Stuttgart: Steuerzahler muss städtisches Weingut subventionieren

Die Stadt Stuttgart bewirtschaftet ein kommunales Weingut. Doch die Weinberge der Landeshauptstadt Baden-Württembergs rentieren sich nicht. Der deutsche Steuerzahler muss seit Jahren für den Erhalt des Weinguts einspringen. Die Stadt verteidigt sich mit dem kulturellen Erbe.

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Der deutsche Steuerzahler muss seit Jahren für den Erhalt des Weinguts in Baden-Württemberg einspringen. (Foto: Bernhard Nanz)

Der deutsche Steuerzahler muss seit Jahren für den Erhalt des Weinguts in Baden-Württemberg einspringen. (Foto: Bernhard Nanz)

Die Landeshauptstadt Baden-Württembergs besitzt ein eigenes Weingut mit Weinkeller. Rund 150.000 Euro hat die Modernisierung der Verkaufsstelle von 1886 gekostet. Gewinn hat das Gut bis heute keinen erbracht, allein im Jahr 2012 musste eine halbe Million Euro an Steuergeldern in das Weingut investiert werden. Bis mindestens 2015 wird Stuttgart das Weingut noch subventionieren müssen.

„Aus Sicht der Steuerzahler ist die Unterhaltung des städtischen Weinguts ein Desaster. Um das Defizit des Weinguts langfristig zu senken, ist ein alternatives Betreibermodell die einzig richtige Lösung. Die Weinproduktion ist keine kommunale Aufgabe“, so Karolin Herrmann vom Deutschen Steuerzahlerinstitut.

Einst machten die Einnahmen aus dem Stuttgarter Weinbau den Reichtum der Stadt aus. Heute jedoch lastet das städtische Weingut auf den Schultern der Steuerzahler.

„Dem Doppelhaushaltsplan der Stadt Stuttgart zufolge, hatte das Weingut 2012 einen Nettoressourcenbedarf von 656.461 Euro. Auch in den kommenden Haushaltsjahren 2013, 2014 und 2015 geht die Stadt von einem sechsstelligen Negativergebnis aus. Um es auf den Punkt zu bringen: Das städtische Weingut bleibt mindestens bis zum Jahr 2015 stark zuschussbedürftig. In mehreren Gutachten wird bereits seit Jahren darüber gestritten, ob das städtische Weingut verkauft oder verpachtet werden soll. Bislang hat sich aber nicht viel getan. Das Weingut schreibt tiefrote Zahlen“, so Herrmann.

Der Betriebsleiter des städtischen Weinguts, Bernhard Nanz, sieht die Lage auf Nachfrage der Deutschen Wirtschafts Nachrichten naturgemäß ganz anders. Die Wirtschaftspläne der Jahre 2012 bis 2014 des Stadtweinguts weisen eher eine sinkende Tendenz der Kosten auf, so Nanz.

„Der Zuschuss 2012 ist mit 196.231 €, im Jahr 2013 mit 181.439 € festgestellt und 2014 werden 149.820 € erwartet. Ein Betrag den der Gemeinderat der Stadt für vertretbar hält angesichts der Leistung für Pflege und Erhalt der historischen Mauer-Terrassenweinberge, die in der ganzen Stadt verteilt als kulturelles Erbe zu erhalten sind.“

So sehr wir für das kulturelle Erbe sind: Das Weingut beschäftigt neun Personen und einige Azubis. Allein mit dem Zuschuss könnte man sechs weitere Leute bezahlen.

Alles, was der Staat ausgibt, muss vom Bürger erwirtschaftet werden.

Weingüter gehören in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht zum Kerngeschäft des Staates.

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