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Land ohne Jobs: Viele Syrer kämpfen für den IS, um ihre Familien ernähren zu können

Die Nahost-Analystin Kristin Helberg erklärt, dass viele junge Syrer nicht aus religiöser Überzeugung für den Islamischen Staat kämpfen. Der Beruf des Söldners ist für sie der einzige Job, den sie in dem vom Bürgerkrieg zerstören Land bekommen können. Sie müssen ihre Familien ernähren und haben keine andere Wahl.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Der syrische Präsident Baschar al-Assad ist an der Macht geblieben, der Islamische Staat (IS) verbreitet Angst und Schrecken und es gibt eine Reihe von kurdischen, syrischen und ausländischen Milizen. Wer ist hier das kleinere oder größere Übel?

Kristin Helberg: Hauptverantwortlich für die apokalyptische Krise in Syrien ist das Assad-Regime. Präsident Baschar al-Assad hat die friedlichen Demonstrationen im Jahr 2011 gewaltsam niederschlagen lassen. Die Moderaten wurden von Anfang an mit allen Mitteln unterdrückt, die Radikalen hat er gewähren lassen. Ab 2013 hat auch IS die gemäßigten Rebellen bekämpft – diese fanden sich in einem Zwei-Fronten-Krieg zwischen dem Regime und den Dschihadisten wieder. Assad braucht den IS, um seine Macht zu legitimieren, um sich als einzige Alternative zum Terror zu präsentieren, dabei ist er der Ursprung dieses Terrors.

Die Freie Syrische Armee (FSA) wurde im Sommer 2011 von Deserteuren der syrischen Armee gegründet, die sich weigerten, auf ihre Mitbürger zu schießen. Sie ist ein loser Verbund vieler regionaler, mehr oder weniger gemäßigter Rebellengruppen, die vom Westen zu wenig unterstützt wurden. Der IS lockt in Syrien vor allem mit Geld. Während sich ausländische Dschihadisten dem IS aus Überzeugung anschließen, spielt bei den syrischen Kämpfern der monatliche Sold in Höhe von 400 US-Dollar und mehr die wichtigste Rolle. Kämpfer, die zuvor für die FSA oder syrische Islamistenbrigaden gekämpft haben, sind zum IS gewechselt, weil sie dadurch ihre Familie ernähren können. Diese jungen Männer sind dadurch nicht über Nacht zu Dschihadisten geworden. Wichtig ist: Wir stehen in Syrien nicht vor der Wahl zwischen dem IS und Assad. Die allermeisten Syrer wollen weder das eine noch das andere. Und die Rebellen kämpfen sowohl gegen Assad als auch gegen IS.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Verschiedenen Medienberichten zufolge sind die Einwohner Kobanes weitgehend in die Türkei geflüchtet. Der IS kämpft gegen die kurdische PYD. Was genau ist los dort?

Kristin Helberg ist freie Journalistin und Nahostexpertin in Berlin. Anfang 2014 erschien die 2., aktualisierte und erweiterte Ausgabe ihres Buches „Brennpunkt Syrien. Einblick in ein verschlossenes Land“ im Herder-Verlag. (Foto: Kulke/photoartberlin.de)

Kristin Helberg ist freie Journalistin und Nahostexpertin in Berlin. Anfang 2014 erschien die 2., aktualisierte und erweiterte Ausgabe ihres Buches „Brennpunkt Syrien. Einblick in ein verschlossenes Land“ im Herder-Verlag. (Foto: Kulke/photoartberlin.de)

Kristin Helberg: Die PYD (Partei der Demokratischen Union) ist die syrische Schwesterpartei der PKK. Sie fordert einen Korridor von der Türkei nach Syrien, damit kurdische Kämpfer der PKK und der Peshmerga nach Syrien kommen und der PYD im Kampf um Kobane helfen können. Der Korridor wäre auch wichtig für Nachschub in Form von Waffen und humanitärer Hilfe. Ein aktives Eingreifen der Türkei lehnen die syrischen Kurden dagegen ab. Das wäre für sie Besatzung und der Versuch, die kurdische Selbstverwaltung im Nordosten Syriens zu zerschlagen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will hingegen eine Stärkung der PKK um jeden Preis verhindern. Er hat Angst vor kurdischer Autonomie in Syrien. Ankara betrachtet die gesamte Entwicklung sehr skeptisch. Es kommt ihm deshalb sehr gelegen, dass sich der IS und die PYD dort gegenseitig aufreiben und schwächen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Warum ist Kobane so wichtig für den IS? Welche strategische Bedeutung kommt der Stadt zu?

