Millionen-Verluste: Steuerzahler müssen in Potsdam ein Schmetterlings-Haus finanzieren

Ein städtisches Tropenhaus ist für die hoch verschuldete Stadt Potsdam zur Millionenfalle geworden. Die exotischen Pflanzen und Schmetterlinge ziehen zu wenig Besucher an. Daher will kein privater Investor die Anlage kaufen. Wegen Förderungen in der Höhe von 21,5 Millionen Euro muss die Halle auch bei Erfolglosigkeit weiter betrieben werden.

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Mehr als 20.000 Tropenpflanzen, ein Schmetterlingshaus, eine Unterwasserwelt sowie eine Vielzahl an exotischen Tieren finden sich in der städtischen Biosphäre Potsdam. Diese Artenvielfalt hat ihren Preis. Dem Haushaltsplan der Landeshauptstadt Brandenburgs zufolge werden sich die Schulden der Stadt bis Ende 2014 auf voraussichtlich 103,6 Millionen Euro belaufen. Ein Schuldenabbau wird in den nächsten Jahren nicht erwartet.

„Die Biosphäre Potsdam ist für die brandenburgische Landeshauptstadt zu einer Millionenfalle geworden. Dieses Geld könnte die Stadt Potsdam selbst sehr gut gebrauchen. In den letzten Jahren wurde einiges unternommen, um die Attraktivität der Tropenhalle zu erhöhen – doch mit mäßigem Erfolg. Auch die vielfältigen Sonder- und Erlebnisveranstaltungen haben die Besucherzahlen kaum erhöht. Eine Privatisierung ist nun der letzte Ausweg. Dafür bietet sich entweder der Verkauf oder eine Verpachtung an. Fest steht: Es darf kein weiteres Steuerzahlergeld mehr fließen“, so Karolin Herrmann vom Deutschen Steuerzahlerinstitut.

Trotz Marketingstrategien der Biosphäre wird in dem letzten Beteiligungsbericht der Landeshauptstadt Potsdam ein Verlust der Umsatz- und Besucherzahlen deutlich. So erreichte die optimistische Besucherprognose der Stadt von den erwarteten 320.000 Besuchern im Jahr – zwischen 2007 und 2011 – nicht einmal die Hälfte: knapp 147.000 Besuchern kamen tatsächlich. Die Stadt zog ihre Konsequenzen daraus und sucht bereits seit 2010 erfolglos nach einem privaten Betreiber.

Die Tropenhalle einfach zu schließen, war nicht möglich: „Der frühere Betreiber der Biosphäre hat den Vertrag mit der Landeshauptstadt gekündigt, so dass die Stadt entscheiden musste, ob die Halle geschlossen wird und somit eine Fördermittelrückzahlung in Höhe mehrerer Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt zu erwarten ist oder ob die Halle für eine Übergangszeit selbst betrieben wird. Immerhin hat der Bau der Halle 29 Millionen Euro gekostet, die Fördersumme betrug 21,5 Millionen Euro. Die Förderung ist natürlich an Bedingungen geknüpft, der Förderzeitraum endet Ende 2017 und somit auch die Nutzungsbindung“, so der Sprecher des Oberbürgermeisters von Postdam auf Nachfrage zu den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Seit 2007 besteht zwischen der Landeshauptstadt Potsdam und der Biosphäre Potsdam ein Betreibervertrag, welcher der Biosphäre Potsdam während der Vertragslaufzeit eine Existenz sichert. Im Jahr 2011 beliefen sich diese Zuschläge auf über eine Million Euro. Die Biosphäre Potsdam gehört der stadteigenen ProPotsdam GmbH und wird von der Biosphäre Potsdam GmbH, einem Tochterunternehmen der ProPotsdam betrieben.

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