Wirtschaft

Trumps Umbau der US-Verteidigung stellt Milliardenprojekte infrage

Donald Trump krempelt die US-Verteidigung radikal um: Alte Kampfjets werden verschrottet, Milliarden in neue Tarnkappenbomber investiert. Für europäische Partner wie Deutschland bedeutet das vor allem eines – neue Konkurrenz und alte Unsicherheiten.
09.08.2025 08:33
Lesezeit: 2 min
Trumps Umbau der US-Verteidigung stellt Milliardenprojekte infrage
Die US-Luftwaffe stellt hunderte Kampfjets außer Dienst – ein radikaler Kurswechsel in der Militärstrategie unter Präsident Trump. (Foto:dpa) Foto: Markus Scholz

Umbau der US-Verteidigung: Milliardenprojekte auf dem Prüfstand

Die klassische US-Luftflotte wird auf den Prüfstand gestellt, während neue Milliardenaufträge für zukunftsweisende Systeme vorbereitet werden. Zwei Saab-Konkurrenten könnten gravierende Einschnitte erleben – oder ganz vom Markt verschwinden. Die von Präsident Donald Trump vorgelegte Militärstrategie bringt tiefgreifende Änderungen im US-Haushalt mit sich. Der Kongress hat Trumps Budgetvorlage – den sogenannten „One Big Beautiful Bill“ – verabschiedet. Doch die genaue Mittelverteilung bleibt in vielen Bereichen offen. Das Pentagon unter Verteidigungsminister Pete Hegseth fordert für das kommende Haushaltsjahr 961,6 Milliarden Dollar.

Besonders hart trifft es Boeing: Die US Air Force hat beschlossen, das Radarflugzeug E-7 Wedgetail abzuschreiben – trotz eines laufenden 2,6-Milliarden-Dollar-Vertrags für zwei Einheiten. Das ursprünglich geplante Volumen lag bei 26 Maschinen. Die Begründung: zu teuer, zu langsam. Stattdessen sollen weltraumbasierte Sensoren forciert werden. Ebenfalls betroffen: die F-35 von Lockheed Martin – ein direkter Wettbewerber von Saabs Gripen-Kampfjet. Der Einkauf wird von 68 auf 47 Maschinen reduziert – ein Rückgang um 31 Prozent. In einem offenen Brief warnten pensionierte US-Generäle vor den Folgen dieser Kürzungen.

Gleichzeitig steigen die Investitionen in den B-21 Raider von Northrop Grumman deutlich: 10,3 Milliarden Dollar – ein Plus von 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Tarnkappenbomber ist Nachfolger des B-2 Spirit, der kürzlich iranische Atomanlagen bombardierte. Die Air Force plant 100 Einheiten, Gesamtkosten über 30 Jahre: über 200 Milliarden Dollar.

Zweifel an der Doppelstrategie

Ein weiterer Streitpunkt: die geplante F/A-XX – das künftige Flaggschiff der Navy. Laut US-Medien konkurrieren Boeing und Northrop Grumman um den Milliardenauftrag. Doch Trump scheint einen Strategiewechsel zu bevorzugen: Fokus auf die F-47, die Boeing im März zugesprochen wurde.

Während für die F-47 im Budget 3,5 Milliarden Dollar vorgesehen sind, erhält die F/A-XX lediglich 74 Millionen. Begründung: Die industrielle Kapazität reiche nicht aus, um zwei Flaggschiffe parallel zu produzieren. Zusätzlich plant die Air Force die Stilllegung von 340 Flugzeugen – darunter die gesamte Flotte von 162 A-10 Thunderbolt II („Warthog“), einem ikonischen Jet der 1970er. Ursprünglich war die Ausmusterung erst für 2028 angesetzt.

Deutschland wirtschaftlich mehrfach betroffen

Für Deutschland bedeutet Trumps Umstrukturierung einen doppelten Einschnitt: Einerseits schwächt die Abkehr von Boeing- und Lockheed-Projekten auch Zulieferer in Europa, etwa bei Elektronik- und Sensorkomponenten. Andererseits wird durch die massiven Investitionen in strategische US-Projekte wie den B-21 und F-47 der transatlantische Technologiewettbewerb verschärft. Die deutsche Rüstungsindustrie gerät dadurch unter Druck – insbesondere bei Exportaufträgen im Nahen Osten und Asien, wo sich US-Firmen künftig aggressiver positionieren dürften.

Alle Pläne sind zunächst Vorschläge der Trump-Regierung. Die endgültige Entscheidung liegt beim US-Kongress – ein Prozess, der derzeit noch läuft.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Die digitale Zwangsjacke kommt: Warum Mittelständler ihre IT umbauen müssen
04.04.2026

Von E-Rechnung über KI-Haftung bis zu strengeren Nachhaltigkeitsregeln: Auf deutsche Unternehmen kommen zahlreiche neue Vorschriften zu....

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW i3 im Test: Angriff auf Tesla und China mit neuer Elektrostrategie
04.04.2026

Elektroautos galten lange als Kompromiss aus Reichweite und Ladezeit. Der neue BMW i3 stellt diese Logik infrage und zeigt, wie schnell...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Künstliche Intelligenz in der Führung: Warum Empathie zur Mangelware wird
04.04.2026

Künstliche Intelligenz schreibt E-Mails, analysiert Daten und simuliert sogar Mitgefühl. Doch ausgerechnet in der Führungsetage droht...

DWN
Panorama
Panorama WhatsApp Link-Vorschau: Verstecktes Datenschutzrisiko – was Nutzer wissen sollten
04.04.2026

Die praktische Link-Vorschau bei WhatsApp spart Zeit und Klicks im Alltag. Doch im Hintergrund könnten sensible Informationen übertragen...

DWN
Politik
Politik Referendum mit Signalwirkung: Schweiz debattiert über Bevölkerungsgrenze
04.04.2026

Die Schweiz stimmt im Juni über eine Begrenzung der Bevölkerung auf zehn Millionen Menschen ab. Ist das ein radikaler Sonderweg oder...

DWN
Politik
Politik Wie denken Jugendliche über die Zukunft Deutschlands? Jugendstudien geben ernüchternde Antworten
03.04.2026

Persönliche Freiheitsrechte, Wirtschafts- und Energiekrise, Wohnraummangel, Rente und Pandemien. Die psychischen Belastungen bei jungen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Apple-Aktie: 50 Jahre US-Techgigant – vom Beinah-Bankrott zum wertvollsten Konzern der Welt
03.04.2026

Eine Garage, zwei Freunde und eine Vision: Die 50-jährige Geschichte des Tech-Giganten Apple ist geprägt von revolutionären Innovationen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Pennylane verbindet Buchhaltung und Steuerberatung in einer Software – wie Unternehmen davon profitieren
03.04.2026

Viele kleine und mittlere Unternehmen arbeiten im Finanzmanagement noch mit mehreren Systemen oder manuellen Prozessen. Das...