Russischer Verteidigungs-Minister: Unsere Truppen müssen kampfbereit sein

Die Regierung in der Ukraine sieht in einem russischen Manöver an der Grenze die Vorbereitung zu einem Einmarsch der Russen. Der russische Verteidigungsminister sagt: Die russischen Truppen müssen immer kampfbereit sein. Ein Telefonat zwischen Angela Merkel und Wladimir Putin blieb ohne konkrete Ergebnisse.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin haben am Mittwochabend in einem Telefongespräch die Lage in der Ukraine erörtert. Merkel habe Putin aufgefordert, die Separatisten im Osten des Landes zu einem Waffenstillstand zu drängen, hieß es von deutscher Seite. Die Regierung in Moskau bestätigte das Telefonat und erklärte, beide Seiten hätten den Einsatz der OSZE-Beobachter an der ukrainisch-russischen Grenze begrüßt. Die Nato hatte zuvor Russland vorgeworfen, die Spannungen durch den Aufmarsch von Soldaten im Grenzgebiet zu verschärfen. Polen warnte vor einer Invasion Russlands in der Ostukraine. Einer vom Kreml veröffentlichten Email zufolge soll Putin Merkel gesagt haben, dass die Regierung der Ukraine für die Verschlechterung der Lage im Osten verantwortlich sei.

Kiew erklärt dem Westen ebenfalls, dass ein Einmarsch der Russen in der Ostukraine zu erwarten sei. Grund dafür sei der Aufmarsch russischer Soldaten im Grenzgebiet.

Moskau soll 45.000 Soldaten, 160 Panzer, 1.360 gepanzerte Fahrzeuge, 192 Kampfflugzeuge und 137 Militärhubschrauber stationiert haben, sagt der Sprecher des ukrainischen Militärs Andrej Lysenko zu Reportern in Kiew, wie Bloomberg berichtet.

Russland führt derzeit ein fünftägiges Manöver durch. Dies hätte allerdings nichts mit der momentanen Situation in der Ukraine zu tun, sondern sei ein „Routine-Event“, so der Sprecher der Luftwaffe, Igor Klimow, berichtet DW. Zudem soll das Manöver bereits im November 2013 geplant worden sein, zitiert AFP das russische Verteidigungsministerium.

Allerdings schürte der russische Verteidigungsminister Sergey Shoigu die Ängste des Westens. Er sagte im russischen Fernsehen, die Welt habe sich fortwährend „dramatisch verändert“. Die russischen Truppen „müssen sich in ständiger Kampfbereitschaft halten“.

Die Nato beschuldigte die Regierung in Moskau am Mittwoch ebenfalls, die Krise durch den Aufmarsch von rund 20.000 kampfbereiten Soldaten im Grenzgebiet weiter eskalieren zu lassen. Man teile die Sorge, dass Russland unter dem Vorwand eines humanitären oder friedenssichernden Einsatzes Truppen in das Nachbarland entsenden könnte, sagte eine Nato-Sprecherin des Militärbündnisses.

Die Nato hatte Ähnliches bereits Mitte Juli gesagt. Als Konsequenz will das Militärbündnis ein Hauptquartier in Polen aufbauen, um rasch auf einen Einmarsch reagieren zu können (mehr dazu hier).

In der Ostukraine selber werden die Kämpfe zwischen Separatisten und ukrainischem Militär immer brutaler. Die ukrainische Luftwaffe soll die Millionenstadt Donezk mit Raketen beschossen haben, wobei wohl drei Zivilisten getötet wurden (mehr hier).

In Luhansk zeichnet sich nach Angaben des Stadtrates eine „humanitäre Katastrophe“ ab. Die meisten Einwohner der Stadt hätten seit mehr als einer Woche keinen Strom, kein Telefon und teilweise kein Trinkwasser.

Bei Kämpfen mit Separatisten in der Ostukraine sind nach Angaben der ukrainischen Armee innerhalb der letzten 24 Stunden 18 Soldaten ums Leben gekommen. Zudem seien bis Mittwochmorgen 54 Soldaten bei über zwei Dutzend Gefechten verletzt worden, sagte ein Militärsprecher in Kiew. Zudem sollen sie nach eigenen Angaben erneut unter Artilleriefeuer aus Russland geraten sein.


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