Polizei verhört Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy wegen Korruptionsaffäre

Die französische Polizei hat Ex-Präsident Nicolas Sarkozy festgenommen und verhört. Die Behörden ermitteln wegen illegaler Wahlkampffinanzierung durch Libyens früheren Machthaber Muammar Gaddafi. Zudem soll Sarkozy sein Amt missbraucht haben, um laufende Ermittlungen zu sabotieren. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft.

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Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy ist am Dienstag nach Angaben aus Justizkreisen wegen des Vorwurfs auf Amtsmissbrauch in Polizeigewahrsam genommen worden. Sarkozy wurde von den Untersuchungsbehörden in Nanterre westlich von Paris einbestellt und befragt, wie ein Justizvertreter der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Nach französischem Recht dürfen Verdächtige bis zu 48 Stunden festgehalten werden, bevor sie entweder angeklagt oder freigelassen werden müssen.

Im Frühjahr eingeleiteten Ermittlungen zufolge steht der frühere Staatschef im Verdacht, seinen Einfluss missbraucht zu haben, um in einem anderen Ermittlungsverfahren an Informationen zu kommen. Dabei geht es um den Vorwurf, Libyens früherer Machthaber Muammar Gaddafi habe Sarkozys Wahlkampf 2007 rund 50 Millionen Euro finanziert. Auch die L’Oreal Erbin Liliane Bettencourt soll Sarkozys Wahlkampf mit großzügigen Spenden unterstützt haben. Sarkozy wies die Vorwürfe stets zurück.

Auch zwei Justizbeamte wurden zu den Vorwürfen befragt. Einem der Männer soll Sarkozy eine Beförderung nach Monaco im Austausch für Informationen in Aussicht gestellt haben. Sollte Sarkozy für schuldig befunden werden, drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft und eine Geldstrafe von 500.000 Euro. Die Ermittler werfen dem konservativen Politiker zudem vor, auf ein Netzwerk an Informanten zurückgegriffen zu haben. Dies sei aus Mitschnitten von Telefonaten hervorgegangen. Sarkozy hatte die Aufzeichnung der Gespräche mit Stasi-Methoden verglichen.

Gegen Sarkozy wird bereits in mehreren Fällen ermittelt. Unter anderem ist er in eine Skandal zu seiner Wiederwahl-Kampagne 2012 verwickelt. Demnach seien rund zehn Millionen Euro, die als Wahlkampfunterstützung gedacht waren, für Parties ausgegeben worden. In Folge dessen traten bereits führende UMP-Politiker zurück, wie The Local berichtet. Auch wenn der konservative Politiker die Vorwürfe bestreitet, könnten die Ermittlungen die Chancen Sarkozys schmälern, 2017 einen neuen Anlauf ins Präsidentenamt zu unternehmen, das er vor einem Jahr an den Sozialisten Francois Hollande verloren hatte.

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