Kristin Helberg: Es gibt drei kurdische Kantone in Nordsyrien, einen im Osten (Cizîrê), einen im Westen (Afrin) und Kobane in der Mitte. Würde Kobane in die Hände des IS fallen, wären die Kurdengebiete nicht mehr miteinander verbunden. Aber der mediale Fokus auf Kobane frustriert inzwischen Syrer anderswo. Die ganze Welt schaut nur noch nach Kobani und Assad lässt währenddessen Aleppo, Daraa, die Vororte von Damaskus, Homs und weitere Städte bombardieren. Die meisten Menschen in Syrien sterben noch immer durch die Bomben des Regimes. Im September waren es laut Menschenrechtsorganisationen 1.707 zivile Opfer, ein Drittel davon Frauen und Kinder. Jeden Tag sterben durchschnittlich zehn Kinder in Syrien durch den Terror Assads. Er ist aus Sicht vieler Syrer deshalb der eigentliche Verbrecher, IS nur ein Nebenprodukt des Krieges.

Hinzu kommt: Die Syrer sind verbittert über die internationale Berichterstattung. Die sunnitischen Araber fühlen sich im Stich gelassen, weil sie genauso unter dem IS-Terror leiden wie die Kurden in Kobane, die Christen in Mossul oder die Jesiden in Sinjar. Die Menschen in Raqqa fragen sich: „Warum interessiert es keinen, dass IS uns schon seit Sommer 2013 terrorisiert? Warum hilft der Westen nur den Minderheiten und nicht uns sunnitischen Arabern?“ Das spaltet die syrische Gesellschaft zusätzlich, der Hass wächst.
Der IS ist eine sunnitische Terrororganisation, doch in Syrien sind die meisten Opfer bisher Sunniten. Die Extremisten des IS bringen jeden um, der sich ihnen widersetzt – genau wie Assad. Für mich sind IS und Assad deshalb die zwei Gesichter des Terrors in Syrien.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Warum erhält die PYD keine Waffen von der EU, der Türkei oder den USA?

Kristin Helberg: Die PKK wird nicht nur in der Türkei als Terrororganisation eingestuft, sondern steht auch in Europa und den USA auf der Terrorliste. Da die PYD als ihr syrischer Ableger gilt, hält sich der Westen mit direkter Unterstützung bisher zurück – auch aus Rücksicht auf Ankara. Erdogan will die PKK im Zuge der zaghaft begonnenen Friedensverhandlungen entwaffnen und nicht bewaffnen. Und Brüssel will Ankara nicht vergraulen. Deshalb bekommen die Kurden in Syrien bislang keine Waffen. Ich halte das PKK-Verbot in Deutschland für nicht zeitgemäß. Es sollten alle Kräfte gegen den IS gebündelt werden. Dazu gehört auch die PYD, die sich in Syrien seit mehr als einem Jahr gegen die Dschihadisten zur Wehr setzt.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Rolle spielt hier der Präsident autonomen Kurdenregion im Irak, Masud Barzani?

Kristin Helberg: Die Kurden sind untereinander zerstritten. Barzanis Peschmerga im Nordirak und die PKK sind seit langem verfeindet. Allerdings nähern sie sich gerade an, der Kampf gegen IS eint sie. Barzani hat angeboten, Peschmerga zur Unterstützung nach Kobane zu schicken, allerdings braucht es dafür den erwähnten Korridor durch die Türkei, den Erdogan nicht gewähren will.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wer möchte einen türkischen Einmarsch in Kobane und wer ist dagegen?

Kristin Helberg: Keiner in der Region will einen militärischen Alleingang der Türkei in Syrien. Ankara selbst auch nicht. Seit drei Jahren fordern syrische Aktivisten, Oppositionelle und Kämpfer eine Flugverbotszone im Norden des Landes. Diese würde Zivilisten vor den Luftangriffen des Regimes schützen, eine Rückkehr von Flüchtlingen ermöglichen und oppositionellen Kräften die Chance geben, sich besser zu organisieren und ein alternatives Syrien aufzubauen. Die Türkei unterstützt diesen Vorschlag. Aber ein UN-Mandat wird es dafür nicht geben – Russland und China, die fest an Assads Seite stehen, werden eine solche Entscheidung des Weltsicherheitsrates blockieren.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die Kurden fühlen sich von der Obama-Regierung im Stich gelassen. Doch die USA melden durchgehende Luftschläge. Was genau bombardieren die Amerikaner in Syrien?

In Kobane scheinen die US-Angriffe den Kurden jetzt zu helfen, sie werden wohl auch besser koordiniert. Im Rest des Landes sind die Luftschläge dagegen halbherzig und einseitig. Sie werden nicht mit den Rebellen am Boden koordiniert, was diese in den Augen der Bevölkerung zu hilflosen Lakaien des Westens macht. Die USA informieren zwar das Assad-Regime über geplante Luftschläge, nicht aber die Rebellen. Obwohl die Amerikaner FSA-Einheiten als Verbündete identifiziert haben, behandeln sie diese nicht als solche. Das ist ein großes Problem, denn so verlieren diese Brigaden an Glaubwürdigkeit und Rückhalt in der Bevölkerung.

