selbstgemachtem Essen. Zudem haben sie der 12. Kompanie beim Bau von Barrikaden und einem Bunker geholfen. „Für die Leute in Kiew sind wir Separatisten und Terroristen, aber für das Volk hier sind wir Verteidiger und Schützer“, sagte einer der Rebellen.

Wie auch immer die Situation in der Ost-Ukraine sich entwickelt, die Führung in Kiew müsse eine Volksabstimmung über die Zukunft zulassen, so Rebellen-Führer Juri. Sonst gebe es einen Bürgerkrieg. „Entweder ein Meer aus Blut und Leichen oder ein Referendum, es gibt keinen dritten Weg.“

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