Politik

Schweiz will Ausländern den Erwerb von Gewerbe-Immobilien verbieten

In der Schweiz steht ein Gesetz vor der Verabschiedung, wonach Ausländer künftig keine Gewerbeliegenschaften in der Schweiz mehr kaufen dürfen. Nach Ansicht der Befürworter treiben sie die Preise in die Höhe. Gegner des Verbots sagen, die neue Regulierung könnte den Schweizer Immobilienmarkt beschädigen.
31.05.2014 02:35
Lesezeit: 2 min

Die Lex Koller beschränkt den Verkauf von Schweizer Boden an Ausländer. Das Gesetz enthält jedoch zwei Ausnahmen, welche die sozialdemokratische Nationalrätin Jacqueline Badran aufheben will. Der Nationalrat hat die von Baldran vorgeschlagenen Gesetzesverschärfungen im Dezember ohne Gegenstimmen angenommen. Doch nun gibt es im Ständerat heftigen Widerstand gegen ihren Vorstoß.

Badran will erreichen, dass Ausländer künftig keine Bürogebäude und Fabrikationsstätten in der Schweiz mehr kaufen dürfen. Damit würde ihrer Ansicht nach ein preistreibender Faktor im Immobilienmarkt ausgeschaltet. Hotels will sie von dieser Regelung ausnehmen. Denn dies sein ein „für inländisches Kapital weitgehend unattraktiven Spezialmarkt“, zitiert sie der Tages-Anzeiger. Nicht betroffen sind zudem Liegenschaften, die von ausländischen Firmen selbst genutzt werden.

Der zweite Vorstoß von Badran sieht vor, dass Ausländer keine Anteile an Immobilienfonds und börsennotierten Immobiliengesellschaften kaufen dürfen. Dahinter stehe ein Grundgedanke der Lex Koller, dass Gewinne aus Boden- und Immobilienbesitz in der Schweiz bleiben sollen. Beide Vorstöße waren schon einmal Teil der Lex Koller. Geschäftsliegenschaften wurden 1997 von den Beschränkungen befreit, börsennotierte Immobilienunternehmen im Jahr 2005.

„Im Gegensatz zu inländischen Investoren sind sie kaum auf eine Rendite angewiesen und bezahlen deshalb überteuerte Preise. Ihr primäres Ziel ist es, ihr Kapital im sicheren Hafen Schweiz zu bunkern“, sagt Badran. Damit konkurrierten sie mit Pensionskassen, Privatleuten und Baugenossenschaften. Sie trieben die Preise in die Höhe, schmälerten die Rendite von hiesigen Anlegern und führten zu einem Abfluss der Gewinne ins Ausland.

Seit einigen Wochen machen die Wirtschaftsverbände Druck gegen die Vorstöße. Economiesuisse, der Hauseigentümerverband, der Schweizerische Pensionskassenverband, der Baumeisterverband, der Schweizerische Gewerbeverband haben verstärkt gegen die Verschärfung der Lex Koller und die Postfächer der Ständeräte mit Stellungnahmen gefüllt.

An der Spitze der Gegner steht Peter Forstmoser, Mitglied des Verwaltungsrats der PSP Swiss Property, einer der führenden Immobiliengesellschaften der Schweiz mit Immobilien im Wert von über 6,4 Milliarden Franken. Die vier größten Aktionäre von PSP sind ausländische Gesellschaften. Sie halten über 25 Prozent.

Forstmoser versammelte 17 Unternehmen aus der Finanz- und Immobilienbranche zur „Allianz Lex Koller bleibt modern“. Dazu gehören neben PSP auch Mobimo und Allreal, die Schwergewichte im Immobilienmarkt. Forstmoser sagt, Badrans Vorstößte würden die Attraktivität des Immobilienmarkts beschädigen, indem sie die Regulierungsdichte erhöhten und die Rechtssicherheit schwächten.

Die Rechtskommission des Ständerats hat beide Vorstöße zur Verschärfung der Lex Koller abgelehnt. Sieben der 13 Kommissionsmitglieder sagten, dass ausländisches Kapital die Marktlage nicht verschärfen, sondern stabilisieren würde . Wenn Ausländer keine Anteile an börsennotierten Immobiliengesellschaften mehr erwerben dürften, hätte dies keinen Einfluss auf die Immobilienpreise. Stattdessen würde ein „Verkaufsdruck auf Anteile an Immobiliengesellschaften“ ausgelöst, was deren Wert senken würde.

Wenn sich auch das Plenum des Ständerats gegen Badrans Vorstoß positioniert, ist dieser erledigt. Wenn der Ständerat zustimmt, muss der Bundesrat eine Gesetzesvorlage ausarbeiten, über welche die Bundesversammlung dann erneut abstimmen kann.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.
E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und erkläre mich einverstanden.
Ich habe die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zeiss: Vom Mikroskop-Pionier zum Hightech-Konzern
28.03.2025

Zeiss prägt die Optikindustrie seit fast zwei Jahrhunderten. Vom ersten Mikroskop bis zur Halbleitertechnik von heute spiegelt die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wirtschaft in schwerer Depression: Arbeitgeber rechnen mit Union und SPD ab!
28.03.2025

Deutschlands Wirtschaft reißt die Geduld mit den Parteichefs der möglichen Schuldenkoalition (so wird die designierte Bundesregierung aus...

DWN
Finanzen
Finanzen Trumps Finanzbombe: Riskanter Masterplan oder globales Chaos?
28.03.2025

Stephen Miran, ehemaliger Berater von Donald Trump, hat einen radikalen Finanzplan vorgelegt, der das Potenzial hat, das globale...

DWN
Politik
Politik Öffentlicher Dienst: Schlichtung mit Kompromissvorschlag - Gestaffelt mehr Lohn und Urlaub
28.03.2025

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst haben die Schlichter einen Kompromiss vorgeschlagen. Demnach soll es...

DWN
Finanzen
Finanzen Rüstungs-ETF: Die besten ETF Fonds auf die Rüstungsindustrie - ist das überhaupt moralisch vertretbar?
28.03.2025

Der Bundestag hat die Schuldenbremse für Militärausgaben aufgeweicht. Mit einem gigantischen Milliardenpaket soll die Bundeswehr wieder...

DWN
Finanzen
Finanzen Eutelsat-Aktie: Kurs fällt nach März-Rallye - sorgen EU-Aufträge für neuen Aufwind?
28.03.2025

Die jüngsten Kurssprünge der Eutelsat-Aktie sind auf mögliche EU-Aufträge zurückzuführen. Bleiben diese aus, könnte es schnell...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitslosigkeit: Frühjahrsbelebung auf dem deutschen Arbeitsmarkt fällt dieses Jahr ins Wasser
28.03.2025

Die Frühjahrsbelebung auf dem deutschen Arbeitsmarkt bleibt aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche verhalten. Die Zahl der Arbeitslosen...

DWN
Politik
Politik EZB-Zinspolitik: Zinssenkung wegen starkem Euro und deutscher Schulden?
28.03.2025

Wenige Wochen vor der nächsten EZB-Sitzung gewinnen Befürworter weiterer Zinssenkungen an Einfluss. Europäische Banken halten an ihren...