Wirtschaft

KI-Blase: Experten warnen vor wachsenden Risiken am Markt

Die Finanzmärkte stehen unter spürbarer Spannung, während Anleger die Dynamik rund um künstliche Intelligenz bewerten. Doch weist die aktuelle Entwicklung nur auf kurzfristige Übertreibungen hin oder entsteht eine KI Blase?
25.11.2025 13:53
Lesezeit: 3 min
KI-Blase: Experten warnen vor wachsenden Risiken am Markt
Aktuelle Marktschwankungen zeigen, wie stark die Diskussion über eine mögliche KI-Blase die Erwartungen von Investoren prägt (Foto: dpa) Foto: Dmitry Vinogradov

Volstritas warnt vor Risiken einer möglichen KI-Blase

An der Wall Street sprechen führende Investmentchefs zunehmend offen über die Risiken rund um die Investitionsthemen künstlicher Intelligenz. Einige sehen klare Überhitzungstendenzen, andere verweisen auf strukturelle Schwächen in der Verbraucher- und Kreditentwicklung. Trotz unterschiedlicher Einschätzungen wächst die Sorge, dass sich aus der aktuellen Marktphase eine KI-Blase entwickeln könnte und die Marktstruktur insgesamt fragiler geworden ist.

Jeffrey Gundlach, Chef von DoubleLine Capital, warnt, dass er in seiner Karriere keine ungesündere Marktlage erlebt habe. Er rät dazu, rund 20 Prozent eines Portfolios in liquiden Mitteln zu halten, etwa in Währungen, Einlagen oder kurzfristigen US-Staatsanleihen. Diese Positionierung soll einen Puffer gegen mögliche Kursrückgänge bieten und die Widerstandsfähigkeit der Portfolios erhöhen.

In einer Bloomberg Odd Lots Podcastfolge beschrieb Gundlach die Aktienmärkte als gefährlich, spekulativ und als die am wenigsten gesunden, die er jemals gesehen habe. Er betont, dass nicht nur Aktien überbewertet seien, sondern auch Anleihen. Besonders beunruhigt ihn jedoch der rasche Ausbau des privaten Kreditmarktes, der inzwischen ein Volumen von 1,7 Billionen US-Dollar erreicht hat.

Risiken im privaten Kreditmarkt und der möglichen KI-Blase

In diesem Segment würden zunehmend riskante Kredite vergeben, die er mit den minderwertigen Hypotheken vor der Finanzkrise 2008 vergleicht. Gundlach warnt, dass die nächste große Marktkrise mit hoher Wahrscheinlichkeit genau dort entstehen könnte. Für Teile des Marktes könnte die hohe Risikobereitschaft im Umfeld der KI-Blase zusätzlich Druck erzeugen, da Kapitalströme zunehmend in Zukunftstechnologien umgeleitet werden.

Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, teilt die Einschätzung, dass sich die Märkte klar im Blasenbereich befinden. Er verweist darauf, dass eine KI-Blase zwar erkennbar sei, derzeit aber kein direkter Auslöser für ein Platzen sichtbar werde. Anleger sollten deshalb nicht übereilt verkaufen, nur weil Überbewertungen bestehen, da ein unmittelbarer Einbruch nicht zwingend bevorsteht.

Dalio rät Marktteilnehmern, ihre Portfolios stärker zu diversifizieren und dabei auch auf alternative Anlageklassen wie Gold zu setzen. Diese könnten helfen, die Auswirkungen künftiger Marktschwankungen abzufedern und strukturelle Risiken zu reduzieren. Dennoch bleibe unklar, welcher Faktor den entscheidenden Druck auf die Märkte auslösen könnte.

Marktverunsicherung trotz KI-Dynamik

John Waldron, Präsident der Goldman Sachs Group, sieht die Märkte ebenfalls in einer Phase, die weitere Rückschläge ermöglicht. Kurz vor der Veröffentlichung der aktuellen Nvidia-Zahlen erklärte er, dass technische Indikatoren eher auf Vorsicht hindeuteten. Der laufende Rückgang sei seiner Ansicht nach jedoch gesund, da die Märkte im Jahresverlauf stark gestiegen seien.

Im Mittelpunkt vieler Diskussionen stehe die Frage, ob die hohen Erwartungen an Renditen aus KI-Investitionen realistisch sind oder ob Teile des Markts bereits von der KI-Blase beeinflusst sind. Waldron betont, dass Anleger prüfen müssten, ob die erwartete Wertschöpfung bereits vollständig in den Kursen berücksichtigt wurde. Als schwächsten Punkt der US-Wirtschaft nennt er finanziell überlastete Verbraucher mit geringem Einkommen.

Bob Diamond, früherer Chef von Barclays und heute Partner bei Atlas Merchant Capital, spricht trotz der jüngsten Marktschwäche von einer gesunden Neubewertung riskanter Vermögenswerte. Anleger versuchten derzeit, die technologisch bedingten Veränderungen einzuordnen. Er sieht in der Korrektur keine Anzeichen für eine bevorstehende Bärenmarktphase.

