Olympia kostet 2,4 Milliarden Euro: Wowereit will „Spiele zum Anfassen“

Für die Olympischen Sommerspiele 2024 in Berlin will der Senat 2,4 Milliarden Euro ausgeben. Hamburg, das sich ebenfalls um die Austragung der Spiele bewirbt, setzt die Kosten dreimal so hoch an. Für die Landesregierungen bieten gigantische Großveranstaltungen die Möglichkeit, über Umwege an neue Gelder zu kommen. Die Erfahrung etwa aus Griechenland zeigt: Bei den Bürgern bleibt trotz blumiger Versprechungen nichts hängen, im Gegenteil: Sie müssen neue Schulden abarbeiten.

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Am Montag präsentierten Berlin und Hamburg zeitgleich ihre Konzepte für die Olympischen Sommerspiele 2024 und, falls diese Bewerbung scheitert, für die Olympischen Sommerspiele 2028. Beide Städte versprechen, die Spiele für die Bürger auszurichten. Wowereit: „Wir stehen für demokratische Spiele und Spiele zum Anfassen und Erleben.“Doch tatsächlich wollen sie vor allem Milliardengelder vom Steuerzahler für ein weiteres Großprojekt.

Berlins Noch-Bürgermeister Klaus Wowereit versprach „größtmögliche Nachhaltigkeit und Bürgernähe“. Die Kosten der Bewerbung beziffert der Senat auf 2,4 Milliarden Euro, darunter laut Konzept 1 Milliarde Euro für temporäre Bauten. „50 Prozent der erforderlichen Sportstätten sind schon im Bestand“, zitiert der Tagesspiegel Sportsenator Frank Henkel (CDU). Die Hauptstadt will für Olympia 15 bereits existierende Sportstätten nutzen.

Ein wesentlicher Punkt, der laut Wowereit für Berlin spricht, ist die „Faszination dieser Stadt“. Sein letzter Satz bei der Präsentation war offenbar gegen den Konkurrenten Hamburg gerichtet: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass man international mit Berlin viel, viel bessere Chancen hätte, die Olympischen Spiele vom IOC zu bekommen als mit einer anderen Stadt in Deutschland.“

Hamburg legte am Montag der Öffentlichkeit ebenfalls sein Konzept für die Olympischen Sommerspiele 2024 vor. Bürgermeister Olaf Scholz versprach ein „Olympia der kurzen Wege“. Alle Sport- und Trainingsstätten könne man innerhalb von 30 Fahrminuten erreichen. „Wir wollen Olympia mitten in die Stadt holen“, sagte der SPD-Politiker. Dies sei woanders nicht möglich.

Hamburg rechnet mit Kosten in Höhe von 6,5 Milliarden Euro. Denn eine ganze Reihe zentraler Sportstätten muss erst noch gebaut werden. Im Hafengebiet soll das Olympiastadion für 70.000 Zuschauer gebaut werden. Auf der Elbinsel Kleiner Grasbrook sollen das Olympische Dorf und die Schwimmbecken entstehen.

Nach derzeitigem Stand liegen die Kosten in Hamburg dreimal so hoch wie in Berlin. Allerdings muss bei beiden Städten davon ausgehen, dass die Spiele noch deutlich teurer werden. Denn bei Olympischen Spielen lagen die tatsächlichen Kosten am Ende fast immer über den veranschlagten. Nach Angaben des Berliner Senats kostete allein schon die erfolglose Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2000 den Steuerzahler knapp 56 Millionen Mark.

Die Olympischen Sommerspiele 2004 in Athen kosteten mit 12 Milliarden Euro am Ende doppelt so viel wie geplant. Die dafür aufgenommenen Schulden gelten als ein entscheidender Faktor in der Schuldenkrise Griechenlands. Verdient haben die Funktionäre, die traditionell korrupte Bauwirtschaft und die Sportverbände, nicht aber die Bürger. Der Großteil des Olympiaparks ist seit 2004 ungenutzt und verrottet (mehr hier).

Doch auch in Deutschland explodieren bei Großprojekten regelmäßig die Kosten. So versinkt auch der Berliner Großflughafen in einem Chaos aus Fehlplanungen und Korruption. Wowereit hat daraus offenbar nichts gelernt und legt mit der Berliner Olympia-Bewerbung nach. Dabei hätte Berlin allen Grund, bescheiden aufzutreten. Seit vielen Jahren zählt die Hauptstadt beim Länderfinanzausgleich zu den Nehmerländern.

Eine kritische Bemerkung eines Journalisten zum Berliner Großflughafen kontert Wowereit mit Verweis auf die Hamburger Elbphilharmonie. Die Kosten dieses Großprojektes haben sich im Verlauf der Jahre verzehnfacht. Die enorme Kostensteigerung sei vor allem auf die zu frühe Ausschreibung des Projekts zurückzuführen, sagt der Bund der Steuerzahler Hamburg (mehr hier).

Die Fußball-WM in Brasilien hat gerade wieder gezeigt, dass sportliche Großereignisse für den normalen Bürger ein Minus-Geschäft sind. Kurzfristige Bauvorhaben entpuppten sich schnell als Strohfeuer. Der Einzelhandel hat hingegen überhaupt nicht von der WM profitiert. Der von der Regierung versprochene Überschuss stellte sich nicht ein (mehr hier).

Auch die russischen Steuerzahler müssen noch über Jahre die Kosten der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi tragen. Seit Wladimir Putin im Jahr 2000 an die Macht kam, hat das Land erst dreimal Schulden machen müssen: zweimal wegen der globalen Finanzkrise und dann im vergangenen Jahr wegen der Vorbereitung von Sotschi.

Zudem bringen Olympische Spiele den normalen Bürgern noch nicht einmal etwas. Der Austragungsort dient lediglich als Kulisse. Geschäfte machen allein jene, die von der Olympia-Lobby dazu ermächtigt wurden.

Am 11. September und am 28. Oktober wird das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) über die Konzepte aus Hamburg und Berlin diskutieren. Wenn es sich für eine deutsche Olympiabewerbung entscheidet, könnte eine DOSB-Mitgliederversammlung bereits im Dezember eine der beiden Städte auswählen.

Doch bevor der DOSB überhaupt eine Stadt ins Rennen schickt, sollen die Bürger befragt werden. Bei einer Abstimmung im vergangenen Jahr hatte sich in München und Umgebung die Mehrheit der Bürger gegen die Winterspiele 2022 ausgesprochen. Der DOSB hatte sich daraufhin nicht um die Spiele beworben.

In beiden Städten gibt es Kritik an Olympia. In der Hansestadt warnen die Gegner vor den massiven Kosten. Hamburgs Grünen-Chefin Katharina Fegebank sagte der Bild-Zeitung: „Gigantomanische Spiele mit Knebel-Verträgen für die Stadt kommen für uns nicht infrage.“ Sie habe Zweifel, ob das Internationale Olympische Komitee (IOC) da mitmacht.

In Berlin steht vor allem die Linke kritisch zu einer Olympia-Bewerbung. Der frühere Wirtschaftssenator Harald Wolf lehnt die Spiele in Berlin solange ab, wie es keine Reform beim IOC gibt, sagte er auf Radio Eins. „Berlin braucht keine Investitionen in ein tolles Ereignis, das zwei Wochen dauert, sondern Investitionen in die Infrastruktur der Stadt.“

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