Die USA zerbomben syrische Infrastruktur wie Getreidespeicher und Ölraffinerien, um dem IS die Versorgungswege abzuschneiden. Doch dadurch steigen die Preise für Nahrungsmittel in den IS-kontrollierten Gebieten und die Menschen solidarisieren sich mit IS. Die Amerikaner werden zunehmend als Feind gesehen, sie verlieren die Unterstützung der Bevölkerung.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welches Szenario haben Sie für die Zukunft Syriens?

Kristin Helberg: Um den Konflikt am Verhandlungstisch zu lösen, müssen erst die Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Aktuell hat Assad keinen Grund, Macht abzugeben, er hält die für ihn wichtigen Gebiete mit militärischer und finanzieller Unterstützung seiner Verbündeten Iran, Russland und der Hisbollah. Deshalb muss der militärische Druck auf ihn steigen. Auf der anderen Seite hat das größte Oppositions-Bündnis, die Nationale Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte, keinen Einfluss auf die Kämpfe am Boden. Es gibt in Syrien etwa 1.500 bewaffnete Gruppen, sie zu bündeln, einem Zentralkommando zu unterstellen und am Ende auch politisch zu kontrollieren, ist eine enorme Herausforderung. Auf der Suche nach verbündeten Rebellen sollten wir vor allem darauf schauen, wer ausschließlich nationale Ziele, also den Sturz des Regimes, verfolgt. Alle anderen, für die Syrien nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum globalen Dschihad ist, müssen wir gemeinsam mit den Syrern bekämpfen.

Nur, wenn beide Verhandlungspartner überzeugt sind, ihre Ziele militärisch nicht erreichen zu können, und wenn beide in der Lage sind, die Kriegführenden im Land entsprechend zu steuern, kann eine politische Einigung gelingen. An einer Lösung müssen außerdem die wichtigsten Regionalmächte, allen voran Saudi-Arabien und Iran beteiligt werden.

Das äußerst lesenswerte Buch von Kristin Helberg.

Das äußerst lesenswerte Buch von Kristin Helberg.

Kristin Helberg, geboren 1973 in Heilbronn, studierte Politikwissenschaft und Journalistik in Hamburg und Barcelona. Von 1995 bis 2001 arbeitete sie beim NDR in Hamburg. 2001 ging sie nach Damaskus, wo sie lange Zeit die einzige offiziell akkreditierte westliche Korrespondentin war. Bis 2008 berichtete sie von Syrien aus über die arabische und islamische Welt für die Hörfunkprogramme der ARD, den ORF und das Schweizer Radio SRF sowie verschiedene Printmedien. Heute arbeitet sie als freie Journalistin und Nahostexpertin in Berlin. Anfang 2014 erschien die 2., aktualisierte und erweiterte Ausgabe ihres Buches „Brennpunkt Syrien. Einblick in ein verschlossenes Land“ im Herder-Verlag (hier beim Verlag bestellen)

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Merkel folgt den USA: Kalter Krieg gegen Russland wird verschärft
Merkel folgt den USA: Kalter Krieg gegen Russland wird verschärft
Der Kalte Krieg wird zum Dauerzustand in Europa: Der G7-Gipfel wird der Verlängerung der Sanktionen gegen Russland zustimmen. Die Nato dehnt sich weiter nach Osten aus. Eine eigenständige deutsche Außenpolitik existiert nur noch in der Erinnerung an bessere Zeiten.
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Die G7 in Japan. (Foto: dpa)

Die G7 in Japan. (Foto: dpa)

Die G7-Staaten wollen im Konflikt mit der russischen Regierung um die Ukraine an den Sanktionen gegen Russland festhalten, berichtet die AFP. Angela Merkel kleidet ihr Einschwenken auf den US-Kurs in für sie typische, blumige Worte. Merkel sagte am Donnerstag am Rande des G7-Gipfels im japanischen Ise-Shima: „Für mich ist es zu früh, in irgendeiner Weise Entwarnung zu geben. Es ist hier eine Veränderung der Position gegenüber den Monaten zuvor erst einmal nicht zu erwarten.“

In ihrer Abschlusserklärung, die nach Ende des Gipfels am Freitag veröffentlicht werden soll, werde die im vergangenen Jahr auf dem Treffen der G7 im bayerischen Elmau eingenommene Position bekräftigt, sagte Merkel. Schon damal sdrohten die G7 Russland mit verschärften Sanktionen, „sollten seine Handlungen dies erforderlich machen“.

Die G7-Staaten hatten im Zuge der Ukraine-Krise Sanktionen gegen Russland verhängt. Zudem schlossen die sieben großen Industrienationen Russland aus ihrem Kreis aus und kehrten zum Format der G7 zurück. Das Gipfeltreffen in Japan ist das dritte seit dem Ausschluss Russlands.

