Studie: Europas Banken trotz Stresstest mit Eigenkapital-Lücken

Der bevorstehende EZB-Stresstest hat bei einigen Banken zu verstärkter Kapitalaufnahme geführt. Die meisten warten jedoch ab. Eine von der EZB unabhängige Schätzung sieht einen realistischen Kapitalbedarf von 300 Milliarden Euro bei den europäischen Banken.

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Seit Anfang 2011 haben sich die europäischen Banken an den Kapitalmärkten mehr als 90 Milliarden Euro beschafft. Allein fast die Hälfte davon – immerhin 34,7 Milliarden Euro – sind in den ersten neun Monaten dieses Jahres von den Instituten eingesammelt worden. Vor allem Banken aus kriselnden Ländern haben in diesem Jahr ihr Kapital aufgebessert, aber auch deutsche Institute hatten noch einen Nachholbedarf, wie eine Analyse der Kanzlei Linklaters zeigt. Die italienischen Institute haben in den vergangenen neun Monaten mit 10,5 Milliarden Euro beschafft, gefolgt von Griechenland mit 8,3 Milliarden Euro, Deutschland (6,7 Mrd.) und Portugal (3,4 Mrd.).

Am 26. Oktober werden die Ergebnisse des Stresstests veröffentlicht. Insgesamt stehen 130 führende Banken bei dem Stresstest im Rampenlicht. Und trotz der massiven Kapitalbeschaffung werden etliche Banken in Schwierigkeiten geraten. Es ist nicht sicher zu sagen, ob die 90 Milliarden Euro frischen Geldes der vergangenen Jahre überhaupt reichen. Es gibt Schätzungen, wonach ein Kapitalbedarf in Höhe von 300 Milliarden Euro realistischer ist.

Im ersten Jahr nach den letzten Stresstest besorgten sich die Finanzinstitute etwa 32 Milliarden Euro, 2012 waren es um die 16 Milliarden Euro und 2013 sogar  nur knapp 15 Milliarden. 2014 wurde aufgrund des anstehenden Stresstests deutlich mehr frisches Geld beschafft (Grafik Linklaters)

Im ersten Jahr nach den letzten Stresstest besorgten sich die Finanzinstitute etwa 32 Milliarden Euro, 2012 waren es um die 16 Milliarden Euro und 2013 sogar nur knapp 15 Milliarden. 2014 wurde aufgrund des anstehenden Stresstests deutlich mehr frisches Geld beschafft (Grafik Linklaters)

Und unabhängig von diesen Schätzungen zeigen auch die Untersuchungen von Linklaters , dass einige Institute nicht in der Lage sein werden, den Stresstest zu bestehen. Denn die 34,7 Milliarden Euro, die an den Märkten beschafft wurden, wurden nicht gleichmäßig abgerufen. Von den 66 Banken in den kriselnden Ländern etwa hat nur ein Viertel in diesem Jahr ihr Eigenkapital erhöht. Das lege nahe, dass „möglicher Weise noch einige Banken an einem Defizit im Eigenkapital leiden“, so Edward Chan von Linklaters.

Die Deutsche Bank hatte sich in diesem Jahr ganz bewusst sehr viel frisches Kapital am Markt besorgt. Die Commerzbank und die HSH Nordbank haben Probleme mit ihrem Schifffahrtsportfolio. HSH Nordbank, die NordLB und die Commerzbank werden bei dem Stresstest mit einer Abschreibung von zehn bis zwanzig Prozent auf ihre Schifffahrtsanteile rechnen müssen, so die FT mit Verweis auf Insider. Ende Juni hatte die HSH noch etwa 20 Milliarden Euro in die Schifffahrtsanteile investiert. Das entspricht etwa einem Fünftel ihres ganzen Kapitals. Bei der NordLB sind es 16,2 Milliarden Euro ihres Kapitals in Höhe von 199 Milliarden Euro  und bei der Commerzbank sind von dem Gesamtkapital (583 Mrd. Euro) 12,8 Milliarden Euro in Schiffsanteilen investiert. Goldman Sachs zufolge laufen mindestens drei italienische (Monte dei Paschi, Banca Popolare di Milano und Banca Popolare) und drei griechische Banken (Piraeus, Eurobank and Alpha Bank) Gefahr, den Stresstest nicht zu bestehen, so der britische Telegraph.

Die EZB selbst ist ebenfalls unsicher hinsichtlich möglicher Folgen des Stresstests für die Märkte und das Bankensystem. Deshalb sollen Banken, die wanken, innerhalb von 48 Stunden einen Notfall-Plan präsentieren, wie sie Kapitallücken decken wollen. Bei drei der insgesamt acht Banken, die durch den letzten Stresstest fielen, führte dies zu einer Restrukturierung. Die anderen fünf durchgefallenen Banken wurden entweder verkauft oder fusioniert.

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