USA wollen Putin mit niedrigem Öl-Preis in die Knie zwingen

Auf Drängen der USA hat Saudi-Arabien seine Öl-Produktion massiv ausgeweitet. Dies hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Ölpreis seit Juni um rund 20 Prozent eingebrochen ist. Der Preisverfall schadet vor allem Russland, das den Großteil seiner Staatseinnahmen aus dem Export von Öl und Gas bezieht. Sollte Saudi-Arabien den Öl-Krieg fortsetzen, droht Putin erstmals ein deutliches Staatsdefizit.

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Der Preis für Brent Crude Rohöl ist seit Juni um mehr als 20 Prozent gefallen. Dies bringt vor allem Russlands Staatshaushalt in massive Probleme. (Grafik: ariva.de)

Der Preis für Brent Crude Rohöl ist seit Juni um mehr als 20 Prozent gefallen. Dies bringt vor allem Russlands Staatshaushalt in massive Probleme. (Grafik: ariva.de)

Saudi-Arabien hat seine Ölproduktion zuletzt massiv erhöht und dadurch zu dem Verfall des Ölpreises um rund 20 Prozent beigetragen. Grund dafür ist offenbar eine strategische Zusammenarbeit mit den USA, die Russland durch einen Ölkrieg in die Knie zwingen wollen.

Die USA verhandelten über Monate mit Saudi-Arabien, bevor sie im September Syrien bombardierten. Das sunnitische Saudi-Arabien unterstützte die US-Angriffe gegen den ebenfalls sunnitischen Islamischen Staat (IS). Denn es bleibt eine Priorität der Saudis, den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad aus dem Amt zu entfernen.

Im Rahmen dieser Verhandlungen erreichte Saudi-Arabien außerdem die Zusicherung der USA, die Ausbildung von Kämpfern gegen Assad zu verstärken, berichtete das Wall Street Journal. Die strategische Partnerschaft zwischen Saudi-Arabien und den USA scheint wieder intakt zu sein.

Vor einem Jahr war Saudi-Arabiens König Abdullah noch wütend darüber gewesen, dass die USA damals einen Rückzieher machten und Syrien nach wochenlangen Drohungen dann doch nicht bombardierten. Von Anfang an ging es im Syrien-Krieg um den Zugriff auf Erdöl und Erdgas und um die Währung, in der diese Ressourcen bezahlt werden.

Entscheidend war damals die Rolle Russlands, dass seine Flotte im Mittelmeer in Stellung brachte. Präsident Wladimir Putin konnte auf diese Weise einen Krieg der USA gegen das eng mit Russland verbundene Syrien verhindern.

Derzeit tarnen die USA ihren Kampf gegen Assad als einen Kampf gegen die neue Terrororganisation IS. Zudem kommen sie Saudi-Arabien entgegen, indem sie Rebellen gegen Assad trainieren. Im Gegenzug hat Saudi-Arabien nun einen Öl-Krieg gegen Russland und Iran gestartet.

Saudi-Arabien wird den Ölpreis drücken, um politischen Druck auf den Iran und Russland auszuüben, zitiert die türkische Nachrichtenagentur Anadolu den Präsidenten des Zentrums für Saudi-arabische Ölpolitik und Strategische Aussichten, Rashid Abanmy.

Um Russlands Einstellung zu Syrien zu verändern, wird Saudi-Arabien in Asien und Nordamerika Öl zu einem Preis von 50 bis 60 Dollar pro Barrel verkaufen, so Abanmy. Auch der massive Rückgang des Ölpreises in den vergangenen drei Monaten sei durch Saudi-Arabien verursacht worden.

Am Freitag sagte Saudi-Arabien, dass es seine Öl-Produktion im September um 107.000 Barrel auf 9,7 Millionen Barrel erhöht hat, berichtet das Wall Street Journal. Die Produktion der zwölf OPEC-Staaten insgesamt erhöhte sich im September auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr.

Saudi-Arabien will erreichen, dass der Iran sein Nuklearprogramm beschränkt und dass Russland seine Unterstützung für die Assad-Regierung einstellt. Die beiden Staaten sind stark von ihren Öl-Exporten abhängig, so Abanmy. Ein Rückgang des Ölpreises würde sie härter treffen als die Golfstaaten.

Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) kann diesen Öl-Krieg durch Saudi-Arabien nicht verhindern. Denn die Entscheidungen der OPEC stellen für die zwölf Mitgliedsstaaten lediglich Empfehlungen dar.

Der Ölpreis liegt derzeit mit rund 90 Dollar so niedrig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwait können diesen Preisrückgang besser verkraften, als die anderen OPEC-Mitglieder. Denn letztere benötigen einen Ölpreis von 90 Dollar und mehr, um ausgeglichene Staatshaushalte zu erreichen.

Für Russland ist der fallende Ölpreis ein weitaus größeres Problem, als die Sanktionen des Westens infolge der Ukraine-Krise. Denn der Großteil der russischen Staatseinnahmen kommt aus Öl und Gas. Aus diesem Grund erwarten Investoren, dass Russland im Rahmen des Sanktionskriegs mit dem Westen seine Energie-Exporte nach Europa diesen Winter nicht einschränken wird.

In den Monaten Januar bis August hat Russland Einnahmen von 9,4 Billionen Rubel (180 Milliarden Euro) verzeichnet. Die Ausgaben lagen bei 8,5 Billionen Rubel, berichtet Forbes. Daraus ergibt sich in den ersten acht Monaten des Jahres ein Überschuss von insgesamt rund 900 Milliarden Rubel (18 Milliarden Euro).

„Trotz einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation haben wir einen Überschuss“, sagte Putin in der vergangenen Woche. „Wir werden keine Steuern erhöhen, um die Einnahmeverluste auszugleichen.“

Doch Russland rechnet in seinen Budgetplanungen für die Jahre 2015 bis 2017 mit einem Ölpreis von mindestens 100 Dollar pro Barrel. Wenn also Saudi-Arabien den Ölkrieg eskaliert, kommt Putin arg in Bedrängnis. Schon beim heutigen Ölpreis von rund 90 Dollar droht Russland erstmals seit Putins Amtsantritt ein erhebliches Staatsdefizit.

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