Die Begründungen für den Kalten Krieg variieren. Einmal waren es angebliche russische Soldaten im Donbass, dann die „Annexion“ der Krim – eine völkerrechtlich umstrittene Qualifikation -, dann wieder der Abschuss der MH17, gelegentlich die Einhaltung der Minsker Vereinbarung. Davon hört man allerdings in jüngster Zeit weniger, weil die Regierung in der Ukraine Minsk ostentativ ignoriert. Die Krim ist dagegen ein dankbareres Subjekt, weil damit die Emotionen leichter geschürt werden können. So sagte der ukrainische Präsident Poroschenko bei der Heimkehr der Pilotin Sawtschenko, man werde auch die Krim von Russland zurückholen. Der Eurovision Song Contest wurde mit einem Krim-Song zum politischen Spektaktel, wie die Reaktionen des leidenschaftlichen Transatlantikers Carl Bildt belegen.

Eine eigenständige außenpolitische Position hat Merkel in Japan in keinem der Russland betreffenden Themen bezogen. Ähnlich wie beim Krieg in Syrien neigt Merkel dazu, von der US-Regierung aus geopolitischen Gründen forcierte Entwicklungen als unabänderliche Ereignisse darzustellen, deren Konsequenzen die Deutschen und die Europäer eben zu tragen hätten. So werden die Flüchtlinge aus Syrien zum moralischen Problem für die EU hochstilisiert, obwohl die sofortige Beendigung der ethnischen Säuberungen und der Vertreibung der Syrer aus ihrer Heimat das humane Gebot der Stunde wäre. Zu den Fluchtursachen, die die Kanzlerin ebenfalls nie erwähnt, gehören auch die Sanktionen gegen Syrien, die das Land in eine wirtschaftliche Katastrophe getrieben haben. Betroffen ist davon vor allem die Bevölkerung in Syrien, weil Lebensmittelversorgung und Gesundheitswesen nur noch mit Mühe aufrechterhalten werden können.

Der SPD kommt im Zuge dieser außenpolitischen Selbstaufgabe Deutschlands die Rolle der „good cops“ zu. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel forderte in Rostock die Aufhebung der Sanktionen – aus naheliegenden Gründen: In den vergangenen drei Jahren ist das Handelsvolumen mit Russland um 50 Milliarden Euro eingebrochen. Die deutsche Wirtschaft fordert seit langem die Aufhebung der Sanktionen. Forderungen nach einem Ende der Strafmaßnahmen kommen unter anderem aus der deutsche Industrie und Landwirtschaft, denen umfangreiche Geschäfte mit Russland weggebrochen sind. Allein 2015 waren nach Angaben des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft die deutschen Exporte nach Russland um 7,5 Milliarden Euro oder 25,5 Prozent eingebrochen.

Auch die Mehrheit der Deutschen ist dafür, die EU-Sanktionen gegen Russland aufzuheben oder zumindest zu lockern. Die Meinung der Deutschen ist in dieser Frage allerdings ganz und gar unerheblich.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier stellte fest, dass der Widerstand gegen die Russland-Sanktionen in der Europäischen Union (EU) wächst. Die Verlängerung der am 31. Juli auslaufenden wirtschaftlichen Strafmaßnahmen werde schwieriger, wird der SPD-Politiker am Donnerstag von der litauischen Nachrichtenagentur BNS zitiert. Es sei komplizierter als im vergangenen Jahr, eine gemeinsame Position dazu zu finden. Die Sanktionen wurden im Juli 2014 verhängt und 2015 zweimal verlängert. Auch im Sommer wird sich daran nichts ändern: Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini kündigte bereits an, dass auch diesmal eine Verlängerung erfolgen werde. 

Alles andere als eine Verlängerung der Sanktionen wäre eine Sensation. Die Trends im geopolitischen Umfeld sind unmissverständlich: Die Nato wird in wenigen Wochen ihre Osterweiterung vorantreiben. Die Nato hat sich eigentlich verpflichtet, keine Kampftruppen dauerhaft in seinen osteuropäischen Mitgliedsländern zu stationieren. Bei ihrem Gipfel im Juli in Warschau will das Bündnis aber beschließen, dass Truppen der Allianz abwechselnd regelmäßige Übungen in den baltischen Staaten abhalten. Estlands Regierungschef Taavi Roivas  sagte der Zeitung Die Welt, es dürfe keine Lücken geben und fordert eine „durchgängige Präsenz von jeweils einem Bataillon der Nato in Estland, Lettland und Litauen“. Das Ziel: „Abschreckung muss die neue Normalität sein.“

In der entsprechenden Grundsatzrede hatte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärt, dass die Nato berechtigt sei, die USA und die EU auch auf fremdem Territorium zu verteidigen. Die Bundeswehr wird zu diesem Zweck erstmals in Osteuropa zum Einsatz kommen. Grundlage der Verschärfung des Kalten Krieges ist die Erklärung Russlands zum Feind, wie sie auch in der neuen deutschen Militär-Doktrin festgeschrieben wird.

