Russland: Mysteriöser Krater in Sibirien entdeckt

Im Nordwesten von Sibirien ist wie aus dem Nichts ein gigantischer Krater entstanden. Filmaufnahmen von einem Helikopter zeigen das riesige Loch mit einem Durchmesser von etwa hundert Metern. Experten mutmaßen, wie es zu dem Phänomen kommen konnte. Als mögliche Erklärung gilt derzeit eine Explosion von unterirdischen Gaslagern.

Ihren XING-Kontakten zeigen
linkedin
abo-pic
Die russische Öffentlichkeit spekuliert über das plötzliche Entstehen eines Kraters in Sibirien. (Screenshot via Youtube)

Die russische Öffentlichkeit spekuliert über das plötzliche Entstehen eines Kraters in Sibirien. (Screenshot via Youtube)

In Sibirien soll aus unerklärlichen Gründen ein Krater entstanden sein. Weil bislang nur ein Video des Fernsehsenders Zvezda TV das Loch im Boden zeigt, kann es noch nicht als offiziell bestätigt werden. Auch wenn die Chance auf eine grafische Manipulation derzeit nicht ausgeschlossen werden kann, geht die Mehrheit der Zuschauer von einem realen Krater aus. Dieser soll sich auf der Jamal-Halbinsel befinden, im Nordwesten Sibiriens.

1972 wurden in dieser Region zum ersten Mal größere Gasfelder entdeckt. Aktuell ist dort der Energieriese Gazprom mit dessen Förderung beschäftigt. Deshalb liegt der Verdacht auch nahe, dass die Gasfelder unter Sibirien nicht ganz unschuldig an diesem Fund ist, berichtet The Siberian Times.

Als wahrscheinlichstes Szenario gilt momentan, dass Methangas – aus welchen Gründen auch immer – explodiert ist. Das erklärt zumindest die scheinbar verbrannte Erde rings um den Krater. Das Gestein sieht so aus, als wäre es großer Hitze ausgesetzt worden. Eine Explosion erklärt auch, die kreisförmige ausgebreitete Erde ringsum den Krater. Wie tief das Loch ist, kann momentan nur geschätzt werden. Auf dem Video ist jedoch ein Boden schwer auszumachen.

Für ein Naturereignis spricht auch die Tatsache, dass das Loch nicht exakt kreisrund ist. Somit sinken auch die Chancen, dass eine von Menschenhand erbaute Röhre dort ins Erdinnere verläuft. Und das ist erst der Anfang der Spekulationen. Denn noch ist nichts genaues über den Krater bekannt. Solange sich die Theorie mit der Erdgasexplosion noch nicht bewahrheitet hat, bleibt Raum für Gerüchte. Das Internet läuft dabei natürlich auch Hochtouren.

Die Arktis-Forscherin Anna Kurchatowa glaubt an den Klimawandel als Ursache. Sie geht ebenfalls von einer Erdgasexplosion aus. Als Begründung liefert sie die These, dass sich der Permafrostboden in Sibirien durch die Klimaerwärmung aufheizt. Dadurch beginnen Teile davon aufzutauen und chemische Reaktionen setzen sich in Kraft. Laut der Forscherin könnten sich auf diese Weise Eis, Wasser, Erdgas und Salz vermischt haben. Diese Mischung alleine braucht aber dennoch eine Art Zündung für eine Explosion.

Das Rätselraten geht also weiter. Sogar soweit, dass Australische Forscher auch bereits eine Idee haben. Chris Fogwill ist ebenfalls Polarforscher und arbeitet an der University of New South Wales. Er stimmt seiner russischen Kollegen zu, aber nur hinsichtlich Eis und Wasser. Seiner Meinung nach sorgen unterirdische gefrorene Eisblöcke dafür, dass sich der Erdboden anheben kann. Insbesondere dann, wenn keine anderen Gründe eine Erhöhung erklären. Entsteht also inmitten eigentlich flacher Landschaft, wie in Sibirien eine Erhebung, liegt das oft an gefrorenem Eis unter dem Gebiet.

Jetzt wird es allerdings interessant: Schmelzen diese Eisblöcke, beispielsweise durch Klimaerwärmung, so nimmt das Volumen der Blöcke ab. Das Eis wandelt sich zu Wasser und fließt ab. Als Resultat erscheint ein riesiges Loch, das eventuell wie in diesem Fall die obere Erdschicht einsacken lässt. Dieses Phänomen trägt laut Fogwill die Bezeichnung „Pingo“.

So spannend die Theorie auch klingen mag – schmelzendes Eis hinterlässt üblicherweise aber kein verbranntes Gestein. Eventuell gab es eine Kombination aus einer Gasexplosion und diesem Pingo, doch das nachzuvollziehen wird aus der Ferne nicht ganz so einfach werden. Außerdem ist dieses Loch immer noch in einem unbewohnten Teil von Sibirien, wo derzeit Erdgas abgebaut wird. Es ist demnach anzuzweifeln, dass sich besonders viele Forscher auf den Weg machen werden, um das Loch genauer zu untersuchen. Finanzielle Unterstützung von Gazprom für die Forschung ist wohl genauso absurd, wie die UFO-Theorie.

Immerhin hat das russische Ministerium für Notfälle bereits ausgeschlossen, dass es sich um einen Meteoriteneinschlag handelt. Dafür waren zumindest die letzten YouTube-Videos aus Russland bekannt.

Passenderweise soll die Jamal-Region im Sibirischen übersetzt „das Ende der Welt“ bedeuten. Ob der Blick – wie tief auch immer – ins „innere Ende“ der Welt auch ohne den Abbau von Erdgas möglich gewesen wäre, ist fraglich. Fakt ist, dass auch durch den Rohstoffabbau – auch mittels Fracking – unterirdische Bewegungen entstehen, die kaum jemand einschätzen kann. Derartige Löcher wie die berühmten Sinkholes in Amerika entstehen meist nur dort, wo der Mensch etwas unter der Erde herausholt. Dass dieses Kartenhaus auf sehr wackeligen Beinen steht ist logisch.

In Spanien konnten vor Kurzem unterirdisches Gaslagern als mögliche Ursache für eine Erdbeben-Serie ausgemacht werden. Das Nationale Geografie-Institut vermutet einen direkten Zusammenhang zwischen der Erdbeben-Serie im Herbst 2013 und dem Einpumpen von Gas in ein Lager am spanischen Mittelmeer (mehr dazu hier).

 

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


media-fastclick media-fastclick