Eklat: Erdoğan verlässt tobend Veranstaltung der Anwalts-Kammer

In der Türkei bahnt sich ein neuer Machtkampf an. Ein Rechtsprofessor hat die AKP-Regierung auf einer Veranstaltung scharf kritisiert. Doch auch Premier Erdoğan war anwesend. Der wollte die Kritik nicht auf sich sitzen lassen und konterte. Es kam zum Eklat.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic

Der türkische Regierungschef Tayyip Erdogan hat bei einer Festveranstaltung der Anwaltskammer vor laufenden Kameras für einen Eklat gesorgt. Erdogan unterbrach am Samstag mehrfach eine Rede des Vorsitzenden der Kammerorganisation, Metin Feyzioglu, und verließ schließlich vorzeitig die Veranstaltung in Ankara.

Zuvor hatte Feyzioglu Kritik am Vorgehen der Regierung bei der Bewältigung der Folgen des Erdbebens 2011 in der südöstlichen Provinz Van geübt. „Sie sprechen die Unwahrheit, wie können sie so unverschämt sein“, warf ihm der in der ersten Reihe sitzende Erdogan wütend gestikulierend vor.

Der neben Erdogan sitzende Staatspräsident Abdullah Gül bemühte sich in der vom türkischen Fernsehen übertragenen Feier vergeblich, Erdogan zu beruhigen. Erdogan warf Feyzioglu auch vor, mit seiner einstündigen Rede gegen das Protokoll zu verstoßen.

Feyzioglu hatte in der Vergangenheit die Verfolgung politischer Gegner des Ministerpräsidenten kritisiert. Auch Bundespräsident Joachim Gauck hatte kürzlich bei einem Türkei-Besuch den Zorn Erdogans auf sich gezogen, nachdem er gemahnt hatte, den Rechtsstaat zu bewahren. Erdogan hatte dies als Einmischung in die inneren Angelegenheiten zurückgewiesen.

Der islamisch-konservative Politiker hat in einem Machtkampf mit seinem in den USA lebenden Rivalen, dem Geistlichen Fetullah Gülen, Tausende Polizisten und Juristen entlassen. Er wirft Gülen vor, seinen Einfluss bei Polizei und Justiz dazu zu nutzen, den seit längerem schwelenden Korruptionsskandal gegen die Regierung zu inszenieren.

*** Für PR, Gefälligkeitsartikel oder politische Hofberichterstattung stehen die DWN nicht zur Verfügung: Unsere Prinzipien: Kritische Distanz zu allen und klare Worte. Das gefällt natürlich vielen nicht: Der Bundesregierung, den EU-Behörden, den Netzwerken der Parteien, den Lobbyisten, Medien unter staatlicher Aufsicht, verschiedenen Agitatoren aus dem In- und Ausland. Diese Player behindern uns nach Kräften und attackieren unser Geschäftsmodell.

Daher bitten wir Sie, liebe Leserin und Leser, um Ihre Unterstützung: Sichern Sie die Existenz der DWN!

Hier können Sie sich für einen kostenlosen Gratismonat registrieren. Wenn dieser abgelaufen ist, erhalten Sie automatisch eine Nachricht und können dann das Abo auswählen, das am besten Ihren Bedürfnissen entspricht. Einen Überblick über die verfügbaren Abonnements bekommen Sie hier. ***


media-fastclick media-fastclick