Evangelische Kirche hält Trauerfeier für getöteten IS-Kämpfer ab
Evangelische Kirche hält Trauerfeier für getöteten IS-Kämpfer ab
Mit einer christlich-muslimischen Trauerfeier soll an diesem Freitag in der Hamburger St. Pauli Kirche eines 17-Jährigen gedacht werden, der sich der Terrormiliz IS angeschlossen hat und im Kampfgebiet ums Leben gekommen ist.
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DER IS-Kämpfer aus Hamburg. (Foto: Verfassungsschutz Hamburg)

DER IS-Kämpfer aus Hamburg. (Foto: Verfassungsschutz Hamburg)

Dieses Vorhaben des Pastors Sieghard Wilm sorgte bereits im Vorfeld für heftige Diskussionen im Netz, berichtet die dpa. Der in Kamerun geborene Florent, in der salafistischen Szene «Bilal» genannt, kam als Kleinkind nach Deutschland.

Er stammte nach Angaben des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz aus einer christlichen Familie, konvertierte aber mit 14 Jahren zum Islam und radikalisierte sich. Im Frühjahr 2015 reiste er nach Syrien, auch im Irak soll er gewesen sein. Wo und unter welchen Umständen er ums Leben kam, ist unklar. Nach Angaben des Verfassungsschutzes hatte Florent kurz vor seinem Tod noch seine Glaubensbrüder in einer Audiobotschaft davor gewarnt, für den IS in den Krieg zu ziehen.

Der Verfassungsschutz Hamburg schreibt:

Seine Eindrücke und Erlebnisse fasst er kurz vor seinem Tod in einer Audiobotschaft zusammen, die er über Internet nach Hamburg an seine Glaubensbrüder schickt, um sie zu warnen. Diese Audioaufzeichnung, die in der Szene weiter verbreitet wurde, liegt auch dem LfV Hamburg vor. Sie räumt auf mit der romantisierenden Vorstellung des Jihad und entlarvt die Propaganda des IS als Lügengebilde.

Bilal schildert in seiner Botschaft seine Ankunft in der syrischen IS-Hochburg Raqqa, wo er zusammen mit anderen Deutschen zunächst in einem Haus untergebracht wird. Er berichtet weiter, dass sie immer wieder nach einem Trainingslager gefragt hätten und man sie aber immer wieder vertröstet habe. Man habe sie permanent angelogen, ein Trainingslager hätten sie zunächst nicht gesehen.

Nach einiger Zeit wären sie in ein anderes Haus gebracht worden, welches sie nicht verlassen durften. Es wäre in der Gruppe der ausländischen IS-Aspiranten zu Streit und auch zu Schlägereien gekommen. Auch für das Gebet habe man die Wohnung nicht verlassen dürfen, selbst der Besuch einer Moschee sei verboten worden. Bilal empfindet das Haus als Gefängnis.

Strom habe es nicht gegeben; auch in diesem Punkt wären ihnen nur leere Versprechungen gemacht worden, man würde sich darum kümmern. Passiert sei nichts. Schließlich sei man für kurze Zeit in einem Trainingslager gewesen und danach nach Mossul im Nordirak gebracht worden. Ihre Mobiltelefone hätte man ihnen weggenommen und nicht – wie versprochen – zurückgegeben. Wieder hätten sie das Haus nicht verlassen dürfen. Wieder sei es wie im Gefängnis gewesen.
„Ne Pistole nehmen und dir in den Kopf schießen“

Bilal schildert des Weiteren die Bekanntschaft zu Arabern, die von ihrem Amir (Befehlshaber) einfach ohne Plan an die Front geschickt wurden: „Der Amir, Bruder, […] sagt einfach zu denen: ,Ja, kämpft einfach. Geht einfach nach vorne, stürmt einfach nach vorne.‘ Die fragen ‚Ja – haben wir keinen Plan, haben wir keine Taktik?‘ und so. Er sagt ‚Nein. Kämpft einfach.‘ und so. Er schickt die einfach in den Tod. Das ist so, du kannst gleich ne Pistole nehmen und dir in [den] Kopf schießen. […] Die schicken die Brüder einfach in den Tod.“

Bilal berichtet seinem Bekannten in Hamburg, dass die Befehlshaber die Leute aus Europa zwar zum Kämpfen schicken, sich aber selbst nicht beteiligten. Kampfgefährten, die sich darüber beschweren, seien einfach ins Gefängnis gesteckt worden. Ein Glaubensbruder aus Frankreich habe wieder nach Frankreich zurückkehren wollen. Auch ihn habe man in Haft genommen. Bilal weiß nicht, was aus ihm geworden ist. Auch den versprochenen Lohn habe man nicht erhalten, alles sei eine Lüge gewesen. An dieser Stelle reißt die Audiobotschaft aus bisher unbekannten Gründen ab.

