Pocken-Virus beim Aufräumen in stillgelegtem US-Labor entdeckt

In einem unbewachten US-Labor sind Proben mit lebensgefährlichen Pocken-Viren entdeckt worden. Die Proben stammen aus den fünfziger Jahren und wurden scheinbar vergessen. Arbeiter hatten die Viren zufällig beim Aufräumen gefunden.

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Der Plan war, das Labor leerzuräumen. Was die Arbeiter aber dort zu Gesicht bekamen, sorgte weltweit für Aufsehen. Eigentlich sollte es den tödlichen Pockenvirus nur noch an zwei Orten geben: in einem Hochsicherheitsbereich in Atlanta und im staatlichen Forschungszentrum für Virologie und Biotechnologie in Nowosibirsk.

Aber der Schein von sicher verwahrten hochgefährlichen Viren trügt offensichtlich. Das Labor auf dem Gelände des National Institute of Health, in dem die Phiolen standen, ist völlig unbewacht. Wie die Homeland Security News berichten, lagen dort mögliche Biowaffen nahezu frei zugänglich herum und niemand war sich der Gefahr bewusst.

Natürlich wurden sofort Tests durchgeführt. Laut dem Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention (CDC) seien auch alle Phiolen unbeschädigt. Eine Infektionsgefahr vor Ort bestünde demnach nicht. Doch sollten gerade die USA eigentlich wissen, in welchen Laboren experimentiert wurde – auch wenn das schon eine Weile her ist.

Das CDC bestätigt, dass die Phiolen Daten aus den 50er Jahren tragen. Sie wurden nach ihrer Entdeckung in ein sicheres Labor in Bethesda gebracht und dann weitergeschickt in die Zentrale nach Atlanta. Dort soll sich jetzt untersucht werden, ob der Virus kultiviert werden kann. Danach wird er zerstört.

Am 8. Mai 1980 verkündete übrigens die Weltgesundheitsorganisation WHO, Pocken seien ausgerottet. Die Infektionskrankheit kostete nach Schätzungen mehrere hundert Millionen Menschen das Leben. Viren, die also das Potential haben, große Teile der Bevölkerung zu töten, sollten nicht einfach beim Reinigen in Laboren auftauchen.

Auch wenn die Impfungen gegen Pocken heutzutage in der westlichen Welt Standard sind. Gefahren gehen dennoch von diesen Viren aus, vor allem weil sie in Laboren zu noch gefährlicheren Varianten gezüchtet werden können. Unter Umständen können so die Impfungen nutzlos sein, weil der Impfstoff nur auf die alte Version des Pockenvirus reagieren kann.

Wie gefährlich Pockenviren sein können, zeigt die Sterblichkeitsrate der Infizierten. 30-35% der Menschen sterben, wenn sie mit Pocken infiziert sind. Ein talentierter Wissenschaftler kann die Quote sicherlich im Labor noch optimieren.

Gerade die USA haben in der Vergangenheit bereits Fehler auf diesem Gebiet erlebt. Bei Anschlägen mit Anthrax im September 2001 starben fünf Menschen. Die Milzbranderreger wurden an hohe Politiker per Post geschickt. Natürlich war Terrorismus in den USA sofort das Thema Nummer 1. Doch wie sich später herausstellte, stammten die Anthraxviren aus einem US-Labor in Fort Detrick.

Das Beispiel mit dem Labor in Bethesda hat gezeigt, dass die Bedrohung überall lauern kann – einfach weil schlampig gearbeitet wird. Gibt es keine zentrale Stelle, die überwacht wohin die Viren in der Vergangenheit transportiert wurden, können sogar 70 Jahre alte Virenkapseln plötzlich auftauchen.

Unabhängig von diesem Ereignis hat die Weltgesundheitsorganisation sich dafür ausgesprochen, die beiden vorhandenen Erreger in Atlanta und Nowosibirsk zu vernichten. Bei einem Meeting im Mai diesen Jahres wurde auch schon darüber abgestimmt. Allerdings fehlten die notwendigen Stimmen, um den Pockenvirus tatsächlich zerstören zu lassen.

Und selbst dann wäre die Ausrottung anzuzweifeln. Denn wenn sich die Mitgliedsstaaten der WHO noch nicht einmal darüber einig sein können, dass die Vernichtung eines tödlichen und hochgefährlichen Virus etwas Gutes ist, wird es sicherlich immer jemanden geben, der ihn gerne für die Sammlung im Labor hätte. Selbst wenn die Zerstörung offiziell beschlossen würde, wäre die endgültige Umsetzung sehr fraglich, solange noch in Laboren aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg solche Versuchsproben gefunden werden.

 

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