Kapitalintensität der KI-Infrastruktur

Gleichzeitig warnt Diamond vor der stark gestiegenen Staatsverschuldung vieler Länder, die als dauerhafte Belastung über den Finanzmärkten liege. Hinsichtlich des wirtschaftlichen Nutzens erwartet er in den kommenden zwei bis fünf Jahren positive Effekte auf Produktivität und Inflation. Dennoch seien viele Marktteilnehmer unsicher, wie schnell sich Investitionen in KI rentieren werden.

Der Investor Ron Baron bleibt angesichts sinkender Technologiewerte gelassen. Er beobachtet die Marktschwankungen aufmerksam und sucht gezielt nach Gelegenheiten. Baron gilt als langjähriger Tesla-Befürworter und betont, persönlich keine einzige Aktie verkauft zu haben, obwohl in Kundenportfolios ein Teil der Position reduziert wurde.

Tesla mache rund 40 Prozent seines Vermögens aus, 25 Prozent entfallen auf SpaceX und 35 Prozent sind in Fonds seines Hauses investiert. Rückgänge in den Kursen bedeuteten für ihn keinen Grund zur Sorge, sondern vielmehr eine Chance, langfristige Trends besser zu nutzen.

Zweifel an der Ertragskraft großer Tech-Konzerne

Analyst Alex Haissl von Rothschild & Co äußert deutliche Zweifel, dass Microsoft im Bereich künstlicher Intelligenz ähnlich erfolgreich sein kann wie in der Cloud. Die Branche verbreite ein Narrativ, das aus seiner Sicht die Realität überzeichnet und die hohen Investitionskosten unterschätzt. Haissl argumentiert, dass KI-Infrastruktur erheblich mehr Kapital benötigt, während die erwartete Rendite deutlich niedriger ausfällt.

Nach seinen Berechnungen erfordert die Installation von Grafikprozessoren etwa sechsmal so viel Kapital wie frühe Cloud-Plattformen, um vergleichbare Wertschöpfung zu erzielen. Ein investierter US-Dollar generiere im Schnitt nur 0,2 US-Dollar Nettobarwert, während Cloud-Projekte rund 1,4 US-Dollar pro investiertem Dollar erreichen. Trotz weiterhin erwarteten Wachstums senkte Haissl das Kursziel für Microsoft von 560 auf 500 US-Dollar.

Folgen für deutsche Anleger und Märkte

Die Einschätzungen der Wall-Street-Spitzen zeigen, wie stark die Verunsicherung rund um Tech-Bewertungen und eine mögliche KI-Blase zugenommen hat. Für Deutschland, dessen Finanzmärkte eng mit den USA verflochten sind, entstehen daraus spürbare Risiken. Anleger sollten daher Bewertungen im Technologiesektor kritisch prüfen und ihre Portfolios breit aufstellen, um strukturellen Schwankungen besser zu begegnen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Rekordschlussstände für S&P 500 und Nasdaq, während der Waffenstillstand hält
05.05.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte aktuell antreiben und warum die Anleger trotz globaler Spannungen optimistisch bleiben.

DWN
Politik
Politik Misstrauensvotum in Rumänien: Prowestliche Regierung stürzt
05.05.2026

Rumäniens Regierung ist nach einem überraschenden Bündnis aus Rechtsextremen und Sozialdemokraten gestürzt. Hinter dem Misstrauensvotum...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht Druck auf Grönland: US-Experte warnt vor Folgen für Europa
05.05.2026

Trump verschiebt die geopolitischen Machtlinien der USA und verbindet den Zugriff auf Grönland mit Energiefragen und Zugeständnissen an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Teilkrankschreibung gegen hohe Fehlzeiten: Ist die Regelung sinnvoll?
05.05.2026

Krank, aber nicht ganz arbeitsunfähig – das soll künftig möglich sein: Im Zuge der neuen Gesundheitsreform hat die Bundesregierung die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Stromnetz im Kostencheck: Welche Technologien langfristig überzeugen
05.05.2026

Europas Stromversorgung steht vor einer neuen Kostenlogik, in der erneuerbare Energien, Speichertechnologien und verlässliche Grundlast...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie steigt trotz schwachem Quartal
05.05.2026

Die Zahlen fallen schwächer aus als erwartet, doch die Aktie reagiert überraschend robust. Statt Abverkauf setzt Rheinmetall auf eine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unicredit greift Commerzbank an: Übernahme rückt näher
05.05.2026

Unicredit macht Ernst und treibt die Übernahme der Commerzbank mit Tempo voran. Doch Widerstand aus Berlin und Frankfurt könnte den Deal...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biontech-Aktie: 1.860 Stellen in Gefahr
05.05.2026

Biontech zieht die Notbremse und fährt Kapazitäten drastisch herunter. Der Sparkurs trifft Standorte weltweit – und bringt Tausende...