Bilal stirbt im Juli 2015 eines unbekannten Todes. Ungefähr zeitgleich lässt ein weiterer junger Mann, der mit Bilal ausgereist ist, sein Leben. In Teilen der salafistischen Szene in Hamburg wird erzählt, dass er durch den IS umgebracht worden sei. Ähnliche Mutmaßungen werden nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes auch zu Bilals Tod geäußert.

Den deutschen Sicherheitsbehörden liegen weitere Berichte anderer Rückkehrer vor, die ebenfalls ein völlig anderes Bild über die Realität über das Leben in den IS-besetzten Gebieten zeichnen, als es die Propaganda vorgaukelt. Insbesondere mit der angeblichen Brüderlichkeit ist es nach diesen Erkenntnissen nicht weit her.
Junge Menschen aus Europa werden demnach schlecht ausgebildet und ungenügend ausgerüstet in den sicheren Tod geschickt. Personen, die sich vom IS lösen wollen, müssen dies heimlich tun. Ansonsten laufen sie Gefahr, als Verräter und Abtrünnige erschossen zu werden.

Gabriel geht auf Distanz zu Merkel, fordert Ende der Russland-Sanktionen
Gabriel geht auf Distanz zu Merkel, fordert Ende der Russland-Sanktionen
Bundeswirtschaftsminister Gabriel ist in der Frage der Russland-Sanktionen erstmals auf Distanz zu Bundeskanzlerin Merkel gegangen und fordert den Abbau der Sanktionen. Welchen Schaden die Sanktionen angerichtet haben, belegen die Zahlen: Das Handelsvolumen zwischen den beiden Staaten hat sich innerhalb von…
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Deutsch-russisches Treffen in Rostock am Mittwoch (von rechts): Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der russische Industrieminister Denis Manturow, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der russische Botschafter Wladimir Grinin. Bundeswirtschaftsminister Gabriel fordert den schrittweisen Abbau der Russland-Sanktionen. (Foto: dpa)

Deutsch-russisches Treffen in Rostock am Mittwoch (von rechts): Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), der russische Industrieminister Denis Manturow, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der russische Botschafter Wladimir Grinin. (Foto: dpa)

Die Forderungen nach einem baldigen Ende der wechselseitigen Handelssanktionen zwischen Russland und der EU werden lauter, beobachtet die dpa. „Man sollte die Nachfrage der Wirtschaft im Blick haben“, sagte Russlands Industrieminister Denis Manturow am Mittwoch beim zweiten Russlandtag in Rostock. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach sich für einen schrittweisen Abbau der wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen aus. „Wir wissen alle aus unserer Erfahrung, dass Isolation auf Dauer gar nichts bringt. Am Ende hilft nur Dialog“, sagte er.

Die Wirtschaft auf beiden Seiten sei daran interessiert, die Beziehungen weiter zu entwickeln, Partnerschaften zu schließen, Handel und Investitionen zu stärken, betonte Manturow. Ungeachtet der Sanktionen warb er um Investitionen in die russische Industrie. Für sein Land sei Deutschland dabei wichtigster Partner. Unternehmen wie der Elektrokonzern Siemens oder der Landmaschinenhersteller Claas seien mit ihren Großprojekten in Russland Vorreiter.

Gabriel machte jedoch deutlich, dass eine weitere Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen nur möglich sei, wenn die Verabredungen von Minsk für den Friedensprozess in der Ukraine auch eingehalten werden. Dauerkonfrontation sei der falsche Weg. „Das heißt aber nicht, dass man billigt, was Russland gemacht hat. Und das heißt nicht, dass wir Abstand davon nehmen, dass der Bürgerkrieg in der Ukraine beendet werden muss“, sagte der SPD-Politiker.

Die EU hatte 2014 als Reaktion auf die Krim- und Ukraine-Krise Handelsbeschränkungen gegen Russland verhängt, die von der Gegenseite erwidert wurden.  Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini geht davon aus, dass die zunächst bis Juli befristeten Sanktionen auch über den Sommer hinaus fortbestehen. Deren Aufhebung sei an eine vollständige Umsetzung der Minsker Abkommen gekoppelt. Die EU sieht bei ihren ständigen Verlängerungen der Sanktionen stets ausschließlich Russland in der Pflicht. Verletzungen des Minsker Abkommens durch die Regierung in Minsk werden faktisch nicht thematisiert.

