Russland und der Iran kooperieren im Weltraum

Russland und der Iran sollen ein geheimes Abkommen über eine Kooperation in Weltraumfragen geschlossen haben. Die Zusammenarbeit umfasse alle Facetten von der Ausbildung iranischer Kosmonauten in Russland bis zur Entwicklung von Telekommunikations-Satelliten für den Iran.

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Der angebliche Deal zwischen Russland und dem Iran soll durch die Sanktionen des Westens gegen Russland im Zuge der Ukraine-Krise befeuert worden sein. Von offizieller Seite bestätigt ist bisher allerdings nichts.

„Ein Protokoll über die Zusammenarbeit wurde am 10. April nach der fünften Sitzung der russisch-iranischen Arbeitsgruppe für Zusammenarbeit im Weltraum in Teheran unterzeichnet“, zitiert Russia Today einen Informanten aus der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, der sich gegenüber der russischen Zeitung Iswestija geäußert haben soll.

Von größtem Interesse für Teheran dürfte vor allem ein mögliches Abkommen über Satelliten sein. Demnach soll Russland dem Iran Aufnahmen der Erde zur Verfügung stellen, die mit den Resurs-DK und Resurs-P-Satelliten erstellt wurden. Diese schaffen Fotos mit einer Auflösung von bis zu 70 cm pro Pixel. Der Iran wiederum wolle eigene Kommunikationsstationen errichten, um Informationen von den russischen Satelliten erhalten zu können. „Russland hat dem Iran versichert, dass es kein unüberwindliches Hindernis für die Lieferung von Empfangsstationen oder Satelliten-Informationen von russischen Erdbeobachtungssatelliten zu Kommunikationszentren, die im Ausland liegen, gibt“, heißt es im angeblichen Protokoll. Moskau könne im Rahmen eines Vertrags mit dem Iran weitere Aufklärungssatelliten bauen und starten. Ein weiterer Vertrag mit dem Iran könnte über einen Telekommunikationssatelliten ausgehandelt werden. Schließlich könnte Russland dem Iran auch in Sachen Knowhow unter die Arme greifen. „Die iranische Seite bereitet eine Anfrage für die Ausbildung von Kosmonauten vor auf das die russische Seite binnen eines Monats mit einem Angebot antworten wird“, heißt es weiter.

Ironischerweise, so das Blatt, würde Russland das Weltraum-Training der Iraner genau dort abhalten, wo sich auch die NASA-Astronauten befinden, bevor sie zur ISS reisen. Iraner und Amerikaner hätten somit den gleichen Zugang zu sensiblen Informationen. Allein das könnte zu einer sicherheitstechnischen Herausforderung werden.

Der vermeintliche Deal mit dem Iran kommt obendrein zu einem äußerst sensiblen Zeitpunkt. Aufgrund der Krim-Krise hat die NASA ihren Kontakt zu Russland weitestgehend abgebrochen. Als Grund nannte die zivile US-Bundesbehörde für Luft- und Raumfahrt die anhaltenden Verletzungen der Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine. Ausgenommen sind jedoch die laufenden Aktivitäten auf der Internationalen Raumstation (ISS). Gleiches gilt für „multilaterale Treffen, die außerhalb von Russland und unter russischer Beteiligung stattfinden“.

Zuletzt drohte der russische Vizepremier Dmitrij Rogozin damit, dass die jüngsten Sanktionen des Westens auch die US-Amerikaner auf der ISS betreffen könnten. Nach Ansicht des russischen Politikers schneiden sie sich nun mit der Lieferbeschränkung auf Hightech-Waren, die auch für militärische Zwecke verwendet werden können, ins eigene Fleisch und gefährden damit ihre Leute auf der ISS.

Für die USA, die derzeit über kein eigenes Shuttle-Programm verfügen, ist die Kooperation mit den Russen die einzige Möglichkeit, in den Weltraum zu gelangen. Erst im April  2013 unterzeichnete die NASA ein neues Abkommen mit Russland über sechs weitere Flüge bis 2017. Das ganze Vorhaben erfolgt zu einem Preis von 70,7 Millionen Dollar pro Sitzplatz.

Parallel versucht die USA jedoch weiterhin, wieder ein eigenes bemanntes Raumfahrtprogramm auf die Beine zu stellen und sich aus der russischen Abhängigkeit zu lösen. Derzeit steht eine Frist von drei Jahren im Raum. Noch in diesem Jahr sollen die entsprechenden amerikanischen Unternehmen ausgewählt werden, die ab 2017 die eigenen Astronauten zur Raumstation befördern werden. Erst vergangene Woche wurden abermals Astronauten ins All befördert.

Ende Juli 2011 ging in den USA die Space-Shuttle-Ära zu Ende. Die russischen Sojus-Kapseln sind derzeit das einzige Transportmittel zur Versorgung der ISS. Die US-Space-Shuttles hatten 135 Missionen in 30 Jahren absolviert.

Gespräche über den Ausbau der russisch-iranischen Kooperation im Weltall wurden seit Mitte der 2000er-Jahre geführt, so Ria Novosti. „Erderkundungssysteme sind Doppelfunktionssysteme, und angesichts ihrer aktuellen Sanktionen gegen den Iran werden die Amerikaner darauf zweifellos reagieren“, zitiert das Blatt den russischen Raumfahrtexperten Iwan Moissejew. Moskau könnte ihm zufolge seine seine Zusammenarbeit mit den Iranern als eine Art Trumpf im Handel mit Washington nutzen. „In den frühen 1990er-Jahren haben wir auf die Übergabe unserer Raketenbautechnologien an Indien verzichtet und haben stattdessen ein Raketentriebwerk für dieses Land gebaut und seine Fachkräfte ausgebildet. Die Amerikaner haben danach zugestimmt, dass ihre Satelliten von russischen Weltraumbahnhöfen gestartet werden, und unsere Proton-Trägerraketen sind jetzt am gefragtesten.“

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