Sparkassen kritisieren Willkür bei EZB-Stresstest

Der EZB-Stresstest behandele gesunde Banken schlechter als kriselnde Institute, so Sparkassen-Chef Georg Fahrenschon. Bei den Tests gebe es eine Reihe von „Ungereimtheiten“, die „etwas willkürlich" wirkten. Die Annahmen der EZB zur Bewertung von Immobilien- und Schiffskrediten weichen stark voneinander ab und würden nicht immer den nationalen und internationalen Standards folgen.

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Die Sparkassen haben das Vorgehen der Europäischen Zentralbank (EZB) beim europaweiten Bankencheck scharf kritisiert. Bei der seit Monaten laufenden Übung gebe es eine Reihe von „Ungereimtheiten“, sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon am Mittwoch bei einer Bankenkonferenz in Frankfurt. Gesunde Geldhäuser würden bei dem Test zu Unrecht schlechter behandelt als kriselnde Institute, kritisierte Fahrenschon. Die EZB gehe nach dem Motto vor: „Wer am gesündesten ist, kann am meisten krank werden.“ Die EZB wies die Kritik zurück.

Die Notenbank will mit ihrem Gesundheitscheck sicherstellen, dass die Geldhäuser besenrein sind, wenn sie im November die Aufsicht über die größten Geldhäuser der Euro-Zone übernimmt. Der Test setzt sich zusammen aus einem Bilanzcheck und einem Stresstest, bei dem eine Krise simuliert wird. Die Annahmen im Stresstest sind aus Sicht von Fahrenschon teilweise „nicht nachvollziehbar“ und bisweilen „etwas willkürlich“.

„Die Annahmen in Europa differieren.“ Insbesondere für Frankreich würden die Folgen eines weltweiten wirtschaftlichen Abschwungs relativ gering eingeschätzt, findet Fahrenschon. „Und während man im Stressszenario in Italien und Spanien einen Rückgang der Immobilienpreise von fünf Prozent annimmt, ist die Annahme für Deutschland minus 15 Prozent.“ Dabei würden Immobilien hierzulande sehr konservativ finanziert.

Kritik äußerten die Sparkassen auch an den Abschlägen auf bestimmte Kreditportfolien, die die EZB in dem Test nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters beispielsweise im Schiffssektor vornehmen will. „Offensichtlich haben einige Institute zu gut abgeschlossen“, sagte Fahrenschon. Jetzt würden bei einzelnen Portfolien wie Immobilien- oder Schiffskrediten Abschläge von zehn bis zu 20 Prozent vorgenommen, sagte Fahrenschon. „Man muss aufpassen, dass man sich durch solche nachträglichen Annahmen nicht dem Verdacht politischer Opportunitäten aussetzt.“

Michael Kemmer, der Hauptgeschäftsführer des deutschen Privatbankenverbandes BdB, nahm die EZB dagegen in Schutz. „Dass sie auf nationale Besonderheiten eingeht und bestimmte Portfolien wie Schiffskredite genauer ansieht, ist okay“, sagte er. Wichtig sei jedoch, dass die EZB in anderen Ländern bei Portfolien, die dort von besonderer Bedeutung seien, genauso vorgehe. Grundsätzlich ist es aus Kemmers Sicht nicht überraschend, dass es an einem so komplexen Prozess wie dem Gesundheitscheck Kritik gibt. „Dass es an den Rändern knirscht und quietscht, ist normal.“

Auch EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger hält die Kritik für ungerechtfertigt. Die Aufsichtsbehörden hätten die Bankportfolios „einem einheitlichen Bewertungsschema unterworfen“, sagte sie auf der Konferenz. „Herr Fahrenschon, also mit Nichten eine Ungleichbehandlung!“

Fahrenschon sieht das Vorgehen der EZB deutlich kritischer als Kemmer. Für problematisch hält er auch, dass die Annahmen im EZB-Test nicht immer den nationalen und internationalen Bilanzierungsstandards folgen. „Mit dieser Parallelwelt wird das Vertrauen in die Tests untergraben und die Institute – übrigens auch die Prüfer selbst – können Sinn und Zweck vieler Prüfungshandlungen nicht mehr nachvollziehen“, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

Die Landesbanken, die Mitglied im DSGV sind und an denen die regionalen Sparkassen beteiligt sind, sieht Fahrenschon für den EZB-Check gut gerüstet. „Ich bin davon überzeugt, dass die Landesbanken bei fairen und nachvollziehbaren Bedingungen den Bilanztest der EZB gut bewältigen werden.“ Die Vorstände aller großen Landesbanken haben zuletzt erklärt, sie seien für den Test gut gewappnet. Die HSH Nordbank warnte in ihrem Halbjahresberichts allerdings auch vor der Gefahr, die Anforderungen nicht zu erfüllen. BdB-Lobbyist Kemmer geht aber nicht davon aus, dass es hierzulande nach der Veröffentlichung der Gesundheitscheck-Ergebnisse Mitte Oktober zu Verwerfungen kommen wird. „Ich glaube nicht, dass es in Deutschland eine Welle von Problemen geben wird.“

 

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