Die Bild-Zeitung, die durch Springer-Unternehmensgrundsätze der transatlantischen Partnerschaft verpflichtet ist, wittert gar einen Aufstand gegen Merkel und schreibt:

„Viele Statements erinnerten an eine offene Sanktions-Meuterei gegen Kanzlerin Merkel und die EU. Von Einigkeit gegenüber Moskau war nichts zu spüren… Zumindest verbal meutert Mecklenburg-Vorpommern mit dem „2. Unternehmertag: Russland in Mecklenburg-Vorpommern“ offen gegen die von der EU verhängten und von der Bundesregierung unterstützten Sanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit der Aggression gegen die Ukraine. Nahezu jeder Redner stellte sich gegen den Kurs von Kanzlerin Merkel und forderte sie zu einem radikalen Kurswechsel auf. Eine Halle voller „Russland-Versteher“, um es mit den Worten von Alt-Kanzler Schröder zu sagen.“

Tatsächlich sind die Auswirkungen für die Wirtschaft und damit für Arbeitnehmer außerhalb der Rüstungsbranche in Deutschland und Russland verheerend: In der Folge der Sanktionen halbierte sich das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Russland den Angaben des stellvertretenden Ministers für wirtschaftliche Entwicklung, Alexey Likhachew zufolge von 105 Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 52 Milliarden Euro im Jahr 2015.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), Hauptinitiator des zum zweiten Mal ausgetragenen Russlandtags, forderte hingegen ein baldiges Ende der Handelsbeschränkungen. Sie hätten wenig bewirkt und das große Interesse an Treffen wie in Rostock zeige den dringenden Wunsch nach Normalisierung: „Gemeinsam warten wir ungeduldig darauf, dass die Sanktionen endlich fallen“.

Für den Russlandtag hatten sich rund 600 Vertreter aus Wirtschaft und Politik beider Länder angemeldet, um in Fachforen und Gesprächen bestehende Kontakte zu vertiefen und neue Beziehungen aufzubauen. Der erste Russlandtag vor zwei Jahren war noch von heftigen Diskussionen begleitet worden, weil er unmittelbar nach Verhängung der Sanktionen stattfand.

 

US-Republikaner: Trump hat offenbar genug Delegierte
US-Republikaner: Trump hat offenbar genug Delegierte
Donald Trump hat einem Agenturbericht zufolge die notwendige Zahl an Delegiertenstimmen für eine Nominierung durch die Republikanische Partei gesammelt.
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Donald Trump ist die Nominierung als Präsidentschaftskandidat nicht mehr zu nehmen. (Foto: dpa)

Donald Trump ist die Nominierung als Präsidentschaftskandidat nicht mehr zu nehmen. (Foto: dpa)

Der Republikaner Donald Trump hat sich einem Medienbericht zufolge die Präsidentschaftskandidatur seiner Partei gesichert. Die Nachrichtenagentur AP meldete am Donnerstag, Trump komme inzwischen auf 1238 Delegiertenstimmen, eine mehr als notwendig für eine direkte Nominierung auf dem Parteitag im Juli. Anfang Juni kann Trump sein Polster zudem ausbauen, wenn bei letzten Vorwahlen noch einmal Hunderte Stimmen vergeben werden.

Der Unternehmer ist der einzig verbliebene Bewerber der Republikaner. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos lag er zuletzt fast gleichauf mit Ex-Außenministerin Hillary Clinton, die die Kandidatur der Demokraten faktisch sicher hat.

AP berief sich auf eigene Berechnungen. Demnach überschritt Trump die Schwelle der notwendigen Stimmen, weil eine kleine Zahl der sogenannten ungebundenen Delegierten sich für ihn aussprachen. Diese können unabhängig von den Vorwahlen über ihre Stimmabgabe frei entscheiden.

„Ich glaube, er hat einen Teil der Wählerschaft erreicht, dem die Lage in unserem Land nicht gefällt“, sagte die Vorsitzende der Republikaner im Bundesstaat Oklahoma, Pam Pollard, der Agentur. „Ich habe kein Problem damit, Herrn Trump zu unterstützen.“ Ihr Parteifreund Steve House aus Colorado verwies auf die Erfahrung des Milliardärs als Geschäftsmann. „Führungsqualitäten sind Führungsqualitäten“, sagt er. „Wenn er sich mit talentierten Politikern umgeben kann, wird es gut für ihn laufen.“

Trump hatte sich zur Überraschung vieler Experten im Vorwahlkampf der Republikaner gegen 16 Konkurrenten durchgesetzt. In der Partei ist er umstritten, unter anderem wegen seiner Äußerungen über Frauen und Einwanderer. Befürworter halten ihm dagegen zugute, neue Wähler mobilisiert zu haben. Die Präsidentenwahl findet Anfang November statt. Präsident Barack Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.

