Indien plant zwei Milliarden neue Bäume

Die indische Regierung will Ökologie und Ökonomie vereinen: Um die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen, wird ein Aufforstungsprogramm mit zwei Milliarden Bäumen gestartet. Das soll bis zu 300.000 Arbeitsplätze für 15-24-Jährige schaffen und gleichzeitig dem Umweltschutz helfen.

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Indiens Bevölkerung wächst rasant. Ähnlich wie in China werden auch Indien billige Arbeitsplätze in der Industrie auf Kosten der Umwelt geschaffen. Während China bereits Tower bauen will, die Luft und Wasser reinigen, ist auch Indien auf dem Weg ökologischer zu denken.

Die Bäume sollen entlang der Autobahnen gepflanzt werden, berichtet The Hindu aus Indien. Nitin Jairam Gadkari aus dem Ministerium für landwirtschaftliche Entwicklung in Indien sagte: „Die Länge der National Highways im Land beträgt 100.000 km. Ich habe die offiziellen Stellen gebeten einen Plan zu entwickeln, um 2 Milliarden Bäume entlang dieser Strecken zu pflanzen. Das wird einerseits Jobs schaffen und andererseits die Umwelt schützen.

Beides braucht Indien dringend. Die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 24 betrug 2010 in Indien immerhin 10,2 %. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Die Regierung hatte den Fokus in den vergangen Jahr vor allem auf der Entwicklung der jungen Generation gelegt. Dazu zählt auch die Arbeitslosenquote zu senken. Gerade in einem Land wie Indien, dessen Bevölkerungswachstum enorm hoch ist, stellt Jugendarbeit eine Herausforderung dar.

Mit dem umweltfreundlichen Aufforstungsprogramm wäre nicht nur der Statistik geholfen. Auch wenn das natürlich in den Büchern einen guten Eindruck macht. Derartige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sind extrem hilfreich, verschönert die Straßen und reinigt die Luft.

Indien hat wie andere asiatische Länder auch ein Problem mit der Luftverschmutzung. Laut einer Statistik der Weltgesundheitsorganisation sind vor allem Gebiete in China, Pakistan, dem mittleren Osten und auch Indien besonders betroffen. Die Belastung durch Feinstaub ist zwar in Europa bereits erhöht, aber beispielsweise in Indien oft doppelt so stark.

Das soll nicht heißen, dass wir in Europa solch ein Programm nicht gebrauchen können. Nach dem indischen Vorbild könnten auch die einheimischen Straßen oder Wälder aufgeforstet werden. Das Thema Feinstaubbelastung kommt nicht umsonst in den deutschen Großstädten immer wieder auf den Tisch.

Und um der ganzen Idee noch eine weitere Grundlage zu geben, haben britische Forscher kürzlich ein Feinstaub-Experiment gestartet. Nicht, dass noch irgendjemand daran zweifeln würde – Pflanzen sind für den Menschen überlebensnotwendig. Der Test wurde an Häusern im britischen Lancaster durchgeführt. Dabei wurde die Feinstaubbelastung mit und ohne Bäumen im Vorgarten analysiert.

Das Ergebnis: Bereits einige junge Birken im Vorgarten können als Schutzschild dienen. Primär sind Stadtbewohner einer Staubbelastung durch Abgase und Bremsstaub ausgesetzt. Durch den Anbau einer Art Hecke konnte im Experiment 52 bis 65 % weniger Staub in den Häusern gemessen. Im Labor haben die Blätter der Birken dann die Ursache offenbart.

Die Blätter besitzen raue Oberflächen mit kleinen Haaren. Daran bleibt der Staub hängen und sorgt für eine saubere Luft. Bei der Untersuchung konnten besonders viele Partikel aus Metall auf den Blättern festgestellt.

Eine bessere Luft ist nur ein Teil der indischen Planung. Es geht auch um den Wassererhalt. Aktuell fließen laut indischer Regierung 60 % des Regenwassers ins Meer. Wenn nur 15 % davon aufgefangen werden können, wäre das ein Ende der Wasserknappheit in Indien. Menschen könnten mit Trinkwasser versorgt werden und die Landwirtschaft hätte Wasser für die Pflanzen.

Genau Zahlen liegt aus Indien noch nicht vor, doch eine Aufforstung ist natürlich auch gut für das Wasser. Insbesondere können so Überschwemmungen eher verhindert werden. Sind die Wälder abgeholzt, kann das Wasser ungehindert fließen. Wälder können außerdem eine Menge Wasser speichern. Somit kann es auch sein, dass sich das Klima in Indien durch das Aufforstungsprogramm ein wenig ändert.

Die Bevölkerung hat also viele Vorteile. Jugendliche Arbeitslose pflanzen bei diesem Projekt Bäume. Die Straßen werden ansehnlicher, die Luft sauberer und das Wasser etwas kontrollierbarer.

Wenn die heimischen Banken pro verspekulierten 1.000 Euro einen Ableger pflanzen müssten, würden wir wohl Europa vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Ein derartiges Aufforstungsprogramm wäre tatsächlich ein produktiver Generationenvertrag.

 


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