Überproduktion bei BMW: Russland-Geschäft bricht ein

Der Pkw-Absatz in Russland brach für BMW im Juni um 11,9 Prozent ein. Die für den russischen Markt bereits produzierten Fahrzeuge finden keinen neuen Absatz. BMW konzentriert sich auf die hohen Renditen in USA und China. In Europa ist indes nur noch wenig zu holen.

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BMW bekommt die Folgen der Ukraine-Krise und der Sanktionen gegen Russland zunehmend zu spüren. In Russland, wo der Pkw-Markt bisher permanent gewachsen sei, habe der Konzern im ersten Halbjahr mit rund 20.000 verkauften Autos das Absatzniveau des Vorjahres verfehlt, sagte Vorstandsvorsitzender Norbert Reithofer am Dienstag. Im Juni habe sich dann die gedämpfte Entwicklung im Autogeschäft bemerkbar gemacht: Bei BMW brach der Absatz laut Konzernchef um 11,9 Prozent ein. Jetzt werde überlegt, wohin Modelle, die eigentlich für den Verkauf in Russland gedacht waren, alternativ geliefert werden könnten.

Auch BMW-Konkurrent Daimler hatte vor ein paar Tagen berichtet, dass sich die Sanktionen des Westens auf das Unternehmen auswirkten und das Geschäft in Russland jetzt schlechter laufe. Russland galt in der Autobranche lange als Hoffnungsland in Europa, wo viele andere Pkw-Märkte vor der Absatzkrise weitgehend gesättigt waren.

Insgesamt stieg das Ergebnis für BMW im zweiten Quartal überraschend stark, es blieb auch pro verkauftem Auto deutlich mehr Geld hängen als bei Mercedes oder Audi. Weil der Münchener Konzern so viele Fahrzeuge seiner drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce auslieferte wie nie zuvor, schnellte in der Kernsparte Automobile der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 23 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro nach oben. Das ist deutlich mehr, als die Rivalen in den vergangenen drei Monaten aufweisen konnten und auch mehr als die 1,8 Milliarden Euro, mit denen Analysten im Schnitt gerechnet hatten.

Auch bei der Rendite übertraf BMW die Erwartungen und die eigenen Zielwerte. In der Autosparte legte die Ebit-Marge auf 11,7 (9,6) Prozent zu. Zum Vergleich: Die Pkw-Sparte von Daimler fuhr im zweiten Quartal 7,9 Prozent ein. Und selbst die VW-Tochter Audi, die im Windschatten der großen Konzernmutter Kosten sparen kann und so meist Rendite-Champion ist, fiel in den vergangenen drei Monaten mit 9,9 Prozent hinter den Münchener Dauerrivalen zurück. Modell- und Regionalmix hätten sich verbessert, hieß es bei BMW.

Die Oberklasse-Autobauer profitieren davon, dass in den weltgrößten Pkw-Märkten China und USA deutsche Marken anhaltend gefragt sind. Gern legen sich die Kunden dort teure Modelle mit hoher Motorisierung oder kostspieliger Sonderausstattung zu –das ist gut für die Rendite. In der Heimat Europa hingegen dümpeln viele Pkw-Märkte nach den langen Krisenjahren vor sich hin, und die Hersteller machen sich mit Rabattschlachten gegenseitig das Leben schwer (mehr hier).

BMW als größter Premium-Autobauer der Welt verkaufte im ersten Halbjahr rund um den Globus gut eine Million Autos – mehr als die Konkurrenz. Während der Absatz um sieben Prozent zulegte, fiel das Umsatzplus mit knapp drei Prozent deutlich geringer aus. Hier bremsten Währungseffekte das Wachstum, wie es in der Mitteilung weiter hieß. Für den Rest des Jahres erwartet BMW Ähnliches und hat sich daher ein drastisches Sparprogramm verordnet (mehr hier).

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