Mit EU-Pass: Syrischer Islamisten-Chef reiste in die USA
Mit EU-Pass: Syrischer Islamisten-Chef reiste in die USA
Ein syrischer Führer der Islamisten-Miliz Ahrar al-Scham soll im Dezember mit einem europäischen Pass die USA besucht haben. In Washington soll er sich mit hochrangigen Offiziellen getroffen haben. Was besprochen wurde, bleibt unklar.
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Eine Luftaufnahme des Pentagon in Arlington. (Foto: dpa)

Eine Luftaufnahme des Pentagon in Arlington. (Foto: dpa)

Nach Informationen des US-Pressekonzerns McClatchy soll sich Labib al-Nahhas, Außenpolitik-Direktor der islamistischen Miliz Ahrar al Sham, im Dezember in Washington mit hochrangigen Vertretern getroffen haben. Der Islamisten-Führer soll mit einem europäischen Pass eingereist sein. „Sie behandeln al-Nahhas als Individuum und es ist gut, jemanden auf der anderen Seite zu haben, mit dem man sich austauschen kann (…) Bei Ahrar al-Scham handelt es sich um eine salafistische Gruppierung“, sagt Faisal Itani vom Atlantic Council.

„Die USA haben sich im Allgemeinen mit einer Reihe von syrischen Oppositionsgruppen beschäftigt. Das schließt Ahrar al-Scham ein“, so der Pentagon-Sprecher John Kirby. Ahrar al-Scham gehört zu den schlagkräftigsten Islamisten-Milizen im Syrien-Krieg.

Seit Anfang April hat die syrische Armee (SAA) in der Region Aleppo aufgrund einer Offensive der Islamisten-Milizen Dschaisch al-Fatah und al-Nusra die strategisch wichtigsten Städte al-Eis und Khan Touman an ihre Gegner verloren. Die SAA hat in den vergangenen Tagen schwere Rückschläge erleiden müssen. Auslöser der Rückschläge sollen Spannungen zwischen den iranischen und russischen Kommandozentralen sein, berichtet Al-Masdar News. Bei den Spannungen soll es um die Frage gehen, wer die taktische Planung für die einzelnen Offensiven im Syrien-Konflikt übernehmen soll.

Anleihe in London: China stärkt den Yuan als Welt-Währung
Anleihe in London: China stärkt den Yuan als Welt-Währung
China baut die Rolle des Yuan als international akzeptierte Währung in Konkurrenz zum Dollar weiter aus. Zum ersten Mal verkaufte das Finanzministerium jetzt eine in Renminbi denominierte Anleihe in der westlichen Finanzmetropole London.
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Der Aufstieg des Yuan geht mit einem Bedeutungsverlust des Dollar einher. (Foto: dpa)

Der Aufstieg des Yuan geht mit einem Bedeutungsverlust des Dollar einher. (Foto: dpa)

China treibt die Internationalisierung seiner Landeswährung Renminbi (Yuan) voran. Das Finanzministerium plant, in Kürze eine auf Yuan lautende Staatsanleihe in London zu emittieren, wie Financial Times berichtet. Die Anleihe, die rund 3 Milliarden Yuan (rund 408 Millionen Euro) einbringen soll, gilt als Testlauf für die Nachfrage internationaler Investoren für chinesische Titel auf den Offshore-Märkten.

Die Bereitstellung von Anlageinstrumenten und Wertpapieren in Yuan spielt bei der monetären Internationalisierungsstrategie Chinas eine entscheidende Rolle. In Offshore-Zentren wie Hongkong, London, Singapur und Frankfurt haben sich bereits substantielle Yuan-Einlagen gebildet – die Verfügbarkeit eines liquiden Pools an Instrumenten zur Geldanlage war bislang jedoch unterentwickelt.

Die Anleihen des Finanzministeriums sind die größten und liquidesten Anleihen auf dem chinesischen Finanzmarkt. Zuletzt hatte das Ministerium im Jahr 2011 eine Anleihe über 20 Milliarden Yuan in Hongkong ausgegeben. Die unerwartete Entscheidung der chinesischen Zentralbank vom Sommer des vergangenen Jahres, die Landeswährung signifikant abzuwerten, hatte bei einigen Investoren jedoch Zweifel an der Berechenbarkeit der chinesischen Geldpolitik aufkommen lassen.

Auf längere Sicht dürfte die Bedeutung der Offshore-Märkte jedoch abnehmen, weil ausländischen Investoren der Zugang zum Inlandsmarkt erleichtert wird. Zentralbanken und Staatsfonds genießen demzufolge vor Privatbanken und Vermögensverwaltungen den privilegiertesten Zutritt.

In der Vergangenheit hatten ausländische Banken und Staaten bereits angekündigt, Anleihen in Yuan in China (so genannte „Panda-Bonds“) zu begeben. Dazu gehört die russische Sberbank sowie die südkoreanische Regierung, die im Dezember eine fünffach überzeichnete Anleihe über umgerechnet mehr als 400 Millionen Euro ausgegeben hatte.

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